Karliczek: Bevölkerung hat hohes Vertrauen in Wissenschaft – eine sehr gute Nachricht

Wissenschaft im Dialog veröffentlicht Wissenschaftsbarometer Spezial zur Corona-Pandemie

Petrischale mit Bakterien-Kultur
Petrischale mit Bakterien-Kultur. Selten war der Rat der Wissenschaft so wichtig wie jetzt. © gettyimages/AndreasReh

Wissenschaft im Dialog (WiD) veröffentlicht am heutigen Dienstag ein Wissenschaftsbarometer Spezial zum Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in Wissenschaft und Forschung in Zeiten der Corona-Pandemie. Laut der repräsentativen Umfrage ist dieses Vertrauen deutlich gestiegen. Hierzu erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek:

„Die Bürgerinnen und Bürger haben hohes Vertrauen in Wissenschaft und Forschung. Das ist gerade in dieser Zeit der Corona-Pandemie eine sehr gute Nachricht.

Der Rat der Wissenschaft ist gerade in dieser Corona-Krise so wichtig wie nie zuvor. Und je mehr wir bereit sind, diese Ratschläge zu hören und sie zu berücksichtigen, desto eher werden wir in der Lage sein, diese Krise zu meistern. Dabei ist klar: Wissenschaftliche Erkenntnisse ersetzen nicht die Politik und die gesellschaftliche Diskussion über die Ratschläge. Sie sollten aber immer die Basis für diese Diskussionen sein. In diesen Debatten müssen wissenschaftliche Aussagen genauso hinterfragt werden, wie die Schlussfolgerungen, die aus den Erkenntnissen gezogen werden.

Selten zuvor allerdings waren Wissenschaft, Politik und Gesellschaft in Deutschland in so intensivem Austausch. Politische Entscheidungen werden auf Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und unter Abwägung gesellschaftlicher Auswirkungen getroffen. Die Bürgerinnen und Bürger begrüßen diesen Austausch sowie den wissenschaftlichen Rat. Das zeigt die Zustimmungsrate von 81 Prozent unter den Befragten sehr deutlich.

Das Corona-Virus stellt uns in vielerlei Hinsicht vor neue Aufgaben. Verschiedene wissenschaftliche Disziplinen erzielen täglich Fortschritte bei der Erforschung des Virus und bei der Suche nach Wegen, es zu bekämpfen und einzudämmen. Wir erleben Forschung in Echtzeit – mit all den ihr innewohnenden Vorläufigkeiten. Die Zahlen des Barometers zeigen aber – und auch das ist gut –, dass sich die Bürgerinnen und Bürger durch widerstreitende wissenschaftliche Meinungen weniger verunsichern lassen als in vorherigen Jahren. Vielmehr verstehen sie zunehmend, dass kontroverse Diskussionen zum Erkenntnisgewinn beitragen.

Dies ist vor allem ein Verdienst der guten Wissenschaftskommunikation in Deutschland, die wir seit Wochen stärker denn je erleben: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler teilen mit großem Engagement ihre Erkenntnisse mit. Sie stellen ihre Denk- und Arbeitsprozesse transparent und nachvollziehbar dar. Sie hinterfragen ihre bisherigen Erkenntnisse und weisen offen auf mögliche Zielkonflikte von Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hin. Auch Wissenschaftsjournalistinnen und -journalisten leisten einen wichtigen Beitrag, denn sie erklären, ordnen ein und bewerten wissenschaftliche Erkenntnisse.

Die fundierten Erklärungen und Analysen der Wissenschaft sind für die gesamte Gesellschaft ungemein hilfreich und wertvoll. Daher habe ich mich von Beginn an dafür eingesetzt, dass der Austausch zwischen Forschung und Gesellschaft in allen Wissenschaftsbereichen selbstverständlicher Teil wissenschaftlichen Arbeitens wird. Und daher ist es mir wichtig, Wissenschaft und Gesellschaft auch jenseits der aktuellen Herausforderungen in einen noch engeren Austausch zu bringen. Ausdrücklich bestärke ich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus allen Fachdisziplinen darin, sich aktiv in gesellschaftliche Diskurse einzubringen. Dafür wird sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung in der #FactoryWisskomm in einem gemeinsamen Strategieprozess mit Wissenschaft, Förderstiftungen und Medien stark machen.“

Hintergrund:

Das Wissenschaftsbarometer wird jährlich von Wissenschaft im Dialog (WiD) durchgeführt und veröffentlicht. Es misst auf der Grundlage einer repräsentativen Umfrage die Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zu Wissenschaft und Forschung. Gefragt wird unter anderem danach, wie sehr sich die Menschen für wissenschaftliche Themen interessieren, wie sie sich über diese informieren, wie groß ihr Vertrauen in die Wissenschaft ist oder wie sie Transparenz und Nutzen wissenschaftlicher Arbeit einschätzen. Erstmals durchgeführt wurde das Wissenschaftsbarometer im Jahr 2014.

Bei der aktuellen Ausgabe handelt es sich um ein Spezial zur Einstellung der Bürgerinnen und Bürger zu Wissenschaft und Forschung in Zeiten der Corona-Pandemie.

Danach haben über alle Bevölkerungsgruppen 73 Prozent der Aussage voll und ganz oder eher zugestimmt, Vertrauen in die Wissenschaft und Forschung zu haben. Der Aussage, dass politische Entscheidungen im Umgang mit Corona auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen sollten, stimmten 81 Prozent der Befragten voll und ganz oder eher zu. Und 51 Prozent der Befragten stimmen der Aussage voll und ganz oder eher zu, dass es schwierig sei zu beurteilen, welche Information die richtige ist, wenn Wissenschaftler sich zum Corona-Virus widersprechen.

Förderer und Unterstützer des Wissenschaftsbarometers sind die Robert Bosch Stiftung und die Fraunhofer-Gesellschaft.