Karliczek: Wir brauchen eine pharmazeutische Innovationsagentur

Ministerin Karliczek möchte die Erforschung und Entwicklung von neuen Medikamenten und Impfstoffen beschleunigen. „Als Motor dafür stelle ich mir die Gründung einer pharmazeutischen Innovations-Agentur vor“, sagte sie der Funke-Mediengruppe.

"Das Thema Impfstoff- und Therapieentwicklung steht gerade jetzt in vielen Staaten in Europa ganz oben auf der Tagesordnung. Deutschland kann hier eine Vorreiterrolle einnehmen, von der ganz Europa profitieren kann“, sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. © BMBF/Laurence Chaperon

Der Schutz der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger ist eine zentrale Aufgabe des Staates. Die Corona-Pandemie und ihre unmittelbaren Auswirkungen auf unser Leben machen uns dies täglich bewusst. Deutschland hat den aktuellen Stresstest für das Gesundheitssystem bisher eindrucksvoll bestanden. Aber es hat sich auch gezeigt, dass es Handlungsbedarf gibt, um auf medizinische Herausforderungen künftig noch besser reagieren zu können.

Insbesondere in der pharmazeutischen Forschung und der Medikamentenentwicklung müsse Deutschland daher national und international neue Wege gehen, sagte Forschungsministerin Anja Karliczek am Dienstag (02. Juni 2020) der Funke-Mediengruppe. „Ich will die Erforschung und Entwicklung von neuen Medikamenten und Impfstoffen in Deutschland in den nächsten Jahren deutlich ausweiten und beschleunigen“, so die Ministerin. Als Motor dafür stelle sie sich die Gründung einer pharmazeutischen Innovations-Agentur vor. „Ich werbe dafür, dass im Koalitionsausschuss am Dienstag dazu der Grundstein gelegt wird. Wir können den Bürgerinnen und Bürgern zeigen, dass wir in der Gesundheitsforschung und damit auch in der Gesundheitsvorsorge die Lehren aus dieser Pandemie unverzüglich ziehen.

Der Staat steht in der Verantwortung, Produktion von Medikamenten zu sichern

In der Erforschung und Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen könne die Agentur einen weiteren Schritt zur Schließung der Innovationslücke machen. „Neue Arzneimittel und Impfstoffe werden grundsätzlich von Pharma- und Biotech-Unternehmen entwickelt. Viele Medikamente und Impfstoffe, die für die öffentliche Gesundheit und die nationale Sicherheit von großer Bedeutung sind, haben jedoch außerhalb von Krisenzeiten kein wirtschaftliches Potential“, sagte Karliczek. „Daher kann es nicht der Gesundheitswirtschaft überlassen werden, diese Vorsorge zu treffen.“

Diese Problematik sei im Zusammenhang mit der Entwicklung neuer Antibiotika bereits bekannt. Der Staat stehe daher in der Verantwortung, die Produktion von solchen Impfstoffen und Medikamenten durch langfristige Entwicklungsprogramme zu sichern. International habe Deutschland mit der Impfstoff-Allianz CEPI in einem Teilbereich ein gutes Beispiel, wie dies funktionieren kann.

Innovationsstandort Deutschland wird unabhängiger von Drittstaaten

„Die Agentur kann in Deutschland den Transfer der Erkenntnisse unserer hervorragenden medizinischen Forschung in Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen zu neuen zugelassenen Medikamenten und Impfstoffen fördern. Prototyp ist das große BMBF-Projekt zur nationalen Impfstoffentwicklung und -herstellung mit Blick auf COVID19, für das das Parlament letzte Woche grünes Licht gegeben hat. Darauf aufbauend kann die Agentur bereits in den nächsten vier Jahren diese Entwicklungen mit vier Milliarden Euro begleiten und fördern und dann zukünftig Entwicklungsprozesse in Fällen von Ausbrüchen unbekannter Erkrankungen frühzeitig anstoßen und koordinieren“, sagte die Forschungsministerin.

Der Aufbau einer solchen Agentur werde nicht nur der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger nutzen, betonte Karliczek. „Sie schafft langfristige und hochqualifizierte Arbeitsplätze in Deutschland, da sie den biomedizinische Entwicklungs- und Produktionsstandort Deutschland stärkt. Der Innovationsstandort Deutschland wird dadurch auch unabhängiger von Drittstaaten.

Dieser Weg ist einmalig in Europa. Und er hat eine europäische Perspektive. In einem nächsten Schritt sollte die Einrichtung einen europäischen Ansatz verfolgen. Das Thema Impfstoff- und Therapieentwicklung steht gerade jetzt in vielen Staaten in Europa ganz oben auf der Tagesordnung. Deutschland kann hier eine Vorreiterrolle einnehmen, von der ganz Europa profitieren kann.“