Karliczek: Alexander von Humboldt wird immer ein Vorbild in der Wissenschaft sein

An diesem Samstag wäre Alexander von Humboldt 250 Jahre alt geworden. „Deutschlands Ruf in der Welt profitiert bis heute von diesem Ausnahmeforscher und Brückenbauer zwischen den Kontinenten“, so Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Alexander von Humboldt prägt die Naturwissenschaften bis heute.
Alexander von Humboldt prägt die Naturwissenschaften bis heute. © BMBF/Ley

Zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt erinnert Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in einem Gastbeitrag für das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) an die großen wissenschaftlichen Leistungen des Berliners.

Von Anja Karliczek

Alexander von Humboldt war einer der letzten großen Universalgelehrten, der in vielfacher Hinsicht seiner Zeit voraus war. Er dachte in großen Zusammenhängen, war von unbändiger Neugier beseelt, forschte mit großem Mut und persönlichem Einsatz und arbeitete dennoch mit ungeheurer wissenschaftlicher Akribie. Und Humboldt  verstand etwas, das wir uns auch heute von der Wissenschaft wünschen: Er war in der Lage, seine Forschung anschaulich zu vermitteln. Auch 250 Jahre nach seiner Geburt ist er noch immer das Idealbild eines Wissenschaftlers. Wir tun gut daran, uns immer wieder an ihn und seine Lebensleistung zu erinnern - auch wenn er nicht Geburtstag hat. Ich bin sicher, Humboldt wird auch für künftige Generationen ein wissenschaftliches Vorbild sein.

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung. © BMBF/Laurence Chaperon

Humboldt hat eine bis heute faszinierende Biografie. In Berlin-Tegel aufgewachsen, reiste er 1799 nach Südamerika und kehrte von dort als erster Weltstar der Wissenschaft zurück. Er betrachtete  fremde Kontinente nicht nur als Forschungsobjekte, sondern versuchte, deren Perspektive einzunehmen. Dies vergessen ihm die Nationen, die er besuchte, bis zum heutigen Tag nicht. Das zeigt sich auch daran, dass neben dem berühmten Humboldtstrom viele Orte und Dinge weltweit nach ihm benannt sind.

Deutschlands Ruf in der Welt profitiert bis heute von diesem Ausnahmeforscher und Brückenbauer zwischen den Kontinenten. Man darf vielleicht sogar sagen, dass Humboldt auch der Vater der Globalisierung der Wissenschaft war. Sein Vermächtnis ist bis heute immer wieder Ansporn, Mauern des gegenseitigen Kennens und Verstehens, wo immer wir auf sie treffen, einzureißen.

Forschung kann begeistern – auch das kann man bereits von Alexander von Humboldt als einem Begründer der Wissenschaftskommunikation lernen. Seine Kosmos-Vorlesungen waren in Berlin zu seiner Zeit Stadtgespräch. Er sprach frei, was damals ungewöhnlich war, und nahm so seine Zuhörer mit auf die Reise zu den entlegensten Orten. Die Leute kamen Stunden vorher, um sich Plätze zu sichern. Erkenntnisse gewinnen und dies in verständlicher Sprache an viele weiterzugeben, gehört in der Wissenschaft zusammen.

Aber nicht nur sein vernetztes Denken, sondern auch seine Themen sind heute aktueller denn je. So wusste er um die Fragilität von Ökosystemen, lange bevor der Begriff Ökosystem begründet wurde. Zugleich war sein Denken geprägt vom Respekt und der Neugier gegenüber den Menschen, denen er begegnete. Auch darin bleibt er ein Vorbild. Sein 100. Geburtstag, zehn Jahre nach seinem Tod, wurde von Australien bis Argentinien mit Festzügen gefeiert. In New York hingen riesige Plakate mit seinem Porträt, in Pittsburgh legten Zehntausende Besucher einer Humboldt-Gedenkfeier die Stadt lahm. In Berlin versammelten sich 80.000 Menschen im Regen.

Es ist sicher eine gute Entscheidung gewesen, den höchstdotierten deutschen Forschungspreis nach ihm zu benennen. Die seit 2008 bestehende Alexander von Humboldt-Stiftung holt jährlich bis zu zehn internationale Spitzenforscher nach Deutschland. Passend zu seinem Geburtstag wird das Programm nun auch um Humboldt-Professuren für Künstliche Intelligenz erweitert. Bewerben können sich darauf Forscher aller Disziplinen – ganz im Sinne des interdisziplinären Denkens des großen Vorbildes Alexander von Humboldt.