Karliczek: Gemeinsam und entschieden für die Zukunft der Ozeane handeln

Bundesforschungsministerin eröffnet High-Level-Auftakt zur UN-Dekade der Ozeanforschung für Nachhaltige Entwicklung

Die Ozeane als größtes Ökosystem der Welt sind durch Übernutzung, Verschmutzung und Klimawandel in Gefahr, unwiederbringlich geschädigt zu werden. Die Vereinten Nationen haben deshalb die nächsten zehn Jahre zu einer Dekade der Ozeanforschung für Nachhaltige Entwicklung ausgerufen. Am heutigen Dienstag fand dazu auf Einladung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung der feierliche Auftakt im Berliner Futurium statt.

Dazu erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek:

„Meeresforschung heißt Forschung für die Zukunft. Der Ozean ist Lebensraum, Klimamaschine, Nahrungsquelle, Handelsroute, Sehnsuchtsort – kurzum, die Basis unseres Lebens. Doch langsam geraten unsere Ozeane an ihre Belastungsgrenze. Wir müssen alles daransetzen, dieses einzigartige Ökosystem zu schützen und zu bewahren. Diese Herausforderung können wir nur bewältigen, wenn wir weltweit zusammenarbeiten.

Deshalb haben wir heute den Startschuss für die „UN-Dekade der Ozeanforschung für Nachhaltige Entwicklung“ gegeben. Wir wollen die Ozeane und die „Klimamaschine Meer“ besser verstehen und internationale Forschungskooperation stärken. Wir wollen unser Wissen in die Umsetzung bringen und einen nachhaltigen Umgang mit den Ozeanen weltweit erreichen, in dem der Schutz im Vordergrund steht und die Nutzung der vielfältigen Ressourcen in einem respektvollen Umgang mit dem Ökosystem Ozean erfolgt.

Die Bundesregierung finanziert die deutsche Meeresforschung bereits jetzt jährlich mit rund 400 Millionen Euro. Auch mein Haus fördert zum Beispiel Forschung zu den Effekten von Mikroplastik auf die marine Umwelt und zu der Reduktion von Plastikeinträgen ins Meer, zur natürlichen CO2-Speicherkapazität der Meere und zu ökologischen Folgen der Nutzung mariner mineralischer Ressourcen. „Das Meer beginnt hier“ – das war schon unser Motto für das Wissenschaftsjahr 2016/2017.

Ich freue mich sehr, die Vision der Ozeandekade der Vereinten Nationen mit der Auftaktkonferenz zu unterstreichen und den Grundstein für nachfolgende Aktivitäten zu legen. Verteilt über das kommende Jahr werden Expertinnen und Experten in fokussierten Veranstaltungen, den „Ocean Labs“, konkrete Forschungsfragen und Handlungsoptionen diskutieren – für einen nachhaltigen Umgang mit den Meeren und Ozeanen.“

Prof. Dr. Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung:

„Unsere Küsten und Ozeane sind vielfältig lebenserhaltend für den ganzen Planeten und die Menschheit. Sie nehmen über 90 Prozent der Klimaerwärmung auf, und knapp ein Drittel unserer CO2-Emissionen. Über 90 Prozent aller Waren kommen als Rohstoff oder Produkt über die Meere in den Nutzen. Die Meere ernähren uns mit über 20 Prozent des Proteinbedarfs und der Hälfte des Sauerstoffs, den wir atmen. Die UN Ozeandekade widmet sich den Fragen: Wie können wir diese Leistungen wertschätzen und das Wissen darüber weltweit teilen? Wie werden uns digitale Werkzeuge helfen, allen Menschen zu vermitteln, welche Rolle der Ozean für uns spielt und wie sehr wir mit ihm vernetzt sind. Was gibt es noch zu entdecken?

Denn in den Meeren verbergen sich noch immer 90 Prozent der unbekannten Lebensvielfalt des Planeten und es ist noch nicht geklärt, wie wir diesen Schatz des Lebens für kommende Generationen erhalten. Bei all dem geht es um internationale Zusammenarbeit, aber auch darum, was jeder von uns tun kann, die Meere zu schützen.“

Hintergrund:

Die UN-Ozeandekade ist verknüpft mit der Agenda 2030, einem von den Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verabschiedeten Aktionsplan für Menschen, den Planeten und den Wohlstand. Die UN-Ozeandekade zielt darauf ab, die Voraussetzungen für das Erreichen der 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 (Sustainable Development Goals, SDGs) entschieden zu verbessern.

Anknüpfend an die High-Level-Auftaktveranstaltung am 1. Juni 2021 finden von Juli 2021 bis Mai 2022 die Ocean Decade Laboratories statt. Die Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Creating the Ocean we Want“ widmet sich den sieben offiziellen Zielen der Dekade und den zentralen Eigenschaften des Ozeans der Zukunft. Drei- bis vierstündige Kernveranstaltungen werden seitens des BMBF in Zusammenarbeit mit der IOC-UNESCO organisiert und leiten die Laboratories ein. Für die damit verbundenen Satellite Activities sind Forschungsinstitutionen, NGOs sowie Kunst- und Kultureinrichtungen, Verbände und Vereine aufgerufen, Vorschläge einzureichen. Die vielfältigen Veranstaltungsformate ermöglichen einen Austausch von Akteurinnen und Akteure in verschiedenen Regionen und Zeitzonen der Welt.

Als größtes Ökosystem der Erde haben der Ozean und die Meere eine wesentliche Bedeutung für das Überleben der Natur und der Menschheit. Die Meere und Ozeane sind jedoch bedroht und damit auch unsere Existenzgrundlage. Ziel der UN-Ozeandekade ist es, das Wissen über die Rolle und Bedeutung des Ozeans stärker in das Bewusstsein der Gesellschaft zu rücken und einen nachhaltigen Umgang mit dem Ozean zu erreichen. Hierzu sind Wissenschaft und Forschung aufgefordert, sich mit politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern, der Zivilgesellschaft, der Kultur und der Wirtschaft zusammenzufinden, um die Meeres- und Ozeanforschung weiter voranzutreiben.

In einem gemeinsamen Pressestatement betonten am heutigen Montag Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Prof. Dr. Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, die Bedeutung der Ozeanforschung für die Bewahrung und nachhaltige Nutzung des Ozeans und der Meere.

Das menschliche Wohlbefinden, nachhaltige Entwicklung und wirtschaftliches Wachstum hängen von einem gesunden Ozean und dem globalen Klimasystem ab. Veränderungen im Ökosystem Ozean haben signifikanten Einfluss auf das Leben der gesamten Menschheit.

Gezielte Lösungen können nur gemeinschaftlich und mit neuen, innovativen globalen Partnerschaften gefunden werden. Deutschland ist einer der Spitzenreiter in der internationalen Meeresforschung, seine High-Tech-Forschungsflotte ist wertvoller Kooperationspartner auf den Weltmeeren.