Karliczek: "Müssen Afrika im Kampf gegen den Klimawandel unterstützen"

Bundesministerin für Bildung und Forschung reist nach Ghana/Klimaforschung im Fokus

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek im Gespräch mit dem ghanaischen Forschungsminister Kwabena Frimpong-Boateng. © BMBF

Bundesministerin Anja Karliczek hält sich gegenwärtig in Ghana auf. Anlass ihrer Reise ist die Teilnahme an der Ministerkonferenz des Westafrikanischen Kompetenzzentrums für Klimawandel und angepasstes Landmanagement, WASCAL an diesem Dienstag in Accra. An diesem Montag führt Frau Karliczek zunächst bilaterale Gespräche und informiert sich über die Umsetzung von Förderprojekten ihres Hauses.
 

Hierzu erklärt die Ministerin:

"Afrika ist noch stärker als Europa vom Klimawandel betroffen. Es drohen in den kommenden Jahrzehnten noch stärkere Dürren und Extremwetterereignisse, die bis zur Unbewohnbarkeit von immer weiteren Regionen führen könnten. In der Sahara drohen Oasen zu verdorren. Diese Entwicklung hat auch konkrete Folgen für Europa. Europa und Afrika sind Nachbarkontinente.

Viel Erfolg für "Waste2Energy": Urkundenübergabe mit Bundesministerin Anja Karliczek und Ghanas Forschungsminister Frimpong-Boateng. Ziel des Projekts: Aus den Siedlungsabfällen Ghanas soll grüne Energie werden. © BMBF

Wir haben eine moralische Pflicht, den afrikanischen Staaten zu helfen, weil diese Länder viel weniger Treibhausgasgase pro Kopf ausstoßen und damit sicher nicht die Hauptverursacher für den Klimawandel sind. Zudem müssen wir uns vor Augen führen, dass der Klimawandel zu neuen Migrationsbewegungen führen wird, von denen vor allem Europa betroffen sein könnte. Mein Haus arbeitet mit den afrikanischen Staaten schon seit 2010 zusammen. Aber wir müssen die Zusammenarbeit noch intensivieren. Dazu soll meine Reise ein Beitrag sein.

Ich werde in Ghana an einer Ministerkonferenz des sogenannten WASCAL-Kompetenzzentrums für Klimawandel und angepasstes Landmanagement teilnehmen. WASCAL ist ein exzellentes Beispiel für eine erfolgreiche regionale Zusammenarbeit in Afrika im Bereich Klimawandel und Nachhaltigkeit. Wir fördern die akademische Aus- und Weiterbildung hochqualifizierter Klimaexperten in den 11 beteiligten Ländern. Im WASCAL-Forschungsprogramm finanzieren wir die Bereitstellung neuer räumlicher Klima- und Umweltdaten für die Region Westafrikas. Für beides stellt mein Haus rund 25 Millionen Euro in den nächsten Jahren bereit.

Wie bei uns müssen wir zunächst einmal das Ausmaß des Klimawandels verstehen. Dazu dient die Erhebung der Daten. Auf Grundlage der Daten können die betroffenen Länder dann konkrete Maßnahmen einleiten, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Das beginnt mit besseren Regenvorhersagen für die Bauern, beinhaltet aber auch Vorschläge für die Bepflanzung der Felder. Es geht aber auch um den Schutz vor Bodenerosionen.

Auf meiner Reise werde ich mich aber auch mit dem ghanaischen Forschungsminister Kwabena Frimpong-Boateng treffen. Gemeinsam werden wir ein Projekt zur Energiegewinnung aus Müll starten. Abfall ist eines der größten Probleme für Ghana. Durch die unkontrollierte Verrottung und Verbrennung werden erhebliche Treibhausgase verursacht. Außerdem gehen durch die Müllberge erhebliche Gefahren für die Gesundheit der Menschen aus."



 

Hintergrund

Im internationalen Leuchtturmprojekt WASCAL (West African Science Service Centre on Climate Change and Adapted Land Use), schafft das BMBF seit 2010 mit den Mitgliedsländern Benin, Burkina Faso, Elfenbeinküste, The Gambia, Ghana, Kapverden, Mali, Niger, Nigeria, Senegal und Togo gemeinsame wissenschaftliche Kooperationsstrukturen in der Region. Ziel ist es, die Wissensbasis zum Thema "nachhaltiges Landmanagement unter dem Einfluss von Landnutzung- und Klimawandel" zu verbessern, um so die wirtschaftliche und soziale Situation und die Resilienz Westafrikas zu stärken.

Waste2Energy arbeitet an einer innovativen Lösung auf der Grundlage von Solarenergie. Hierdurch werden Siedlungsabfälle energetisch genutzt und geregelt entsorgt.

Ein weiterer Programmpunkt findet in der University of Ghana statt, mit 37.940 Studierenden einer der wichtigsten Universitäten Ghanas. Dort informiert sich die Ministerin über TAKeOFF, ein Projekt zum Thema Filariose. Filariose betrifft mehr als 200 Millionen Menschen weltweit – vor allem in Afrika und Asien. Dabei verursacht die Krankheit starke Schmerzen durch Lymphödeme und führt zu schweren körperlichen Beeinträchtigungen und sozialem Stigma. TAKeOFF setzt sich zum Ziel, diese vernachlässigte Tropenkrankheit zu eliminieren. Das BMBF fördert das Projekt TAKeOFF mit 7,4 Mio. Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Ferner soll ein Abkommen über eine deutsch-ghanaische Zusammenarbeit in der Berufsbildung unterzeichnet werden. Eine weitere Absichtserklärung sichert die künftige Förderung des African Institute for Mathematical Sciences (AIMS), deren Ziel es ist, die mathematische Expertise in Afrika zu verbessern und diese dann auch für Probleme des Alltags vor Ort zu nutzen.