Karliczek: Wir starten strategische Initiative zum Quantencomputing

Bei Quantentechnologien müssen wir Weltspitze bleiben

Bundesministerin Anja Karliczek, Reimund Neugebauer (Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft) und Peter Leibinger (Chief Technology Officer TRUMPF) und Staatssekretär Wolf-Dieter Lukas (v.l.). © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Im Beisein des Präsidenten der Fraunhofer Gesellschaft, Prof. Dr.-Ing. Reimund Neugebauer und des Chief Technology Officers der TRUMPF GmbH + Co.KG, Dr.-Ing. E.h. Peter Leibinger, hat Bundesforschungsministerin Anja Karliczek am heutigen Freitag eine neue Initiative zum Quantencomputing vorgestellt. Dazu erklärt Anja Karliczek:

„Das Rennen um die Technologie für den Quantencomputer ist nicht gelaufen. Wir haben in Deutschland und Europa eine exzellente Forschungslandschaft und damit beste Voraussetzungen, um in eine technologieoffene Entwicklung einzusteigen und parallel die notwendige Informatik auf den Weg zu bringen.

Wir sind in den Quantentechnologien, vornehmlich in der Quantensensorik und in der Quantenkommunikation, in Deutschland insgesamt sehr gut aufgestellt. Diese Bereiche werden wir auch weiterhin besonders fördern. Auf dem Feld des Quantencomputing werden wir die Förderung ausbauen. Ich möchte, dass dafür in den nächsten Jahren 300 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung gestellt werden. Deutschland ist Innovationsland und muss es auch bleiben. Dazu müssen wir das Feld der Quantentechnologien intensiv bearbeiten. Daher freue ich mich, dass in den Forschungsorganisationen wie zum Beispiel der Fraunhofer Gesellschaft und in Hochschulen, aber auch in der Wirtschaft schon jetzt konzentriert auf diesem Zukunftsgebiet gearbeitet wird.“

Hintergrund:

Wenn Quantencomputer stabil und in der Routine arbeiten, werden Wirtschaft und Gesellschaft vor großen Veränderungen stehen. Quantencomputer versprechen die Grenzen der Recheneffizienz wesentlich zu erweitern und damit Probleme zu adressieren, mit denen heutige Systeme überfordert sind. Welche Route ist für einen Paketboten die schnellste, auch dann, wenn sich die Verkehrslage ständig ändert? Wie entwickeln sich Finanzmärkte? Welche Wechselwirkungen haben mehrere Erkrankungen, wenn ein einzelner Mensch unter ihnen leidet, und wie sind sie dennoch diagnostizier- und therapierbar? Diese Fragen werden zum Standard-Repertoire eines universellen Quantencomputers gehören. Auf den Punkt gebracht: Die Leistungsfähigkeit von Quantencomputern wird sich in hoch komplexen Optimierungen und dem schnellen Durchforsten umfangreicher Datenmengen zeigen.

Das Problem: Es gibt bislang erste Ansätze, aber noch kein reifes Produkt für einen Quantencomputer, und der Weg dorthin ist nach wie vor weit. Prognosen sprechen über Entwicklungszeiten von mehr als zehn Jahren. Auch wenn US-amerikanische Firmen wie IBM und Google mit ersten Geräten an die Öffentlichkeit gegangen sind, so gibt es viel Raum, in dem Deutschland und Europa ihren eigenen Weg gehen können. Dazu stellte Forschungsministerin Karliczek heute in Berlin die Strategische Initiative des BMBF zum Quantencomputing vor.

Ziel der Initiative ist neben der technologischen Entwicklung, die Sicherung des entstehenden Know-hows durch die Gründung von Unternehmen zu motivieren. Zudem ist die Zusammenarbeit mit künftigen Nutzern ein zentrales Anliegen, um Anwendungen vorzubereiten und zeitgerecht Märkte zu adressieren.

Ein erster Aufruf zu Projektvorschlägen im Bereich der Quanten-Informatik ist bereits veröffentlicht. Skizzen können bis zum 29.02.2020 eingereicht werden. Ein Aufruf zur Entwicklung von Technologien für Hardware wird in Kürze erscheinen. Das BMBF beabsichtigt, für diese Initiative 300 Millionen Euro bereitzustellen.