Karliczek: „Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist ein Prozess“

„Bringen Sie sich in Debatten ein, seien Sie umtriebig, vielleicht auch mal unbequem“, sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek zu den Forschenden, die das Gründungskonzept des Instituts für Gesellschaftlichen Zusammenhalt erarbeiten sollen.

Bundesministerin Anja Karliczek mit Vertretern der elf Hochschul- und Forschungsinstitute, die am Institut für Gesellschaftlichen Zusammenhalt mitwirken.
Bundesministerin Anja Karliczek mit Vertretern der elf Hochschul- und Forschungsinstitute, die am Institut für Gesellschaftlichen Zusammenhalt mitwirken. © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Eine Gesellschaft, die nicht mehr miteinander spricht, verlernt auch, konstruktiv miteinander zu streiten. Andere Meinungen werden nicht selten vorschnell herabgewürdigt – oder schlicht ignoriert. Letztlich wird sich eine solche Gesellschaft schwertun, sich noch als Einheit zu begreifen, solidarisch zu sein, mit anderen Worten: zusammenzuhalten. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) möchte den Zusammenhalt der Gesellschaft wieder stärken. Dafür plant es den Aufbau eines „Instituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Ein Verbund aus elf Hochschul- und Forschungsinstituten wurde kürzlich ausgewählt, um ein Forschungsprogramm und eine Lenkungsstruktur für das Institut zu erarbeiten. In Berlin trafen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Verbundes jetzt zu einem „Kick off-Workshop“.

Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede
Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Eine starke, vernehmbare Stimme der Wissenschaft sei eine große Hilfe, um den Zusammenhalt der Gesellschaft wieder zu stärken, sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek zu den Forschenden. „Eine Stimme, die die Debatten zu versachlichen hilft. Eine Stimme, die ein besseres Verständnis gesellschaftlichen Zusammenhalts und seiner Voraussetzungen vermittelt. Die sich nicht von tagespolitischen Ereignissen treiben lässt, sondern den Blick auf die Wurzeln von Entwicklungen richtet. Zu dieser Stimme soll das Institut für gesellschaftlichen Zusammenhalt werden“, so die Bundesforschungsministerin.

Das neue Institut soll die Forschung zu diesem Themengebiet vorantreiben. Multidisziplinär angelegt werden Forschende an verschiedenen Orten arbeiten. Sie sollen mit praxisrelevanten Vorschlägen dazu beitragen, gesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen. Keine leichte Aufgabe: Denn gesellschaftlicher Zusammenhalt ist kein Zustand, zu dem man einfach zurückkehren kann. „In einer sich wandelnden Gesellschaft kann Zusammenhalt nur ein Prozess sein. Oder anders gesagt: Eine Zukunftsaufgabe, an der wir kontinuierlich arbeiten müssen“, sagt Karliczek.

Dazu gehört auch, Meinungsverschiedenheiten auszuhandeln und Konflikte nicht unter den Teppich zu kehren. Denn dort gären sie – und bewirken Unmut, Sprachlosigkeit und Entfremdung. „Wir müssen in unserer Gesellschaft miteinander im Gespräch bleiben, dabei respektvoll sein und Meinungsverschiedenheiten möglichst konstruktiv aushandeln“, sagt Karliczek.Wissenschaftliche Erkenntnis ist dabei unverzichtbar. „Ich ermuntere Sie ausdrücklich: Bringen Sie sich in Debatten ein, seien Sie umtriebig, vielleicht auch mal unbequem“, appelliert Karliczek an die Forschenden.