Karliczek: Ausbildung schafft gerade jetzt Zukunftsperspektiven

Kabinett hat Berufsbildungsbericht 2020 beschlossen

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek bei der Vorstellung des Berichts. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Am heutigen Mittwochvormittag haben Bundesbildungsministerin Karliczek und BIBB-Präsident Esser den Berufsbildungsbericht 2020 vorgestellt und dabei einen Blick auf die aktuelle Lage am Ausbildungsmarkt geworfen. Dazu erklärt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek:

„Die Ausbildung ist auch in diesen Zeiten eine Investition in die Zukunft. Gerade in diesen schwierigen Monaten sollten Betriebe daran denken und jungen Leuten eine gute Berufsperspektive bieten. Wer ausbildet, bindet frühzeitig Personal an sein Unternehmen und sichert sich die nötigen Fachkräfte der Zukunft. Auch die Jugendlichen sollten sich in diesen Zeiten für eine Ausbildung interessieren. Denn in vielen Ausbildungsberufen spiegeln sich die Themen der Zukunft wider, wie zum Beispiel die Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Und je früher man in ein Unternehmen hineinwächst, desto eher sichert man sich auch den Arbeitsplatz.

Gemeinsam mit unseren Partnern in der Allianz für Aus- und Weiterbildung werden wir in den nächsten Wochen die Situation auf dem Ausbildungsmarkt analysieren. Eine genaue Prognose zur Entwicklung des Ausbildungsmarkts in den kommenden Wochen und Monaten kann derzeit niemand erstellen. Es ist im Augenblick noch zu früh für Schlussfolgerungen. Klar ist: Die Wirtschaftslage in den Unternehmen entscheidet maßgeblich über die Ausbildungsbereitschaft. Die Unterstützungsprogramme der Bundesregierung für Unternehmen sichern insofern in vielen Fällen auch die Ausbildung.

Der Berufsbildungsbericht 2020 zeigt die Ausbildungsbilanz für das Jahr 2019 und ist somit die Ausgangslage der beruflichen Bildung vor der Pandemie. Er zeigt uns, dass der demographische Wandel auf dem Ausbildungsmarkt angekommen ist. Die rückläufigen Schülerzahlen führen dazu, dass es weniger Bewerberinnen und Bewerber für eine Ausbildung gibt. Die rückläufigen Zahlen auf dem Ausbildungsmarkt nehmen wir ernst. Deshalb haben wir bereits einiges unternommen, um die duale Ausbildung sichtbar attraktiver zu machen. Dafür haben wir das Berufsbildungsgesetz modernisiert und mit dem neuen Aufstiegs-BAföG werden wir junge Leute künftig finanziell noch besser bei ihrer Karriere unterstützen.

Besonders freut es mich, dass die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger einer Ausbildung in Gesundheits-, Erziehungs- und sozialen Berufen um fast 4 Prozent gestiegen ist. Gerade jetzt in der Pandemie wird deutlich, wie wichtig diese Berufsgruppen sind.“

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB): „Der Ausbildungsmarkt wird in diesem Jahr von den Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht verschont bleiben. Dort, wo die ökonomischen Verwerfungen tiefgreifender sind, ist die Gefahr einer nachlassenden Ausbildungsbereitschaft besonders hoch. Deshalb ist es wichtig, dass die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wieder Fuß fasst und der Fachkräftebedarf wieder spürbarer wird. Aktuell brauchen wir aufgrund des Kontaktverbots dringend praxistaugliche Alternativen zu Ausbildungsmessen und Betriebserkundungen, um Ausbildungsbetriebe und Ausbildungsinteressierte zusammenzuführen. Hierzu bieten sich vor allem digitale Formate an.“

Hintergrund:

Der demographische Wandel ist auch auf dem Ausbildungsmarkt angekommen. Aufgrund der geringeren Zahl an Absolventen von allgemeinbildendenden Schulen ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge um 6.300 zurückgegangen. Auch die Nachfrage nach Ausbildung sank im vergangenen Ausbildungsjahr um 6.400 Personen.

Ebenso rückläufig waren die angebotenen Ausbildungsstellen. Deren Zahl sank um 10.900 Stellen. Insgesamt standen 100 Jugendlichen 105,2 Ausbildungsstellen zur Verfügung.

In Maßnahmen zur Berufsvorbereitung für Jugendliche mit Schwierigkeiten (sogenannter „Übergangsbereich“) waren im vergangenen Jahr 8.700 Personen weniger als im Vorjahr gemeldet. Gewachsen ist hingegen die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger in Berufen des Sozial- und Gesundheitswesens. In diesen Berufen entschieden sich 7.100 Personen mehr als im Vorjahr für eine Ausbildung in einem dieser Berufe.