Karrierewege made by JARA – Chancen in Hirnfor-schung und Information

Ansprache des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, MdB, in Berlin

Ansprache von Thomas Rachel anlässlich des fünften JARA FORUMS Zukunftsperspektiven „Karrierewege made by JARA – Chancen in Hirnforschung und Information“
Ansprache des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel, MdB, anlässlich des fünften JARA FORUMS Zukunftsperspektiven „Karrierewege made by JARA – Chancen in Hirnforschung und Information“ am Dienstag, den 18. Oktober 2016 in Berlin © PHIL_DERA

Es gilt das gesprochene Wort!

Begrüßung

Sehr geehrte Damen und Herren,

über die Einladung zum heutigen Fest hier in Berlinhabe ich mich sehr gefreut. Die JARA-Foren sind mir gut bekannt.

Einleitung

RWTH und FZJ - diese Zusammenarbeit beruht auf einer langen und bewährten Tradition. Bei der Gründung der ersten JARA Institute im April dieses Jahres habe ich die Verbindung bei JARA mit einer Ehe zweier vertrauter Partner verglichen.

Ich durfte auch schon bei einigen JARA-FOREN dabei sein. Aber dieses JARA-Forum stellt etwas Besonderes dar. Denn Sie widmen diesen Abend nicht ausschließlich einem Fachthema. Sie setzen mit der heutigen Veranstaltung einen Schwerpunkt auf einem Gebiet, welches mir sehr am Herzen liegt - der wissenschaftlichen Karriere.

Wissenschaftssystem

Um exzellente wissenschaftliche Leistungen erbringen zu können, braucht es guter Rahmenbedingungen für die Wissenschaft. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung leistet dazu mit vielfältigen Maßnahmen einen wichtigen Beitrag, um Wissenschaft, Forschung und Innovation in Deutschland zu stärken. Die notwendige Planungssicherheit haben wir dafür mit ständig steigenden Finanzmitteln gegeben (seit 2005 verdreifacht). Diese positive Entwicklung wollen wir in den kommenden Jahren weiter verstärken. In diesem Jahr haben wir einen neuen, entscheidenden Schritt dafür getan. Zusammen mit den Ländern haben wir drei große neue Programme verabschiedet:

Das ist erstens die Exzellenzstrategie in Nachfolge der Exzellenzinitiative. Die Exzellenzstrategie ist auf unbestimmte Zeit geschlossen worden und im Jahr 2017 mit 80 Mio. Euro sowie ab 2018 mit jährlich insgesamt 533 Mio. Euro dotiert. Die Mittel sollen vom Bund und den jeweiligen Sitzländern wieder im Verhältnis 75:25 getragen werden. Mit dem Instrument der Exzellenzcluster sollen international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten bzw. Universitätsverbünden projektbezogen zweimal sieben Jahre gefördert werden. Hierfür stehen insg. 385 Mio. € pro Jahr zur Verfügung. Die Förderlinie der Exzellenzuniversitäten dient der Stärkung der Universitäten als Institution bzw. einem Verbund von Universitäten und dem Ausbau ihrer internationalen Spitzenstellung in der Forschung. Universitäten, die mind. zwei Exzellenzcluster haben (bei Verbünden mind. 3 Cluster), können sich im Rahmen eines schlanken, wissenschaftsgeleiteten Auswahlverfahrens um die dauerhafte Förderung als Exzellenzuniversität bewerben. Für die Exzellenzuniversitäten sind jährlich rund 148 Millionen Euro eingeplant.

Zweitens wollen wir den forschungsbasierten Ideen-, Wissens- und Technologietransfer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft – die „dritte Mission“ der Hochschulen – stärken. Dafür haben wir in diesem Sommer die Initiative „Innovative Hochschule“ gestartet. Wir adressieren dabei insbesondere Fachhochschulen sowie kleine und mittlere Universitäten. Die Förderinitiative leistet damit einen Beitrag zur Förderung technologischer wie auch gesellschaftlicher Innovationen zum Nutzen von Wirtschaft und Gesellschaft. Zugleich unterstützen wir die Verankerung der Hochschulen in ihrer Region und stärken ihre strategische Rolle als Innovationsmotor. Für die „Innovative Hochschule“ stellen Bund und Länder insgesamt 550 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren bereit, wovon der Bund 90% und die Sitzländer der Hochschulen jeweils 10% tragen. So fügen wir Hochschul- und Innovationspolitik schlüssig zusammen.

Drittens haben wir mit den Ländern das Tenure-Track-Programm vereinbart, mit der Karriereweg zur Professur in Deutschland attraktiver werden soll. Auf dieses Programm werde ich gleich noch ausführlicher zu sprechen kommen. Da im Zentrum der heutigen Veranstaltung das Thema Karrierewege steht, möchte ich zunächst auf die Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland eingehen.

