Karliczek: Volles Schulprogramm nach den Sommerferien sicherstellen

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat Länder und Schulen dazu aufgerufen, Konzepte für eine baldige Rückkehr zu strukturiertem Unterricht zu entwickeln. Helfen könnten Container und Lehramtsstudierende.

Anja Karliczek
Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung. © BMBF/Laurence Chaperon

Wird nach den großen Ferien vieles wieder besser an den Schulen in Deutschland? Bundesbildungsministerin Anja Karliczek jedenfalls hat Länder und Schulen in einem Interview eindringlich dazu aufgerufen, die Voraussetzungen für einen verlässlichen Unterricht nach den Sommerferien zu schaffen. „Jede Schule in jedem Land muss sich ein Ziel setzen: Nach den Ferien muss überall ein strukturierter Unterricht angeboten werden - und zwar so, dass möglichst ein volles Schulprogramm gewährleistet ist“, sagte die CDU-Politikerin der „Rheinischen Post“, und fügte an: „Wie auch immer“.

„Ich weiß um die Schwierigkeiten. Aber wir leben einfach in einer Ausnahmesituation und da muss jetzt alles mobilisiert werden, damit die Kinder und Jugendlichen wieder verlässlich unterrichtet werden“, so Karliczek

Die Eltern seien vielfach am Limit, und auch die Schüler litten, sagte sie. Zur Eindämmung der Corona-Pandemie waren bundesweit die Schulen geschlossen worden, auch jetzt ist der Unterricht noch stark eingeschränkt. Jetzt müsse vor Ort intensiv an Lösungen gearbeitet werden, damit der Schulbetrieb „mit einer Mischung aus Präsenz- und Digitalunterricht“ wieder umfassend laufen könne.

„Die Sommerferien können die Schulen auch nutzen, mehr Raumkapazitäten zu schaffen, indem sie zum Beispiel Container aufstellen“, meinte Karliczek. Sie begrüßte auch den Vorschlag des Bundeselternrats, für den Unterricht etwa auf Vereinshäuser und kommunale Veranstaltungsräume zurückzugreifen. „Das kann helfen, die Abstandsregeln einzuhalten.“

Außerdem sieht Karliczek in digitalem Unterricht eine große Chance. „Der Bund gibt jetzt noch einmal 500 Millionen Euro zusätzlich, damit alle Kinder, deren Eltern sich keinen Computer oder Tablet leisten können, ein Gerät von der Schule geliehen bekommen“, so die Ministerin.

Gleichzeitig zeigte sich Karliczek besorgt, dass durch die Krise bereits bestehende Ungleichheiten noch verstärkt werden könnten. „Natürlich können Kinder auch Stoff aufholen. Manche Kinder sind ja auch mal sechs oder acht Wochen krank und bereiten nach der Gesundung die Dinge nach. Aber wir wissen, dass dies manchen schwerfällt. Alle für Schule Verantwortlichen müssen genau beobachten, ob durch diese Pandemie die Bildungsschere nicht vergrößert wird“, sagte sie. Kinder, die zu Hause vielleicht nicht die richtige Unterstützung bekämen, brauchten Unterstützung. Dafür könnten laut Karliczek auch Lehramtsstudierende einbezogen werden.

Positiv sieht die Ministerin die Anstrengungen zur Entwicklung eines Impfstoffes. „Dadurch, dass das Virus stabil zu sein scheint, sind die Chancen relativ gut, einen wirksamen und sicheren Impfstoff zu finden. Über die internationale Impfallianz CEPI, die auch durch die Bundesregierung unterstützt wird, werden zurzeit neun  Impfstoff-Kandidaten  gefördert - davon einer in Deutschland“, sagte sie.