Karliczek: Überall herrscht Aufbruchstimmung

"Der aktuelle Bildungsbericht ist ein Gradmesser, wo wir in der Bildung in Deutschland stehen. Er ist Ansporn für alle, die sich für Bildung engagieren, nicht nachzulassen", sagte Anja Karliczek heute im Bundestag.

Rede zum Nationalen Bildungsbericht
© BMBF/Hans-Joachim Rickel

Lesen Sie hier die Rede im Wortlaut: 

Liebe Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Bildung ist in diesen Tagen in aller Munde; und das ist auch gut so. Denn mit einem Spot auf die Schwierigkeiten des Bildungssystems, die Corona so gnadenlos offengelegt hat, gibt es auch die Hoffnung, dass wir mit vereinten Kräften für Fortschritt sorgen.

Und ich will es hier und heute ganz deutlich sagen: Die Digitalisierung des Bildungssystems bietet Chancen für jeden und jede.

Seit Beginn der Legislaturperiode haben wir viele Projekte in Gang gesetzt, gerade auch in der digitalen Bildung. Und ja, es hat eine Weile gebraucht, bis der DigitalPakt ins Laufen gekommen ist. Inzwischen arbeitet die große Mehrheit der Schulen mit digitalen Lern- und Arbeitsplattformen, und digitale Tools werden immer selbstverständlicher.

Und nein, natürlich ist noch nicht alles perfekt; denn digitale Bildung ist eben nicht nur das Nutzen von Technik. Im Gegenteil: Es geht um Lernen, angepasst an die Bedürfnisse unserer Kinder, es geht um Lehren, wie es den Lehrerinnen und Lehrern entspricht. Das wird eine Aufgabe sein, die Bund, Länder und Kommunen in Arbeitsteilung noch länger fordert. Aber das Geld aus dem DigitalPakt kommt an: Die jüngsten Berichte aus allen Ländern zeigen zunehmende Fortschritte bei der Umsetzung, die finanziellen Abflüsse nehmen zu.

Natürlich stellt mich der aktuelle Zustand nicht zufrieden, und natürlich hätten wir uns schnellere Umsetzung gewünscht.

Aber mein Blick nach vorn ist positiv. Überall herrscht Aufbruchsstimmung.

Und deshalb, liebe Opposition, ist es besser, wenn Sie nun nicht wieder einen falschen Anschein erwecken, sondern ehrlich anerkennen, dass vieles passiert ist.

Wo stünden wir denn wohl heute, wenn der Bund den DigitalPakt nicht so entschieden auf den Weg gebracht hätte?

Allein für den DigitalPakt stellen wir inzwischen 6,5 Milliarden Euro bereit. Wir bezahlen Schülerlaptops, wenn Schüler keine eigenen Geräte haben. Wir bezahlen Laptops für Lehrerinnen und Lehrer.

Wir bezahlen den Aufbau professioneller Administratorenstrukturen in den Ländern. Alles übrigens Aufgaben der Länder und Kommunen - wo auch Sie Verantwortung tragen -, bei denen wir sie finanziell unterstützen.

Was uns in diesen Tagen aber auch umtreibt, ist die Frage, wie wir den Kindern helfen können, verpasste Bildungschancen nachzuholen. Und dabei geht es mir nicht nur um Lernrückstände; denn geschlossene Schulen sind auch verpasste Chancen in der Persönlichkeitsentwicklung. Und Schulleitungen berichten mir, dass Teamwork und Rücksichtnahme mittlerweile neu erlernt werden müssen - manchmal habe ich auch hier im Hohen Haus den gleichen Eindruck.

Als erste Maßnahme haben wir den Ländern unsere Unterstützung für Osterferien- und Sommerferienprogramme angeboten. Aber Kinder mit größeren Lernrückständen brauchen umfangreichere Unterstützung. Dazu brauchen wir Klarheit, wie groß die Lernrückstände tatsächlich sind, und dann können wir gemeinsam mit der KMK aktiv werden.

Doch zurück zum aktuellen Bildungsbericht. Ja, es gibt noch viel zu tun.

