Karliczek: „Krankheiten kennen keine Grenzen“

„Gesundheit sollte auch keine Grenzen kennen“, sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek beim Grand Challenges Meeting in Berlin. Und sie mahnt: Für die Globale Gesundheit sei insbesondere in der Politik mehr gemeinsames Handeln notwendig.

"Krankheiten kennen keine Grenzen. Gesundheit sollte auch keine Grenzen kennen. Das ist eine humanitäre Verpflichtung", sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek beim Grand Challenges Meeting in Berlin. © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek (MdB), anlässlich des Grand Challenges Annual Meetings am 16. Oktober 2018 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Dr. Mundel,

sehr geehrte Damen und Herren,

was muss man tun, um Menschen aus Armut zu befreien? Wie schaffen wir bessere Perspektiven für junge Menschen in Afrika? Was können wir machen, damit sie gut in ihrem Land leben können? Ganz einfach: Man investiert in die Gesundheit und Bildung junger Menschen. Diese Antwort hat vor ein paar Wochen Bill Gates in einem Gastbeitrag für die Welt gegeben. Er hat mir aus dem Herzen gesprochen.

Wir wollen die Voraussetzungen dafür schaffen, dass alle Menschen weltweit ein gesundes Leben führen können. So lautet das dritte Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen. Um es zu erreichen, bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung unterschiedlicher Akteure überall auf der Welt. Es reicht längst nicht mehr, dass Forscher irgendwo allein in ihrem Labor Ideen produzieren. Sonst drohen wichtige Erkenntnisse unterzugehen. Wenn wir Lösungen für große Herausforderungen gezielt hervorbringen wollen, brauchen wir neue Kooperationen. Kooperationen zwischen unterschiedlichen Ländern. Kooperationen zwischen Forschung, Politik, Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen. Verlässliche Netzwerke und vertrauensvolle Hand-in-Hand Arbeit können Großes bewirken. Deswegen sind wir hier. Der Titel der Veranstaltung gefällt mir natürlich gut: „Celebrating German Leadership in Global Health and Development“.

Wie füllen wir unsere Führungsrolle aus? Mit einer Kombination aus großen Investitionen, Spitzenforschung und besonderen Netzwerken. Drei Beispiele möchte ich nennen:

Herausforderung Nummer eins: antimikrobielle Resistenzen. Krankheitserreger, gegen die keine Therapie mehr hilft, sind eines der großen Probleme der modernen Wissenschaft und Medizin. Eine Gefahr für uns alle. Kein Land der Welt, keine Organisation und kein Unternehmen kann diese Herausforderung allein meistern. Insbesondere auf politischer Ebene ist mehr gemeinsames Handeln notwendig. Öffentliche und private Finanzierung von Forschung müssen noch stärker als bisher koordiniert und ausgebaut werden. Deswegen haben die G20 Staaten unter deutscher Präsidentschaft beschlossen, im Kampf gegen resistente Mikroorganismen besser zusammenzuarbeiten.

Deutschland hat in der Folge den „Global Antimicrobial Resistance Research and Development Hub“ ins Leben gerufen. 15 Staaten, die Europäische Kommission, die Bill und Melinda Gates Stiftung und der Wellcome Trust arbeiten dabei zusammen. WHO und OECD sind als Beobachter beteiligt. Vertreter aus Industrie und Zivilgesellschaft werden eingebunden.

Wir werden uns auch an CARB-X beteiligen. Eine internationale gemeinnützige öffentlich-private Partnerschaft, die zu arzneimittelresistenten Bakterien forscht. Sie investiert in neue Antibiotika und in Impfstoffe. Wir werden das CARB-X mit bis zu 40 Millionen Euro unterstützen.

Herausforderung Nummer 2: Prävention.

„Vorbeugen ist besser als heilen“, hat der deutsche Arzt Christoph Wilhelm Hufeland schon vor 200 Jahren gesagt. Wenn wir Infektionen in großem Maßstab verhindern wollen, geht auch das nur, wenn unterschiedliche Partner international zusammenarbeiten. Genau darauf setzen wir mit der „Coalition for Epidemic Prepareness Innovations“. Sie entwickelt Impfstoffe gegen Erreger, die gefährliche Epidemien verursachen können. Damit sollen humanitäre Katastrophen (wie zum Beispiel durch die Ebola-Epidemie) in Zukunft vermieden werden. Wir sind dankbar, dass die Bill und Melinda Gates Stiftung diese Initiative mitinitiiert hat.

Herausforderung Nummer 3: Mutter-Kind-Gesundheit.

Wenn wir das dritte Nachhaltigkeitsziel erreichen wollen, ist sie von besonderer Bedeutung. Auch hier sind passgenaue Kooperationen notwendig. Ich freue mich, heute ankündigen zu können, dass wir uns künftig an den Grand Challenges Africa der Bill und Melinda Gates Stiftung beteiligen werden. Wir wollen gemeinsam afrikanische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fördern, die zur Mutter-Kind-Gesundheit forschen. Dabei werden wir auch Grundlagen für Kooperationen mit deutschen Forschenden legen. Dieser Ansatz passt perfekt in die Afrika-Strategie meines Hauses. Und er unterstreicht unseren Schulterschluss in der Forschung für Globale Gesundheit.

Sehr geehrte Damen und Herren,

Krankheiten kennen keine Grenzen. Gesundheit sollte auch keine Grenzen kennen. Das ist eine humanitäre Verpflichtung. Und es ist in unser aller Interesse. Denn in der globalisierten Welt rücken wir alle nah zusammen. Perspektiven für das eigene Leben sind so wichtig, wie die Luft zum Atmen. Wenn Menschen in Afrika keine Perspektive sehen, werden sie sie woanders suchen. Und auch nicht davor zurückschrecken, ihr Leben im Mittelmeer zu riskieren. Jeder Mensch soll in seiner Heimat eine Perspektive haben. Das ist unsere gemeinsame Verantwortung. So kann jeder einen Beitrag leisten zum Frieden in der Welt.

Eine Veranstaltung wie diese ist eine gute Gelegenheit, neue Partner zu finden. Deswegen, sehr geehrte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hier im Saal, möchte ich Sie ermutigen, Ihre Ideen zur Globalen Gesundheit nicht nur zu diskutieren. Dr. Mundel hat Ihnen eben eine Möglichkeit eröffnet, Ihre Visionen als konkreten Projektvorschlag vorzustellen. Reichen Sie einen Antrag bei der Bill und Melinda Gates Foundation ein, damit Ihre Idee geprüft und Wirklichkeit werden kann.

Nutzen Sie die kommenden Tage, um sich zu vernetzen und neue innovative Ansätze zu entwickeln. Zum Wohle aller Menschen weltweit. Wie sagte Bill Gates noch? Ganz einfach!