Karliczek will offene Innovations- und Wagniskultur schaffen

„Wir brauchen Innovationen, die das Potenzial haben, neue Märkte zu schaffen“, sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bei der Fraunhofer-Jahrestagung. Das gehe nur mit Mut zum Risiko – und etwas Neuem: einer Agentur für Sprunginnovationen.
 

Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Professor Neugebauer,
sehr geehrter Kollege Braun,
sehr geehrter Herr Staatssekretär Krach,
liebe Preisträgerinnen und Preisträger,
sehr geehrte Damen und Herren,

Deutschland ist in Bewegung. Und Fraunhofer liefert in gewisser Weise den Treibstoff dafür! Mit ihrer Forschung und ihren Zukunftsvisionen trägt die Fraunhofer-Gesellschaft entscheidend dazu bei, dass in Deutschland originelle Ideen reifen, neue Geschäftsmodelle und Dienstleistungen entstehen. So bleiben wir in Deutschland mobil – und zwar nicht nur auf den Straßen, sondern vor allem in den Köpfen.

Der Fokus dieser Jahrestagung liegt auf „kognitiven Systemen“. Alles, was wir darunter verstehen, berührt unseren Alltag. Auch die Wirtschaft und die Industrie können darauf nicht mehr verzichten: Ob in der industriellen Produktion, im Maschinenbau, der Robotik, der Automobilindustrie oder der Medizin – alle Bereiche – der gesamte Dienstleistungssektor und selbst der Tourismus, der mich geprägt hat – verändern sich durch Digitalisierung und kognitive Systeme.

Kognitive Systeme können unser Leben entscheidend verbessern. Wie, das erleben wir heute hier. Denn das, was die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei Fraunhofer entwickeln, hilft konkret: Operationen werden sicherer, der Kerosinverbrauch von Flugzeugen wird gesenkt, bisher Unsichtbares wird auf dem Röntgenbild sichtbar.

Daran wird deutlich: Der Mensch steht im Mittelpunkt unserer Forschungs- und Innovationspolitik.

Technologische Lösungen müssen sich daran messen lassen. Sie werden erst dann in großem Maßstab nachgefragt, wenn Menschen überzeugt sind, dass neue Technik ihnen hilft, ihr Leben nach ihren Maßstäben und Wünschen zu gestalten.

Die Fraunhofer-Gesellschaft als größte Organisation für anwendungsorientierte Forschung in Europa ist dafür ein exzellenter Partner. Ihr erklärtes Ziel ist, „zum unmittelbaren Nutzen für die Wirtschaft und zum Vorteil für die Gesellschaft“ zu forschen.

Damit Forschung Lebensqualität verbessert, entwickelt mein Haus die Hightech-Strategie weiter.

Wir richten sie konsequent auf die großen Herausforderungen aus: Digitalisierung und Zukunft der Arbeit, Gesundheit und Pflege, Klima und Energie, Mobilität und Sicherheit. Es wird entscheidend darauf ankommen, dass wir uns gemeinsam – Staat, Wirtschaft und Wissenschaft – auf die zentralen Herausforderungen und strategischen Antworten verständigen.

Deswegen freue ich mich darüber, dass Sie Berlin als Ort für Ihre Jahrestagung gewählt haben. Damit setzen Sie auch ein Zeichen in Richtung Politik. Denn um sich auf den Weg zu machen und die richtige Richtung einzuschlagen, reicht ein Kompass in der Hand allein nicht aus. Es braucht auch entsprechende Mittel der Fortbewegung.

Was sind die Mittel, die Höchstleistungen in der Forschung ermöglichen, wie sie die Fraunhofer-Institute vollbringen?

Es sind gute Rahmenbedingungen für Wissenschaft und Forschung. Diese garantiert die Bundesregierung, zum Beispiel durch die gerade angesprochene Hightech-Strategie oder den Pakt für Forschung und Innovation. Und vor allem durch eine finanzielle Ausstattung, wie es sie in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bisher nicht gegeben hat. Staat und Wirtschaft investieren gemeinsam mehr als je zuvor in Forschung und Entwicklung. Das 3 Prozent Ziel haben wir praktisch erreicht.

Bis 2025 wollen wir 3,5 Prozent des Bruttoinlandprodukts in Forschung und Entwicklung investieren. Wir bleiben also ehrgeizig.

Staat, Wissenschaft und Wirtschaft stehen in gemeinsamer Verantwortung. Von der Innovationsfähigkeit und Effizienz des deutschen Forschungssystems hängen die Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und die Frage, welchen Beitrag Deutschland zu den globalen Herausforderungen leisten kann, ab.

Die Themen, über die wir hier sprechen, „kognitive Systeme“, „Digitalisierung“ und „Künstliche Intelligenz“ gehören zu diesen Herausforderungen. Künstliche Intelligenz entwickelt sich zu einem der wichtigsten Treiber für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Hier bieten sich große Chancen. Aber wir müssen uns gegen starke Mitbewerber, vor allem aus den USA und China behaupten.

Ich habe darüber bei meiner ersten Auslandsreise in meinem neuen Amt auch mit dem französischen Präsidenten Macron gesprochen.

Deutschland hat hier gute Basisarbeit geleistet. Mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, den Forschungsinstituten der Fraunhofer-Gesellschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft verfügen wir über eine leistungsfähige Wissenschafts- und Forschungslandschaft.

Das Bundesforschungsministerium baut außerdem vier neue Kompetenzzentren für Maschinelles Lernen in Deutschland auf.

Seit mehr als 30 Jahren investiert mein Haus in die Forschung zu Künstlicher Intelligenz. Aktuell fließen über 60 Millionen Euro pro Jahr in Projekte in diesem Bereich. Davon profitieren Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, aber auch Forschergruppen in Unternehmen und Startups.

Gerade die Unternehmen sind wichtig, denn die Erkenntnisse der Forschung müssen noch besser und schneller in der Industrie umgesetzt werden. Wir fördern deswegen Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und bauen die Forschungslandschaft stetig aus.

Dazu gehört auch die strategische Forschung der Fraunhofer-Gesellschaft zu den Themen Industrie 4.0 und Industrial Data Space.

Die Fraunhofer-Gesellschaft leistet einen wichtigen Brückenschlag von der Wissenschaft in die Wirtschaft. Sie trägt dazu bei, dass auch die Industrie durch Beteiligungen und Kooperationen eng mit der öffentlichen finanzierten Forschung und Entwicklung verbunden ist. Dafür danke ich Ihnen.

Die fruchtbare Zusammenarbeit von Staat, Wissenschaft und Wirtschaft ist ein wichtiger Schlüssel für unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Mein Ziel ist, die Voraussetzungen für eine offene Innovations- und Wagniskultur zu schaffen. Denn wir brauchen auch Innovationen, die das Potenzial haben, neue Märkte zu schaffen.

Das geht nur mit Mut zum Risiko. Ich möchte deshalb etwas einführen, das wir bisher nicht haben: Eine Innovationsagentur für Sprunginnovationen. Wie genau sie aussehen wird, erarbeitet mein Haus gerade.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit dem Wissenschaftspreis und dem Fraunhofer-Preis werden heute außergewöhnliche Forschungsleistungen ausgezeichnet. Mobilität, Sicherheit, personalisierte Medizin – all diese unmittelbar für die Menschen wichtigen Themen sind dank Ihrer Forschungen ein ganzes Stück weiter gekommen. Dazu gratuliere ich Ihnen ganz herzlich.

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit!