Karliczek: Entwicklung eines Impfstoffes braucht Zeit

Im Kampf gegen das neue Coronavirus wirbt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek um Geduld bei der Entwicklung eines Impfstoffes. „Soweit wir es verantworten können, beschleunigen wir die Verfahren“, sagte sie der „Passauer Neuen Presse“.

Es ist die Frage, die derzeit so gut wie alle Menschen weltweit bewegt: Wann gibt es einen Impfstoff gegen das neue Coronavirus? Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hat jetzt in einem Interview mit der „Passauer Neuen Presse“ um Geduld geworben. "Überall arbeiten die Forscherinnen und Forscher mit allem Hochdruck daran. Wir sind mit ihnen in einem engen Austausch, aber die Entwicklung braucht ihre Zeit", sagte sie.

Grund dafür seien unter anderem die hohen Sicherheitsstandards bei der Entwicklung von Medikamenten. „Wir wollen sicher sein, dass sie wirken und möglichst wenige Nebenwirkungen haben. Deshalb findet die Beschleunigung der Verfahren genau dort seine Grenzen. Soweit wir es verantworten können, beschleunigen wir die Verfahren“, sagte Karliczek, und verwies darauf, dass das BMBF gerade in der vergangenen Woche noch einmal 140 Millionen Euro zusätzlich für die Erforschung von Impfstoffen bereitgestellt hat.

Laut der Ministerin geht es jetzt um drei wesentliche Punkte im Kampf gegen Corona: Zunächst müssten die Forscherinnen und Forscher in die Lage versetzt werden, das Virus noch besser zu verstehen. Zweitens müssten Medikamente für die Behandlung gefunden werden. Der dritte Schritt wäre dann die Entwicklung eines Impfstoffes.

Nationale Alleingänge sind fehl am Platz

Karliczek nahm außerdem Stellung zum Versuch Donald Trumps, das deutsche Biotech-Unternehmen CureVec zu übernehmen, das führend in der Corona-Forschung ist und auch an einem Impfstoff forscht. Die Ministerin dazu: Eine globale Krise braucht eine globale Antwort. Nationale Alleingänge sind fehl am Platz. Wir müssen unser Wissen teilen, um das Virus zu besiegen. Die jüngsten Äußerungen des Unternehmens begrüßen wir. Wir stehen mit CureVac seit längerem im engen Austausch. Auch die EU-Kommission wird die Firma nun unterstützen. Das zeigt doch, dass es jetzt alle verstanden haben: Wir müssen enger zusammenrücken – auch wenn das in diesen Tagen nicht wörtlich gemeint ist.“

Trotz der aktuell schwierigen Lagen verbreitet Karliczek Hoffnung: "Wir haben sehr gute Voraussetzungen, diese Herausforderung zu bestehen. Aber wir werden sehr viel Kraft aufwenden müssen – so viel wie vielleicht noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik", sagte sie. Und fügte hinzu: "Wir können auch auf unsere Forschung vertrauen." Nach der Krise wolle sie über die Prioritäten in der Forschung diskutieren lassen, sagte Karliczek: „Nach der Corona-Pandemie werden wir sicher noch einmal neu über Forschungsschwerpunkte diskutieren müssen. Jedem dürfte doch spätestens jetzt klar sein, wie bedeutend die Viren- und Pandemieforschung für diese Welt ist.“

Geld aus dem Digitalpakt steht bereit

Um den Lehrbetrieb trotz Schulschließungen aufrecht zu erhalten, rief die Ministerin die Länder außerdem dazu auf, Geld aus dem DigitalPakt für technische Hilfsmittel abzurufen. „Im Digitalpakt ist bereits Geld für länderübergreifende Zusammenarbeit in Digitalformaten vorgesehen. Das stellen wir natürlich gern zur Verfügung. Gute Ideen zu bündeln und für alle Teile der Republik verfügbar zu machen, ist mir ein echtes Anliegen“, so die Ministerin.

Nach einem Besuch auf einer Veranstaltung, bei der auch ein mit dem Coronavirus Infizierter anwesend war, befindet sich die Ministerin derzeit in häuslicher Beobachtung. Es gehe ihr aber gut, sagte Karliczek der „Passauer Neuen Presse“. „Ich wäre natürlich lieber in Berlin. Arbeiten kann ich aber auch von hier aus. Ich habe keine Beschwerden“, sagte sie.

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