Karliczek: Unser Nachwuchs ist fit für den Arbeitsmarkt

EU-Bildungsbericht zeigt aktuelle Entwicklungen auf dem Weg zu europäischen Bildungszielen

Am heutigen Donnerstag hat die EU-Kommission den Bericht „Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung“ (Education and Training Monitor) veröffentlicht. Dieser berichtet jedes Jahr über die Fortschritte der 27 EU-Mitgliedstaaten bei der Erreichung gemeinsamer Bildungsziele auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung (Education and Training 2020/“ET2020“). Ein wichtiges Bildungsziel betrifft die Beschäftigungsquote von jungen Absolventinnen und Absolventen. Hierzu erklärt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek:

„Unser Nachwuchs ist fit für den Arbeitsmarkt. Dieses Zeugnis stellt uns der ‚Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung 2020‘ der EU-Kommission aus. Denn der Bericht zeigt eindrucksvoll, dass der Übergang von Bildung in den Arbeitsmarkt jungen Menschen in Deutschland im europäischen Vergleich besonders gut gelingt. Rund 93 Prozent der 20- bis 34-Jährigen in Deutschland, die die Schule oder Universität in den letzten drei Jahren verlassen haben, sind berufstätig. Die von der EU-Kommission festgelegte Zielquote von 82 Prozent bis zum Jahr 2020 haben wir mit fast elf Prozentpunkten somit deutlich übertroffen. Dies ist ein wichtiger Punkt, denn gerade in der Krise zeigt sich, wie dringend wir gut ausgebildete Leute brauchen. Jetzt geht es darum, diese Stärke des deutschen Bildungssystems auszubauen, damit wir auch in der Zeit nach der Krise unsere Spitzenposition halten können.

Der EU-Bildungsbericht nimmt zudem die Digitalisierung in den Blick. Digitale Bildung spielt vor allem in diesem Jahr der Corona-Pandemie mit den zeitweisen Schulschließungen eine besondere Rolle – auch wenn der Bericht uns ‚vor-Corona-Zahlen‘ darlegt. Die Ergebnisse zeigen, dass rund ein Drittel der Jugendlichen in Deutschland (33,2 Prozent) lediglich über Grundkenntnisse im Umgang mit digitalen Medien verfügt. Nur ein sehr geringer Anteil der Jugendlichen (1,9 Prozent) erreicht hier die Leistungsspitze. Das ist besorgniserregend. Zwar liegen wir mit diesen Ergebnissen noch knapp über den EU-Mittelwerten. Doch Mittelmaß darf nicht unser Anspruch sein. Unsere Kinder verdienen gute Bildung und sie verdienen eine gute digitale Bildung. Nur gut ausgebildete junge Leute werden zukünftig dafür sorgen können, dass der Wohlstand in unserem Land erhalten bleibt.

Der Bund unterstützt die Länder bei der digitalen Bildung soweit es ihm möglich ist. Besonders durch die vom Bund bereit gestellten Mittel im DigitalPakt Schule konnte gerade in den zurückliegenden Monaten die digitale Infrastruktur für digitales Lernen verbessert werden. Auch in Europa wollen wir die Digitalisierung der Bildungssysteme vorantreiben. Deshalb haben wir die digitale Bildung in den Mittelpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft gestellt. Mit besserer digitaler Bildung schaffen wir bessere Bildungschancen für alle in ganz Europa.“

Hintergrund:

Der „Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung“ wird jährlich von der EU-Kommission veröffentlicht. Er zeigt die Entwicklungen in den EU-Mitgliedstaaten bei der Verwirklichung der Bildungsziele des Strategischen Rahmens für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung („ET 2020“) auf. Der Bericht umfasst einen Ländervergleich (Vol. I) und 27 ausführliche Länderberichte (Vol. II).

Im Rahmen von ET 2020 gibt es gegenwärtig sechs europäische Zielvorgaben, die bis zum Jahr 2020 erreicht werden sollen. Diese Zielvorgaben sind europäische Durchschnittswerte, zu deren Erreichung jeder Mitgliedstaat auf der Grundlage nationaler Prioritäten bestmöglich beitragen sollte.

