Karliczek: "Globale Verantwortung für unser Klima tragen wir alle"

Arktiswissenschaftsministerkonferenz: "Die Arktis ist eine Schlüsselregion für das weltweite Klima und Indikator für künftige Veränderungen. Wie unter dem Brennglas sehen wir hier, wie sich das Klima verändert", sagt Bundesministerin Karliczek.

Anja Karliczek eröffnet die Konferenz
Anja Karliczek eröffnet die Konferenz © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Forschende,

weiß – das ist die Farbe, die die meisten von uns mit der Arktis verbinden. Eine unendliche Weite von Eis.

Und wenn die Arktis in Zukunft im Sommer dunkel wäre, weil das Eis schmilzt?

Dies ist fast nicht vorstellbar und muss verhindert werden. Mit Hilfe neuer Erkenntnis aus Wissenschaft und Forschung.

Wie können wir die Arktisforschung der Zukunft gestalten? Diese Frage wollen wir auf der zweiten Arktiswissenschaftskonferenz beantworten. Und dazu heiße ich Sie alle herzlich willkommen!

Ich freue mich, dass wir gemeinsam mit der Europäischen Kommission und dem Finnischen Ministerium für Bildung und Kultur die zweite Arktiswissenschaftsministerkonferenz ausrichten.

Wir schließen direkt an die erste Konferenz in den USA an und greifen drei Themen wieder auf:

  1. Wir wollen gemeinsam die Beobachtung in der Arktis und den Zugang zu Daten und Infrastrukturen verbessern.
  2. Wir wollen die globalen und lokalen Veränderungen besser verstehen. Die Arktisforschung ist zentral für unser Verständnis des weltweiten Klimas. Die arktische Region erwärmt sich schneller. Sie ist Indikator für kommende, globale Veränderungen. In gewisser Weise hält uns die Arktis den Spiegel vor.
  3. Wir wollen die arktische Region schützen und stärken: Die Bevölkerung der Arktis ist am stärksten von den schnellen Veränderungen betroffen – ökologisch, sozial und wirtschaftlich.

Deutschland ist kein Arktisanrainerstaat – dennoch hat Forschung in der Arktis für uns eine hohe Priorität. Denn die globale Verantwortung für unser Klima tragen wir alle. Deshalb sind wir sind Beobachter im Arktischen Rat und unterhalten modernste Forschungsinfrastrukturen.

Arktisforschung ist auch Forschung zum globalen Klimageschehen. Denn die Arktis ist eine Schlüsselregion für das weltweite Klima und Indikator für künftige globale Veränderungen. Wie unter dem Brennglas sehen wir hier, wie sich das Klima verändert. Und vor allem, welche Auswirkungen das hat.

In der Arktis heißt das konkret: Die Lufttemperatur steigt, das Meereis schmilzt, Permafrostböden tauen. Nach aktuellen Vorhersagen könnte die Arktis zwischen 2030 und 2070 in den Sommermonaten komplett eisfrei sein. Wir müssen uns das bildlich vorstellen: eine Arktis ohne Eis. Das hätte erhebliche Konsequenzen für die einzigartigen Ökosysteme der Arktis.

Und noch immer verstehen wir nicht alle Zusammenhänge. Das hat die Wissenschaftskonferenz gestern eindrücklich gezeigt. Klimamodelle können die Dynamiken, die in der Arktis wirken, noch nicht ausreichend abbilden. Wir brauchen also weitere Forschung und noch bessere und ganzjährige, engmaschigere Beobachtungsnetze.

Nicht nur für das Verständnis der Arktis, sondern auch für unser Verständnis des Klimas weltweit.

Weltweit ist das richtige Stichwort. Arktisforschung ist aufwändig und abhängig von Forschungsinfrastrukturen – Forschungsschiffen, Forschungsstationen, Flugzeuge und Satelliten. Internationale Zusammenarbeit ist deshalb unabdingbar.

Umso wichtiger ist es, allen den Zugang zu Daten und Forschungsergebnissen zu ermöglichen. Damit die ganze Forschergemeinde davon profitiert und neue Erkenntnisse entwickeln kann. Neue Technologien können uns dabei helfen: Künstliche Intelligenz, Digitalisierung und Automatisierung bieten großes Potential für die Forschung in der Arktis.

Auf unserer Konferenz geht es uns aber nicht nur um die Wissenschaft.

Wir möchten auch die Menschen einbeziehen, die direkt von den vielen ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen betroffen sind: die Vertreter der indigenen arktischen Bevölkerung.

Ich freue mich sehr, dass wir hier gemeinsam mit Bewohnern der Arktis darüber sprechen können, wie künftige Arktisforschung aussehen kann. Mit Ihnen möchten wir [vor Ort] und mit Ihrem traditionellen Wissen [verknüpft] über die Umwelt forschen und neue Erkenntnisse gewinnen.

Die Vielzahl von Beiträgen für den Konferenzbericht in diesem Jahr zeigt, wie groß das Interesse an der Arktisforschung ist. Staaten, Forschungsorganisationen und Organisationen der indigenen Bevölkerung der Arktis haben einen weiten Überblick der Arktisforschung zusammengestellt. Ich freue mich auf Ihre Beiträge und Diskussionen und wünsche uns allen eine erfolgreiche Konferenz.

Damit auch unsere Kinder in Sommer und Winter eine Arktis erleben, die vom ewigen Eis bedeckt ist. Damit künftige Generationen ein gutes Leben auf unserem Planeten führen können.