Kanada: Partner in Wissenschaft, Forschung und Innovation

Deutschland und Kanada haben 1971 ein Regierungsabkommen zur wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit abgeschlossen und kooperieren über 40 Jahre erfolgreich. Die Schwerpunkte wurden im Laufe der Zeit an die politischen Prioritäten angepasst.

Kanada entwickelt sich für Deutschland immer mehr zum strategischen Partner in der Arktisforschung. © Jens Büttner/dpa

Gemeinsame für eine biobasierte Wirtschaft von morgen

Ein Schwerpunkt gemeinsamen Interesses ist die Züchtung von Nutzpflanzen. Zunächst wurden Verbundprojekte zur Verbesserung der Qualität von Raps und Weizen gefördert. Die Verbesserung von Resistenzen der Nutzpflanzen gegen Krankheiten sowie Stressfaktoren wie Trockenheit und Dürre und die Erhöhung des Gehalts an erwünschten Inhaltsstoffen standen hier im Fokus. Mittlerweile streben Deutschland und Kanada eine biobasierte Wirtschaft an und forschen gemeinsam mit dem Ziel einer innovativen und nachhaltigen Nutzung von natürlichen Ressourcen. Die Zusammenarbeit wurde auf Projekte zu Themen wie Bioraffinerien und Öl-Pflanzen-Ersatz ausgeweitet. Künftig sollen aus Biomasse, insbesondere aus Pflanzenabfällen, nutzbare Produkte wie Kraftstoffe hergestellt werden. Dies leistet einen Betrag zum Klimaschutz und zur nachhaltigen und effizienten Nutzung natürlicher Rohstoffe. In die Kooperation sind von Anfang an neben Universitäten und nichtuniversitären Forschungseinrichtungen auch verschiedene Firmen in beiden Ländern eingebunden.

Arktisforschung

Kanada entwickelt sich für Deutschland immer mehr zum strategischen Partner in der Arktisforschung. Neben den naturräumlichen Gegebenheiten verfügt Kanada auch über eine gut funktionierende Infrastruktur und über ein Netz an hervorragenden wissenschaftlichen Einrichtungen, die Forschung im arktischen Raum durchführen. Auf der deutschen Seite ist das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, der wichtigste Partner für bilaterale Forschungsaktivitäten. Thematisch ist die Kooperation weit gefächert. Marine und terrestrische geologische Forschung stellen einen wichtigen Baustein dar. Viele der gemeinsamen Aktivitäten haben auch einen Bezug zur Rekonstruktion von Klimaveränderung in der Erdgeschichte. Dies lässt auch Rückschlüsse auf die zukünftige Klimaentwicklung in der Arktis zu. Auch die Erdbeobachtung steht im Fokus. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) kooperiert mit der Canadian Space Agency (CSA), dem Canada Centre for Mapping and Earth Observation (CCMEO) und verschiedenen Universitäten. Die gemeinsame Nutzung von Radardaten und die wechselseitige Nutzung der Bodenempfangsstationen von stehen hier im Mittelpunkt. Des Weiteren sind die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und der Geological Survey of Canada Forschungspartner in der Arktisforschung. Eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit in den nächsten fünf Jahren wurde im Februar 2015 in Ottawa unterzeichnet.

Neues Fraunhofer Projekt-Zentrum für personalisierte Medizin

Die Regenerative Medizin steht seit Jahren im Fokus des Bundesforschungsministeriums. Ziel ist es, lebende Zellen zur Wiederherstellung funktionsgestörter Zellen, Gewebe oder Organe nutzbar zu machen. Dieses ist bei der Heilung von Krankheiten wie zum Beispiel Alzheimer, Diabetes und Krebs von wichtiger Bedeutung. Forschung in diesem Gebiet fordert interdisziplinäre Ansätze, die von der Grundlagenforschung bis hin zur Umsetzung in klinische Produkt und Verfahren reichen.

Das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie (IZI) ist in diesem Forschungsgebiet mit Förderung des Bundesforschungsministeriums eine enge Partnerschaft mit der kanadischen McMaster-Universität eingegangen. Diese Universität ist sowohl in der Entwicklung modernster Fertigungsverfahren als auch in der Gesundheitsforschung durch innovative Entwicklungen bekannt und bietet sich durch seine komplementären Kompetenzen als idealer Kooperationspartner an. Gemeinsam sollen innovative Produkte und Technologien für die personalisierte Medizin entwickelt werden. Hierzu gehören unter anderem neue Automatisierungsstrategien für die Herstellung von Zelltherapeutika sowie die Entwicklung neuartige Biomaterialien für die biomedizinische Anwendung. Um der Kooperation einen strukturellen Rahmen zu verleihen, wurde im Januar 2015 die Gründung des Projektzentrums »Biomedical Engineering and Advanced Manufacturing (BEAM)« offiziell besiegelt. Dies ist bereits das zweite Fraunhofer Projektzentrum in Kanada.