Karliczek: „Die Menschheit muss umdenken“

Viele Tiere und Pflanzen sind vom Aussterben bedroht, Tendenz stark steigend. In Paris tagt jetzt der Weltbiodiversitätsrat, um ein globales Lagebild zu erstellen. „Wir haben keine Zeit zu verlieren“, sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Der Verlust an Artenvielfalt hat in den vergangenen Jahrzehnten besorgniserregende Ausmaße angenommen. Experten schätzen, dass die Aussterberate von Tier- und Pflanzenarten jetzt im Schnitt um das Hundert- bis Tausendfache über dem Wert liegt, der in der Evolution üblich ist. In Deutschland ist fast jede dritte Wildpflanze vom Aussterben bedroht. Besonders betroffen sind auch Vogel- und Insektenarten, darunter viele Wildbienenarten. Seit 1980 hat sich der Bestand der Feldvögel in der EU mehr als halbiert.

Keine Frage: Es muss mehr für den Erhalt der Artenvielfalt getan werden. Das BMBF setzt sich deshalb schon lange dafür ein, Lebensräume zu erhalten. Erst im Februar hatte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek die neue „Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt“ vorgestellt. Diese wird die Forschung im Bereich Biodiversität maßgeblich vorantreiben, die deutschen Forschungsaktivitäten stärker bündeln und einen nachhaltigen Beitrag gegen den anhaltenden Verlust an biologischer Vielfalt leisten.

Anja Karliczek setzt sich für den Erhalt der Artenvielfalt ein. © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Einen weiteren Schritt dazu macht jetzt die Konferenz des Weltbiodiversitätsrates vom 29. April bis 6. Mai 2019 in Paris. Ziel ist es, den ersten weltweiten Lagebericht zur Biodiversität seit 2005 vorzulegen – gewissermaßen einen globalen Öko-Check der Erde. „Der Erhalt der Artenvielfalt ist eine der Hauptaufgaben der Menschheit. Der Mensch ist dabei, an sehr vielen Orten der Welt die Natur in ihrer großartigen Vielfalt zu zerstören“, sagte Ministerin Karliczek. „Umso mehr muss er sich nun seiner Verantwortung bewusst werden, die Natur zu bewahren. Ohne den Erhalt der Artenvielfalt gefährdet der Mensch auch seine eigene Existenz auf diesem Planeten.“

150 Fachleute aus 50 Ländern haben sich drei Jahre Zeit genommen, um alle Fakten zusammenzutragen. Hunderttausende Publikationen wurden dafür gesichtet, letztlich flossen 15.000 in die endgültige Bewertung mit ein. „Von der Konferenz in Paris und den Folgekonferenzen muss das Signal ausgehen, dass die Menschheit umdenkt und die Bewahrung der Schöpfung international gemeinsam energisch angeht. Ein wichtiger Schritt ist, dass sich die Wissenschaft weltweit einen noch genaueren Überblick über die Lage verschafft. Nur dann können effektiv gemeinsame Lösungen angegangen werden“, so Karliczek.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung setzt sich schon lange für den Erhalt der Artenvielfalt ein. „Mit der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt meines Hauses werden wir maßgeblich dazu beitragen, erkannte Wissenslücken zu schließen und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Wir sind erst am Anfang eines langen Wegs zur Bewahrung der Schöpfung. Aber wir haben keine Zeit zu verlieren. Für die Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt stellt mein Haus in den kommenden Jahren rund 200 Millionen Euro zur Verfügung“, sagte Karliczek.

Der abschließende Bericht zur Konferenz in Paris soll am 6. Mai veröffentlicht werden.