Der Bericht ist ein Gradmesser, wo wir in der Bildung in Deutschland stehen. Und weil er den Schwerpunkt auf die digitale Bildung legt, ist er höchst aktuell. Und er ist Ansporn für alle, sich für Bildung weiterhin zu engagieren. Und er ist weiß Gott kein Grund, schwarzzumalen. Denn der Bildungsbericht dokumentiert eine ganze Reihe sehr erfreulicher Entwicklungen: Die Bildungsbeteiligung nimmt zu, der Bildungsstand hat sich verbessert, die Bildungsausgaben steigen kontinuierlich, Bildungswege werden flexibler.

Flexibilität - ein magisches Wort für die Zukunft der Bildung.

Denn jeder wird in Zukunft berufliche und theoretische Elemente in seine Aus- und Weiterbildung hineinbringen. Wir werden immer wieder im Laufe unseres Lebens modular lernen. Deshalb möchte ich gerne für den Sommer Praktika in Betrieben unterstützen. Denn das hilft Betrieben und Jugendlichen gleichermaßen, und wir wissen, dass das Matching die große Herausforderung bleibt; und da bieten Praktika beste Chancen.

Ich möchte, dass in diesem Sommer für die nächsten Jahre möglichst viele Ausbildungsverträge abgeschlossen werden können. Denn unsere Berufsausbildung ist stark, modern und attraktiv. Wir werden nicht umsonst weltweit darum beneidet.

Wir befinden uns mitten in einem technologischen Sprung. Die duale Bildung ist ein tolles Instrument in diesem Wandel, weil sie Wurzeln und Flügel verleiht: Wurzeln für ein stabiles Fundament der eigenen beruflichen Zukunft und Flügel, weil die Aufstiegschancen in der dualen Bildung noch nie so groß waren wie heute.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die digitale Bildung ist jetzt überall im Alltag angekommen - in der dualen und in der schulischen Bildung,

in der Hochschulbildung und in der Weiterbildung. Das ist der Grund, warum ich mit der Bundeskanzlerin die digitale Bildungsinitiative ins Leben gerufen habe.

Ziel ist, einen nationalen digitalen Bildungsraum zu entwickeln, damit Bildung für die Menschen in unserem Land bedeutet: sicher navigieren in der digitalen Welt.

Viele Schritte haben wir angepackt. Aber wir kommen in der Zusammenarbeit zwischen Bund, Länder und Kommunen an unsere Grenzen.

In jedem Gespräch sagen mir Schulleiter, dass das Geld bei ihnen zu langsam ankommt. Wir brauchen kürzere Drähte und schnellere Koordination.

Die Pandemie wirkt wie ein Brennglas. Wir haben gesehen, dass wir in vielen Bereichen nicht wirklich gut aufgestellt waren. Doch in den vergangenen Monaten sind viele Weichen gestellt worden.

Deshalb möchte ich hier und jetzt auch die Gelegenheit nutzen, allen zu danken, die diese schwere Zeit mit uns gemeinsam durchstehen. Mein Dank geht an Lehrerinnen und Lehrer, an Schülerinnen und Schüler, an Eltern, aber ganz genauso - und das will ich hier auch deutlich sagen, weil wir oft über Schule, aber selten über Hochschule reden - an alle Studierenden und Hochschullehrenden, aber natürlich auch an alle Auszubildenden und Ausbilder in den Betrieben.

Wir wissen, was die Pandemie ihnen in den letzten Monaten zugemutet hat, und wir wissen auch, dass wir alle miteinander langsam an Grenzen stoßen.

Die Pandemie ist für uns alle eine Geduldsprobe. Und wo es auf der einen Seite so schwer ist, gibt es auf der anderen Seite eine Aufbruchsstimmung: Es geht ein Ruck durch das Bildungsland Deutschland.

Von vielen im Bildungssystem höre ich in diesen Tagen: Jetzt erst recht. -Gemeinsam werden wir Bildung in Deutschland wieder erstklassig machen.

Gute Bildung ist nicht nur für jeden Einzelnen und die Gesellschaft wichtig, sondern soll auch Freude machen - ein Leben lang. Denn in der Bildung ist „lebenslang“ ein Versprechen für immer wieder neue Chancen, für persönliche Weiterentwicklung, für das permanente Entdecken neuer Lebenswelten.

Das Bildungsland Deutschland und das Innovationsland Deutschland gehen Hand in Hand in eine wettbewerbsfähige Zukunft, eine am Menschen ausgerichtete Zukunft, eine Zukunft, in der Kreativität und Empathie der Kern eines neuen Bildungsversprechens sind.