Zu den Zielen gehören:

Bis 2020 soll der Anteil früher Schul- und Ausbildungsabgänger auf unter zehn Prozent gesenkt werden. Zu dieser Gruppe gehören 18- bis 24-Jährige, die keinen Abschluss im Sekundarbereich II ((Fach-) Hochschulreife oder beruflicher Abschluss bzw. Stufe 3 in der internationalen Klassifikation von Bildungsabschlüssen ISCED) erreicht haben und nicht mehr an Maßnahmen der allgemeinen und beruflichen Bildung teilnehmen. Deutschland liegt mit 10,3 Prozent im Jahr 2019 knapp über dem Zielwert von zehn Prozent. Insgesamt 19 der 27 EU-Mitgliedsstaaten haben den Zielwert bereits erreicht.

Bis 2020 sollen mindestens 40 Prozent der 30- bis 34-Jährigen über einen tertiären Bildungsabschluss verfügen. Zu dieser Gruppe gehören Personen in der genannten Altersgruppe, die einen akademischen oder beruflichen Bildungsgang der ISCED-Stufen 5 bis 8 (akademischer (Fach-) Hochschulabschluss oder höherqualifizierende berufliche Ausbildung, zum Beispiel Meister, Techniker) erfolgreich abgeschlossen haben. Deutschland liegt mit 35,5 Prozent im Jahr 2019 unter dem Zielwert von 40 Prozent. Insgesamt 17 der 27 EU-Mitgliedstaaten haben den Zielwert bereits erreicht.

Bis 2020 sollen mindestens 95 Prozent der Kinder im Alter zwischen 4 Jahren und dem Beginn der Pflichtschulzeit an Bildung teilnehmen. Deutschland liegt mit 96 Prozent im Jahr 2018 über dem Zielwert von 95 Prozent und hat ebenso wie 14 weitere EU-Mitgliedstaaten den Zielwert erreicht.

Bis 2020 soll der Anteil der 15-Jährigen mit schwachen Leistungen in den Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften unter 15 Prozent liegen. Datengrundlage für diese Zielvorgabe ist die PISA-Erhebung 2018. Deutschland liegt mit 20,7 Prozent (Lesen), 21,1 Prozent (Mathe) und 19,6 Prozent (Naturwissenschaften) über dem Zielwert von 15 Prozent. Lediglich Estland, Finnland und Polen haben die EU-Zielwerte in allen drei Domänen erreicht.

Bis 2020 sollen mindestens 82 Prozent der Absolventinnen und Absolventen von Sekundarstufe II bis tertiärer Bildung, die an keiner weiteren schulischen oder beruflichen Bildungsmaßnahme teilnehmen, einer Beschäftigung nachgehen. Der Indikator bezieht sich auf die 20- bis 34-Jährigen, die vor weniger als drei Jahren einen Abschluss der ISCED-Stufen 3 bis 8 (mindestens (Fach-) Hochschulreife bzw. eine berufliche Ausbildung) erworben haben. Deutschland liegt mit 92,7 Prozent im Jahr 2019 über dem Zielwert von 82 Prozent und hat ebenso wie 17 weitere EU-Mitgliedstaaten den Zielwert erreicht.

Bis 2020 sollen durchschnittlich mindestens 15 Prozent der Erwachsenen in der Altersgruppe der 25- bis 64-Jährigen an formalen oder nichtformalen Lernaktivitäten teilnehmen. Deutschland liegt mit 8,2 Prozent im Jahr 2019 unter dem Zielwert von 15 Prozent. Insgesamt 7 EU-Mitgliedstaaten haben den Zielwert bisher erreicht.

Die Auswertungen zu den digitalen Kompetenzen von Achtklässlern beruhen auf der ICILS-Erhebung (International Computer and Information Literacy Study) aus dem Jahr 2018. Demnach verfügt rund ein Drittel der Jugendlichen in Deutschland (33,2 Prozent) über sehr geringe computer- und informationsbezogene Kompetenzen („underachievers“, Kompetenzstufe I und II). Der Durchschnittswert der an der Studie beteiligten EU-Mitgliedstaaten beträgt für diese Kompetenzstufen 38,2 Prozent. Der Anteil der leistungsstarken Jugendlichen (Kompetenzstufe V) beträgt in Deutschland 1,9 Prozent. Der Durchschnittswert der an der Studie beteiligten EU-Mitgliedstaaten beträgt für diese Kompetenzstufe 1,5 Prozent.