Karliczek: Dies ist ein wichtiger Tag in der Klimaforschung

Klimakabinettsbeschlüsse und Polarstern-Mission sind wegweisend

Bundesministeri n Anja Karliczek im Gespräch mit dem Kapitän der POLARSTERN © BMBF

Das Klimakabinett hat am heutigen Freitag in Berlin ein Eckpunktepapier für umfassenden Klimaschutz beschlossen. Im Laufe des Tages wird in Norwegen die „Polarstern“ zu der bislang aufwendigsten Arktis-Expedition aller Zeiten auslaufen. Dazu erklärt die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek:

„Die Beschlüsse des Klimakabinetts und der Beginn der Polarstern-Expedition belegen den Willen Deutschlands, den Klimawandel zu stoppen. Dieser Freitag zeigt, dass wir ambitionierte Maßnahmen zur Treibhausgas-Reduktion ergreifen werden und die Anstrengungen in der Forschung für den Klimaschutz noch einmal verstärken. Als Forschungsministerin begrüße ich es, dass die Bundesregierung Forschung und Innovation für den Klimaschutz einen so hohen Stellenwert einräumt. Die einmalige Polarstern-Mission in die Arktis, die die größte ihre Art in der Geschichte der Wissenschaft ist, steht symbolisch für die weltweit führende Rolle der deutschen Klimaforschung. Die Klimakabinett-Beschlüsse sind die Grundlage, um die Entwicklung treibhausgasneutraler Technologien zu intensivieren. Dieser Freitag ist ein wichtiger Tag für den Klimaschutz und ein bedeutender in der Klimaforschung.

Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung. © Bundesregierung/Guido Bergmann

Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, die sich für den Klimaschutz engagieren und dies auf Demonstrationen an diesem Tag deutlich machen, wollen wir die Welt, wie wir sie kennen, für die künftigen Generationen erhalten. Der Klimaschutz ist eine weltweite Aufgabe, der sich alle Nationen stellen müssen. Es ist wichtig, dass wir in Deutschland die gesamte Bevölkerung mitnehmen. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass die Sorgen der Menschen oft vielfältig sind.

Mit den Beschlüssen des Klimakabinetts wird mein Ministerium die Förderung technischer klimafreundlicher Innovationen forcieren können. Dies ist wichtig für die Bekämpfung des Klimawandels. Dies ist aber auch von höchster Bedeutung für die Arbeitsplätze in Deutschland, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und die Lebensqualität der Menschen. Dabei gilt: Je früher die Grundlagen für Innovationen mit Forschung und Entwicklung gelegt werden, desto mehr haben wir es in der Hand, die Entwicklung wirklich zu gestalten.

Das Bundesforschungsministerium wird fünf Schwerpunkte setzen: Wir wollen die Erforschung des ‚grünen‘ – das heißt des ohne fossile Brennstoffe erzeugten – Wasserstoffs intensivieren. Er ist der klimafreundliche Energieträger der Zukunft. Außerdem wollen wir die Forschung zu energiesparsamer Informations- und Kommunikationstechnik (‚GREEN-ICT‘) vorantreiben, um den Energieverbrauch in der Informationstechnologie zu senken. Wir werden neue Technologien mit der Grundstoffindustrie gemeinsam entwickeln, die die Produktion z.B. von Stahl, Zement oder Kalk ohne Prozessemissionen ermöglichen. In der Batterieforschung wollen wir eine weltweit einzigartige Innovationspipeline aufbauen. So sollen die Ideen schneller in die Industrie übertragen werden. Zudem wollen wir die Innovationskraft des Mittelstands bei den Themen Energieeffizienz und Klimaschutz stärken.

Insgesamt verfolgen wir in meinem Haus 15 Forschungsmaßnahmen.

Mit der Polarstern-Expedition wird auch ein Zeichen für die internationale Klimaschutzpolitik gesetzt. Die MOSAiC-Mission zeigt, dass trotz aller Rückschläge im weltweiten Klimaschutzprozess auf internationaler Ebene der Wille vorhanden ist, diese Herausforderung anzunehmen. Wissenschaftler aus 19 Nationen einschließlich der USA, Russlands und Chinas werden gemeinsam im arktischen Nordmeer das Epizentrum des Klimawandels erforschen. Das ist ein Signal unmittelbar vor der UN-Klimakonferenz in New York.

Die Polarstern-Expedition wird neue wichtige Erkenntnisse zum weiteren Verlauf des Klimawandels liefern. Dieses Wissen brauchen wir, um Antworten auf die Herausforderungen des Klimawandels zu finden. Die Politik muss in Klimaschutzfragen in einem engen Austausch mit der Wissenschaft bleiben, um auf neue Erkenntnisse rasch und effektiv zu reagieren.

Dass Forscher des Alfred-Wegener-Instituts an Bord der Polarstern die Mission leiten werden und Deutschland die Hälfte der Kosten trägt, ist Ausdruck unseres Engagements für die Bewahrung des Weltklimas. Ich wünsche der Mission viel Erfolg und allen Wissenschaftlern eine glückliche Heimkehr. Sie sind Helden der heutigen Zeit.“

Hintergrund:

Im Klimaschutzprogramm übernehmen Forschung und Entwicklung eine wichtige Aufgabe, um mit gesellschaftlichen und technologischen Innovationen die selbst erklärten nationalen Klimaziele erreichen zu können. Der erste Meilenstein ist, bis zum Jahr 2030 den Treibhausgasausstoß um 55 Prozent gegenüber 1990 zu vermindern.

Bundesministerin Karliczek nimmt am heutigen Freitag in Tromsø in Norwegen an der Verabschiedung der Polarstern teil. Sie wird von Bundestagsabgeordneten begleitet.

Die internationale MOSAiC-Expedition („Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate“) mit dem deutschem Forschungsschiff Polarstern wird die größte Arktis-Forschungsexpedition aller Zeiten: Der deutsche Forschungseisbrecher Polarstern wird ein Jahr lang fest eingefroren im arktischen Eis durch das Nordpolarmeer driften. Versorgt von weiteren Eisbrechern und Flugzeugen werden insgesamt 600 Menschen aus 19 Ländern an der Expedition teilnehmen. Geleitet wird die Mission vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) in Bremerhaven.

Der Kern von MOSAiC ist ein intensives einjähriges Beobachtungs- und Messprogramm. Die Expeditionsergebnisse werden neue Einblicke in die Austauschprozesse zwischen Ozean, Eis und Atmosphäre erlauben. Durch Fortschritte in der Messtechnik wird es möglich sein, während der Expedition umfassende Datensätze zu generieren, die ein besseres Verständnis des Einflusses der arktischen Regionen auf unser Klima ermöglichen.

„MOSAiC“ wird ein Gesamtbudget von ca. 150 Millionen Euro haben (Wissenschaft und Logistik), die ganz überwiegend aus Mittel des BMBF finanziert werden.

Darüber hinaus wird das BMBF durch zusätzliche Förderung den Erkenntnisgewinn und Nutzungsgrad der aufwändig gewonnenen MOSAiC-Daten beschleunigen, um zeitnah konkretes Handlungswissen insbesondere zum Klimawandel zu generieren.