Karliczek: Gute Wissenschaftskommunikation schafft Vertrauen

Wissenschaft im Dialog veröffentlicht Wissenschaftsbarometer 2020

Am heutigen Donnerstag stellt Wissenschaft im Dialog (WiD) das Wissenschaftsbarometer 2020 zum Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in Wissenschaft und Forschung vor. Laut der repräsentativen Umfrage ist dieses Vertrauen weiterhin hoch, es zeigen sich aber auch Unentschiedenheit und Zweifel. Dazu erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek:

„Das Vertrauen der Bevölkerung in Wissenschaft und Forschung ist auch in diesem besonderen Jahr der Corona-Pandemie hoch geblieben. Das ist ein sehr gutes Zeichen. Denn der Rat der Wissenschaft ist gerade jetzt, wo die Pandemie unser Land, Europa und die ganze Welt im Griff zu haben scheint, besonders wichtig. Zu wissen, dass sechs von zehn Menschen in unserem Land ein hohes Interesse an wissenschaftlichen Themen haben, der Wissenschaft vertrauen und finden, dass sie persönlich von Wissenschaft und Forschung profitieren, stimmt mich daher hoffnungsvoll.

Deutschland ist alles in allem bislang gut durch die Pandemie gekommen. Das verdanken wir der Wissenschaft, dem medizinischen Personal und einem intensiven Austausch zwischen Forschung und Politik. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind die Basis wissenschaftlicher Entscheidungen und damit wichtig auch für die gesellschaftliche Diskussion. Dieser Weg wird ganz offensichtlich auch von weiten Teilen der Bevölkerung als richtig empfunden. Das zeigt die konstant hohe Zustimmungsrate von drei Viertel.

Dennoch müssen wir in unserer politischen Funktion noch besser erklären, wie politische Entscheidungen zustande kommen: Denn wir gewählten Politikerinnen und Politiker entscheiden auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und Beratung und wir tragen die Verantwortung. Bestehende Unsicherheiten oder gar Skepsis in der Bevölkerung nehmen wir in solch einer unsicheren Situation besonders ernst und begegnen ihr mit einem hohen Maß an Transparenz sowie engagierter Kommunikation.

Deshalb ist es wichtig, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch direkt mit der Öffentlichkeit kommunizieren. Viele von ihnen sind für die Menschen zu einem Anker der Sicherheit in einer unsicheren Zeit geworden. Das spiegelt sich in den 60 Prozent der Befragten wider, die Wissenschaft und Forschung vertrauen.

Vertrauen zu bilden und zu erhalten ist gerade in Krisenzeiten besonders wichtig. Dies verlangt von uns allen besondere Anstrengungen. Für ihr Engagement und ihren Einsatz danke ich daher allen kommunizierenden Forscherinnen und Forschern. Sie suchen den Dialog, sie lassen uns teilhaben an wissenschaftlichen Prozessen und Diskursen und sie zeigen uns, dass Wissenschaft nicht immer linear verläuft. Damit leisten die Forschenden einen immens wichtigen Beitrag zur Stärkung des Zusammenhalts in unserer Gesellschaft und zu einem guten Miteinander.

Gute Wissenschaftskommunikation ist natürlich auch jenseits von Krisenzeiten relevant. Das Wissenschaftsbarometer von Wissenschaft im Dialog ist dabei ein wichtiger Gradmesser der Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger zu Wissenschaft und Forschung. Um das bestehende Vertrauen zu festigen, arbeiten wir als Bundesministerium für Bildung und Forschung daran, die Wissenschaftskommunikation und den unabhängigen Wissenschaftsjournalismus noch weiter zu stärken.

Im laufenden Strategieprozess #FactoryWisskomm befinden wir uns aktuell in einem intensiven Austausch mit den Leitungsebenen und ausgesuchten Expertinnen und Experten von Wissenschaft, Wissenschaftsförderung und Wissenschaftsjournalismus. Die Teilnehmer erarbeiten bis April 2021 einen gemeinsamen und verbindlichen Aktionsplan.“

Hintergrund:

Das Wissenschaftsbarometer wird seit 2014 jährlich von Wissenschaft im Dialog (WiD) durchgeführt und veröffentlicht. Es misst auf der Grundlage einer repräsentativen Umfrage die Einstellungen der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland zu Wissenschaft und Forschung. Gefragt wird unter anderem danach, wie sehr sich die Menschen für wissenschaftliche Themen interessieren, wie sie sich über diese informieren, wie groß ihr Vertrauen in die Wissenschaft ist oder wie sie Transparenz und Nutzen wissenschaftlicher Arbeit einschätzen. Im Frühjahr 2020 befasste sich ein „Wissenschaftsbarometer Spezial“ mit der Einstellung der Bürgerinnen und Bürger zu Wissenschaft und Forschung in Zeiten der Corona-Pandemie.

Förderer und Unterstützer des Wissenschaftsbarometers sind die Robert Bosch Stiftung und die Fraunhofer-Gesellschaft.

In der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftbarometers geben 60 Prozent der Befragten an, Wissenschaft und Forschung eher oder voll und ganz zu vertrauen. Genauso viele haben ein hohes Interesse an wissenschaftlichen Themen, und immerhin 59 Prozent geben an, persönlich von Wissenschaft und Forschung zu profitieren

Dass politische Entscheidungen im Umgang mit Corona auf wissenschaftlichen Entscheidungen beruhen sollten, sehen 77 Prozent der Befragten als richtig an, was etwas über dem Wert von Mai 2020 liegt. Gewachsen ist die Skepsis allerdings gegenüber der Rolle der Wissenschaft in politischen Prozessen: 42 Prozent finden, es sei nicht Aufgabe von Wissenschaftlern, sich in die Politik

einzumischen. Das sind immerhin zehn Prozent mehr als noch im Frühjahr 2020.