Wissenschaftlicher Nachwuchs

Der wissenschaftliche Nachwuchs in Deutschland ist sehr gut qualifiziert. Die Bundesregierung hat in den letzten Jahren – vielfach gemeinsam mit den Ländern – durch ihre Programme die Rahmenbedingungen für die Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses verbessert. So hat beispielsweise die Exzellenzinitiative mit ihren Graduiertenschulen dazu beigetragen, die Promotionsphase positiv zu beeinflussen und zu verbessern. An zahlreichen Universitäten sind in der Folge übergreifende Strukturen für die Betreuung der Promovierenden entstanden. Das ist ein Beitrag zur Qualitätssteigerung des Promotionsgeschehens in der Breite.

Innerhalb des Wissenschaftssystems sind die Karrierewege jedoch nach wie vor zu wenig planbar und transparent. Dies beeinträchtigt die internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems nachhaltig und erschwert die Lebensplanungen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erheblich. Mit der gewachsenen Zahl an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern ist bei den Professuren kein vergleichbarer Aufwuchs einhergegangen. Die Berufung auf eine Professur erfolgt zudem häufig spät in der Berufsbiografie, so dass viele talentierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entweder in der Zeit der Unsicherheit gute Berufschancen außerhalb der Wissenschaft verpassen oder der Wissenschaft den Rücken kehren. Im Anschluss an die zu Recht in der Regel befristeten Qualifikationsstellen werden des Weiteren wenig reguläre Positionen für forschende und lehrende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterhalb der Professur angeboten. Auch im wissenschaftsunterstützenden Bereich fehlen diese Stellen, obwohl es sich oftmals um Daueraufgaben handelt, die durch unbefristete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erheblich ressourcenschonender und effektiver erledigt werden könnten.

Um attraktive, international wettbewerbsfähige Arbeits- und Karrierebedingungen in der Wissenschaft zu schaffen, verfolgt die Bundesregierung daher zwei zentrale Maßnahmen:

Erstens haben wir die Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes auf den Weg gebracht, welche im März 2016 in Kraft getreten ist. Dadurch haben wir einen ausgewogenen rechtlichen Rahmen für den wissenschaftlichen Nachwuchs geschaffen, der Fehlentwicklungen in der Befristungspraxis entgegentritt.

Zweitens haben wir mit den Ländern gerade ein großes Programm vereinbart, mit dem die Tenure-Track-Professur an den Universitäten in Deutschland als zusätzlicher Karriereweg erstmals strukturell verankert werden soll. Dieses Tenure-Track-Programm hatte ich bereits als eines der drei großen, in diesem Jahr beschlossenen Programme genannt. Die Tenure-Track-Professur sieht nach erfolgreicher Bewährungsphase den unmittelbaren Übergang in eine Lebenszeitprofessur vor. Für viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wird so der Weg zur Professur erheblich transparenter und planbarer. Wir gehen davon aus, dass zukünftig auch Entscheidungen über einen dauerhaften Verbleib in der Wissenschaft viel früher fallen.

Ein Wissenschaftssystem mit solchen Bedingungen schafft zentrale Voraussetzungen für Innovation in Wirtschaft und Gesellschaft. Ein Programm, das die Karrierewege optimiert, ist also auch ein strukturelles Reformprojekt für den Innovationsstandort Deutschland.

Der Bund wird ab dem kommenden Jahr für das Tenure-Track-Programm eine Milliarde Euro bereitstellen, mit der 1.000 zusätzliche Tenure-Track-Professuren finanziert werden.

Die Universitäten stehen mit diesem Programm vor einem Kulturwandel: Tenure-Track wird die gesamte Personalstruktur der Universität verändern – nicht nur auf Professoren-Ebene sondern auch auf Ebene des wissenschaftlichen Mittelbaus. Das Programm sieht deshalb auch Mittel vor, um diesen Reformprozess in der gesamten Universität angemessen gestalten zu können.

Durch dieses Maßnahmenbündel setzen wir entscheidende Impulse für attraktive und international wettbewerbsfähige Arbeits- und Karrierebedingungen für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Somit tragen wir dazu bei, dass unser Wissenschaftssystem auch zukünftig wettbewerbsfähig sein wird und optimale Forschungsbedingungen bietet.

Aber Forschung ist kein Selbstzweck. Sie muss zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen. Blicken wir in die Zukunft, dann sehen wir eine Gesellschaft des langen Lebens. Doch um bis ins hohe Alter auch selbstbestimmt leben zu können, müssen wir gesund bleiben. Was also können Forschung und Wissenschaft heute dafür tun?

Hirnforschung

Mit dem Lebensalter steigt das Risiko, an Demenz zu erkranken. In Deutschland leben heute bereits 1,4 Millionen Betroffene. Durch den demografischen Wandel wird sich ihre Zahl weiter erhöhen. