Karliczek: Impfstoff muss Vertrauen genießen

„Für die Bekämpfung der Pandemie ist es wichtig, dass der Impfstoff Vertrauen genießt“, sagte Anja Karliczek in der Aktuellen Stunde des Bundestages zur Umsetzung der Nationalen Impfstrategie.

Bundesministerin Anja Karliczek im Rahmen der Aktuellen Stunde.
Bundesministerin Anja Karliczek im Rahmen der Aktuellen Stunde. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Dass es sich bei Covid-19 nicht um eine schlichte Grippe handelt, kann man, glaube ich, in den Krankenhäusern sehen. Das, finde ich, ist hier viel zu wenig gewürdigt worden. Wir haben es heute mit einer Situation zu tun, wie wir sie noch nicht erlebt haben. Ich glaube, über diese Dimension muss man sich langsam im Klaren sein.

Bei aller Diskussion, die wir hier um die nationale Impfstrategie führen, sollten wir an allererster Stelle einmal dankbar und erleichtert sein, dass wir demnächst wahrscheinlich impfen können und dass die Entwicklung von Impfstoffen mit massiver Unterstützung der Bundesregierung so schnell erfolgreich war.

In diesem Land haben sich Firmen und Wissenschaftler mit all ihrem Können, mit all ihrer Kraft der Entwicklung von Impfstoffen gegen Covid-19 gewidmet, und sie sind sichtbar erfolgreich. Noch nie waren Unternehmen so schnell bei der Entwicklung von Impfstoffen. Und dass jetzt ein deutsches Unternehmen zusammen mit einem amerikanischen einen der ersten Impfstoffe der Welt auf den Markt gebracht hat, darf uns als Land auch ein klein wenig stolz machen.

Einigen geht die Zulassung des Impfstoffes nicht schnell genug. Es geht aber nicht um nationale Wettläufe. Für die Bekämpfung der Pandemie ist es wichtig, dass der Impfstoff Vertrauen genießt; Herr Kollege Spahn hat das eben auch schon klargemacht. Er muss sicher sein, er muss wirksam sein, und genau darauf muss Verlass sein. Deswegen ist das Prüfniveau qualitativ so, wie es eben auch sonst üblich ist bei der Zulassung von Impfstoffen. Erst wenn zweifelsfrei Sicherheit und Wirksamkeit geklärt sind, wird ein Impfstoff zugelassen. Das ist die Voraussetzung für das Vertrauen der Menschen und die Voraussetzung dafür, dass sich ausreichend viele Menschen impfen lassen wollen. Darauf kommt es an, wenn wir die Pandemie überwinden wollen.

Nach der Zulassung des Impfstoffs werden weiter Sicherheit und Wirksamkeit kontinuierlich überprüft, und weitere Probandengruppen wie Kinder und Schwangere werden in die Prüfungen eingeschlossen. Fragen werden gestellt: Wie lange wirkt die Impfung? Schützt sie auch gegen die Weitergabe des Virus an Dritte? All das wird in den nächsten Monaten weiter ganz genau erforscht.

Dabei geht es auch nicht nur um einen Impfstoff. Um die Pandemie unter Kontrolle zu bringen, brauchen wir mehrere Impfstoffe. Der Bedarf ist weltweit groß. Es kann Unterschiede geben bei Verträglichkeit und Wirksamkeit für bestimmte Personengruppen. Vielleicht ist einer besonders gut für ältere Menschen geeignet, ein anderer für eine bestimmte andere Risikogruppe. Darum: Je breiter das Angebot ist, desto besser.

Wir haben von Beginn an als Bundesregierung auf verschiedene Impfstoffkandidaten gesetzt. Drei deutsche Unternehmen haben davon profitiert. Neben BioNTech sind das CureVac und IDT Biologika. Auch von CureVac gibt es in diesen Tagen vielversprechende Nachrichten. CureVac plant in den nächsten Tagen den Start einer großen klinischen Phase-III-Prüfung. Das Paul-Ehrlich-Institut hat sie schon genehmigt. 36 000 Probanden sollen daran teilnehmen, und zwar in elf verschiedenen Ländern.

Wir hoffen, dass alle drei deutschen Firmen ihre Impfstoffkandidaten bis zur Zulassung bringen. Denn man kann mit Fug und Recht sagen: Impfen zu können, gehört zu den größten Errungenschaften der Gesundheitsforschung.

Und trotzdem ist auch mit einem Impfstoff nicht alles gut. Wir werden noch eine Weile mit der Pandemie leben müssen, und das heißt auch mit Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen. Für sie brauchen wir Medikamente.

Die Forschung hat in den vergangenen Monaten überprüft, ob vorhandene Arzneimittel gegen Covid-19 wirken. Die Ergebnisse waren überwiegend ernüchternd. Parallel haben Forscher daran gearbeitet, neue Medikamente zu entwickeln. Die Entwicklung dieser Medikamente werden wir kurzfristig nochmals fördern, so wie wir es bei der Impfstoffentwicklung getan haben; denn Medikamente sind ein wichtiger Bestandteil einer Therapie.

Behandlungsdaten zu erheben, schafft ebenfalls spürbaren Fortschritt für die Patienten. In einem Projekt des Netzwerks Universitätsmedizin werden Behandlungsdaten von 36 000 Patienten erhoben und zusammengeführt. Damit bekommen wir weitere Erkenntnisse zum Verlauf der Krankheit und ihrer Behandlung: Best-practice-Wissen, damit die Menschen in Deutschland, in München wie in Dresden, in Flensburg wie in Aachen, die gleichen Chancen auf gute Behandlung haben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich glaube, 2020 hat uns sehr bewusst gemacht, dass wir als Land und in Europa für die Zukunft eine bessere Präventionsstrategie benötigen. Dazu gehört aus meiner Sicht der Aufbau eines schlagkräftigen europäischen Förderregimes in der Gesundheitsforschung. Konkret brauchen wir eine europäische Agentur für die Medikamenten- und Impfstoffentwicklung - nach dem Vorbild einer BARDA in den USA.

Herzlichen Dank