Karliczek: Ewigkeit des ewigen Eises steht in Frage

"Die Arktis verändert sich in atemberaubendem Tempo. Es ist dringlicher denn je, wissenschaftliche und gesellschaftliche Antworten auf diese Veränderungen zu finden", mahnt Bundesforschungsministerin Karliczek bei der Eröffnung der Arktiskonferenz.

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek (MdB), bei der Abendveranstaltung anlässlich der Arktiswissenschaftsministerkonferenz am 25. Oktober 2018 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Forschende,

sehr geehrte Gäste,

sehr geehrter Herr Professor Vogel,

vor 150 Jahren hat sich der Polarforscher Carl Koldewey mit dem Segelschiff auf den Weg nach Grönland gemacht. Angekommen ist er dort nicht. Zu viel Eis, zu widrige Bedingungen verhinderten das Durchkommen. So segelte er stattdessen nach Spitzbergen.

Es war die erste deutsche Arktisexpedition.

Auch heute ist unsere Faszination für die Arktis ungebrochen. Obwohl Deutschland kein Anrainerstaat ist, gehören wir zu den führenden Nationen in der Arktisforschung. Allein unser Deutsches Forschungsschiff, die POLARSTERN, ist 320 Tage pro Jahr auf Expedition. Die Bedingungen bei heutigen Expeditionen sind nicht zu vergleichen mit denen vor 150 Jahren.

Aber ein bisschen Abenteuergeist gehört immer noch dazu, wenn man sich aufmacht, das ewige Eis zu erforschen.

Das ewige Eis – das sagt man so schön. Genau diese Ewigkeit steht in Frage. Die Arktis verändert sich in atemberaubendem Tempo. Es ist dringlicher denn je, wissenschaftliche und gesellschaftliche Antworten auf diese schnellen Veränderungen zu finden.

Die Arktis ist die zentrale Klimaküche für die Welt. Aber auch der natürliche Lebensraum und die Heimat der indigenen Völker. Sie zu erhalten, ist unser ureigenes Interesse. Und es sind noch viele Fragen zu beantworten

Allein kann dieses Ziel kein Land erreichen. Erreichen werden wir es nur gemeinsam. Und natürlich auch nur gemeinsam mit denjenigen Menschen, die seit Jahrtausenden in der Arktis leben. Ihr Wissen mit unserem Wissen zu bündeln, um daraus gemeinsam neue Erkenntnisse zu gewinnen und zusammen Lösungen zu entwickeln – das ist unsere Chance, den Klimawandel zu begrenzen.

Ich würde mich deswegen freuen, wenn wir die Zweite Arktiswissenschaftsministerkonferenz dazu nutzen, die Zukunft der Arktisforschung gemeinsam zu gestalten. Ganz nach unserem Motto „Gemeinsam handeln, Herausforderungen meistern.“

Gemeinsam handeln – das ist eine Aufforderung an die Wissenschaft, Erkenntnisse und Wissen zu teilen, Netzwerke zu bilden, Datenschätze zugänglich zu machen – eine Notwendigkeit, die schnellere Fortschritte erst möglich macht. Es ist aber natürlich auch eine Aufforderung an die Politik. Deswegen bringt diese Konferenz nicht nur internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammen, sondern schlägt auch die Brücke zur Politik.

Mehr denn je sind wir Politiker heute gefordert, einerseits Erkenntnisgewinn zu unterstützen, andererseits in einer doch vielfach geforderten Welt, die Menschen mitzunehmen. Jeder hat ein Recht auf Heimat. Dieses Versprechen einzulösen – dazu sollte das Pariser Klimaabkommen beitragen. Jetzt verabschieden sich wichtige Partner.

Dabei ist gemeinsames Handeln dringend geboten. Im IPCC-Sonderbericht werden Folgen globaler Erwärmung aufgezeigt. Auch und wesentlich ist die arktische Region betroffen.

Deshalb treffen wir uns hier heute und morgen. Wir wollen ein Zeichen setzen. Für eine enge Zusammenarbeit über Grenzen hinweg.

Denn die Veränderungen treffen uns alle. Einige verlieren ihre Heimat und brauchen ein neues Zuhause. Aber wir strengen uns alle an. Dann tragen wir eine kleine Last, beispielsweise teureren Strom, um uns allen eine größere Last zu ersparen.

Dafür müssen wir im Gespräch miteinander bleiben und neues Wissen in die Gesellschaft tragen. Gemeinsam können wir ein starkes Fundament bauen für eine nachhaltige Zukunft der Arktis. Wir können vieles zum besseren verändern für die Menschen vor Ort – und für die Menschen weltweit.

Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Erkenntnisse in die Diskussion einbringen. Wenn wir gemeinsam im öffentlichen Diskurs bleiben.

Das Naturkundemuseum hat sich der Erforschung der Erde und des Lebens verschrieben – öffentlich und für jeden zugänglich. Das trägt unser demokratisches Miteinander.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viele interessante Gespräche und Begegnungen.