Karliczek: Digitale Bildung ist ein "Must-have"

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek fordert weitere Fortschritte beim digitalen Unterricht. In einem Interview mit der "Wirtschaftswoche" sagte sie, Deutschland sei "noch nicht dort, wo wir hinwollen“.

Anja Karliczek
Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung. © BMBF/Laurence Chaperon

In immer mehr Bundesländern läuft die Schule wieder an – und mancherorts mussten nach nur wenigen Tagen die ersten Einrichtungen aufgrund von Corona-Fällen gleich wieder zeitweise schließen. Damit das die Ausnahme bleibt, hat Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) die Bundesländer aufgefordert, die Schulkonzepte, die im Umgang mit Corona vereinbart wurden, auch umzusetzen. „In der Kultusministerkonferenz haben sie Mitte Juli einen Rahmen für Infektionsschutz- und Hygienemaßnahmen beschlossen", sagte Karliczek der "Rheinischen Post".

Sie gehe davon aus, dass die Länder ihre Verantwortung wahrnähmen, "geeignete Konzepte vorlegen und die Schulen dabei unterstützen, die Konzepte erfolgreich umzusetzen." In mehreren Ländern sei dies bereits erfolgt - die Schule hat wieder begonnen. „Nun folgt der Praxistest“, so die Ministerin.

Dazu gehört auch eine bessere Ausstattung der Schulen mit digitalen Lernmitteln. Karliczek forderte die Länder auf, die vom Bund bereitgestellten finanziellen Mittel für "starkes digitales Lernen vor Ort" auch zu nutzen. Das BMBF hat mit verschiedenen Maßnahmen den Rahmen dafür geschaffen: „Mit einem Sofortausstattungsprogramm sorgen wir zum Beispiel dafür, dass sich Schülerinnen und Schüler, deren Eltern sie nicht mit eigenen Endgeräten ausstatten können, Laptops bei den Schulen ausleihen können“, sagte Karliczek, und verwies auf den ausgeweiteten Digitalpakt Schule.

Deutschland müsse weitere Fortschritte beim digitalen Unterricht machen, sagte sie in einem weiteren Interview der "Wirtschaftswoche". „Wir wollen und wir müssen noch besser werden“, sagte sie. Denn digitale Bildung sei „kein Nice-to-have, sondern ein Must-have“. Die vergangenen Monate hätten vielen Menschen „die enormen Chancen“ und „den großen Nutzen“ von digitalem Lehren und Lernen „vor Augen geführt“. Die „weit überwiegende Mehrzahl“ der Lehrerinnen und Lehrer habe „engagiert“ dafür gearbeitet, den Unterricht auch in der Krise aufrecht zu erhalten. Dennoch stehe Deutschland beim digitalen Unterricht „noch nicht dort, wo wir hinwollen“.

Jetzt werde mit den Ländern verhandelt, „um zusätzlich zu der bisher schon förderfähigen Entwicklung innovativer Lösungen auch Administratoren zeitlich begrenzt finanzieren zu können", sagte Karliczek. Das sei wichtig, damit die Technik auch funktioniere und sich die Lehrkräfte auf die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern konzentrieren könnten, so die Ministerin weiter.

"Um digital unterrichten zu können, müssen natürlich auch die Lehrerinnen und Lehrer mit der notwendigen Technik ausgerüstet sein", sagte Karliczek am Freitag mit Hinweis auf das
Bund-Länder-Gespräche über Digitalisierung der Schulen im Kanzleramt am Donnerstagabend. Die Pädagogen bräuchten einen Dienstlaptop und eine dienstliche E-Mail Adresse. "Wir werden mit den Ländern sprechen, wie wir sie als Bund hier unterstützen können", sagte sie.

Unterdessen hat die Deutsche Telekom angekündigt, für Schülerinnen und Schüler einen
Internettarif mit einer 10-Euro-Flatrate zum digitalen Lernen
anbieten zu wollen. Es gehe um einen Mobilfunktarif ausschließlich mit
Datennutzung und unbegrenztem Volumen, sagte ein Telekom-Sprecher am
Freitag in Bonn. Der Tarif sei nur für Bildungsinhalte nutzbar.

Bundesbildungsministerin Karliczek (CDU) sagte am Freitag, sie
habe Telekommunikationsanbieter angeschrieben und um günstige Tarife
für Schülerinnen und Schüler gebeten, deren Eltern bisher keine
Netzanbindung bezahlen könnten. Die Rückmeldungen der Unternehmen
seien positiv.