Karliczek zu Besuch in der Zukunft

Schulen sollen fit gemacht werden für den digitalen Unterricht. Wie das am Ende aussehen kann, erlebte Bundesbildungsministerin Karliczek beim Besuch einer Schule in Möckern. „Das ist ein Leuchtturmprojekt“, schwärmt sie.

Bundesministerin Anja Karliczek besucht in Möckern (Sachsen-Anhalt) eine Grundschule - und testete das Smartboard. © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Möckern ist eine Kleinstadt mit 13.000 Einwohnern in Sachsen-Anhalt. Vier Grundschulen gibt es, die kleinste hat gerade etwas über 60 Schüler. Nicht unbedingt der Ort, an dem man die digitale Zukunft verorten würde. Aber hier müssen viele Schülerinnen und Schüler keine Bücher mehr schleppen, die Inhalte stehen auch auf ihren Tablets. In den Klassenräumen warten moderne Smartboards, die mit dem Internet verbunden sind und die digitale Zusammenarbeit ebenso ermöglichen wie schnelle und einprägsame Visualisierungen des Lernstoffs. Den immer etwas ekligen Tafelschwamm hat hier schon lange niemand mehr gesehen. „Kreidefrei“ heißt das im Lehrer-Jargon.

Überhaupt: Die Lehrer. Auch ihnen helfen die digitalen Klassenräume. Schnell eine Umfrage per App erstellen, kein Problem mit der neuen, technischen Ausstattung. Die Schüler und Schülerinnen stimmen nicht mehr per Hand oder mit einem kleinen Zettel ab, der gezählt werden muss: Eine Tafel mit QR-Code, von jedem Schüler hoch gehalten, bestimmt den nächsten Schulausflug. Praktisch auch für Tests: Über richtige und falsche Antworten kann in einem Forum diskutiert werden, und die automatisierte Auswertung zeigt schnell auf, wie viele SchülerInnen den neuen Stoff schon verstanden haben. Das alles nur mit einem Handy und einer Tafel mit schwarz-weißen Zeichen drauf. Schöne neue Welt.

So schön, modern und digital, dass in wenigen Jahren nicht mehr nur Modellprojekte, sondern möglichst alle Schulen damit arbeiten werden. Der DigitalPakt, den Bundesbildungsministerin Anja Karliczek voran gebracht hat, soll den entscheidenden Impuls geben. Fünf Milliarden Euro stellt der Bund zur Verfügung, damit vor Ort eine zeitgemäße Infrastruktur aufgebaut werden kann. Derzeit hängt das Vorhaben wegen der notwendigen Grundgesetzänderung im Vermittlungsausschuss zwischen Bundesrat und Bundestag. Die Ministerin nimmt das zum Anlass, noch einmal kräftig für ihren Plan zu werben.

Die Kinder nehmen die Ministerin mit

Werbung, die bei Darla und Moritz aus der vierten Klasse unnötig ist. Sie arbeiten schon begeistert mit dem neuen Konzept und haben die Ministerin damit empfangen. Ihre Willkommensgrüße haben sie - natürlich - auf dem Tablet formuliert. Trotzdem sprechen sie frei, so wie früher. Genau das meint die Ministerin, wenn sie etwas später sagt: „Wichtig ist, dass wir einen pädagogischen Mehrwert haben. Die Technik ist nur das Mittel zum Zweck“.

Bundesministerin Anja Karliczek lässt sich von Schüler Moritz die neue Technik erklären. © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Dann nehmen die Kinder die Ministerin mit auf eine kleine Reise durch die digitale Schulwelt. Erste Station: natürlich ein Smartboard, eine Art digitale Tafel und damit das Herz des Raumes. Kann man da wirklich einfach so drauf schreiben? Wie früher an der Kreidetafel? Karliczek probiert, und natürlich funktioniert es. Nur eben mit einem speziellen Stift anstatt mit Kreide. „Guten Morgen, Marco!“, schreibt sie, und meint damit den Bildungsminister von Sachsen-Anhalt, Marco Tullner, der sich die Schule ebenfalls anschaut.
 

Karliczek betont auch in Möckern immer wieder, was in diesen Tagen ihre Hauptbotschaft ist: Niemandem wird durch den DigitalPakt etwas weggenommen, auch keine inhaltlichen Kompetenzen. „Es ist klar verabredet, dass wir nur die Infrastruktur stellen. Die inhaltliche Verantwortung und die konzeptionelle Arbeit bleiben in den Bundesländern und Schulen. Niemand will Einfluss auf die Umsetzung nehmen“, sagt die Ministerin. Zu den Schülern sagt sie: „Wir machen das, damit ihr gut lernen und alle Möglichkeiten nutzen könnt, die es heute gibt“.

In Möckern sind die Skeptiker, sofern es überhaupt welche gibt, ohnehin in der Minderheit. Die Schulleiter Ralf Laaß und Ulf Hentrich haben es gemeinsam geschafft, ihre Kollegien mitzureißen. Zuerst ging es nur um das Schreiben an den neuen Boards. Später kam die Neugier auf die vielen Möglichkeiten hinzu – und schon waren alle begeistert.

Noch 2019 könnte das Geld fließen

Angesichts der Vielfalt, die es vor Ort zu sehen gibt, ist das auch kein Wunder. In einem anderen Raum lernen die Schüler gerade Deutsch - zum Einsatz kommt dabei die Dokumentenkamera, ein Art digitaler Overhead-Projektor, die gedruckte Dokumente aufnimmt und archiviert. Auch spontane Änderungen können abgespeichert und jederzeit wieder geladen werden.

Bundesministerin Anja Karliczek und Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner sind sich einig: Der Digitalpakt muss kommen. © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Zwei Stunden nimmt sich Karliczek Zeit, stellt Fragen, hört zu und erklärt wieder und wieder ihre Politik. Sie sei sich mit den Ministerpräsidenten der Länder einig sei, dass der DigitalPakt kommen müsse. Dass jetzt alles so schnell wie möglich gehen soll, aber eben auch verfassungsfest gestaltet sein muss. „Wichtig ist, dass das Geld aus dem Pakt zu 100 Prozent bei den Schulen ankommt“, sagt sie.

Bei einer schnellen Lösung im Vermittlungsausschuss könnten die Fördergelder noch 2019 fließen. Wenn jetzt alle zusammenarbeiten und das Ringen um den Pakt als eine Art nationale Kraftanstrengung begreifen, könnte die Zukunft bald schon an allen Schulen stattfinden.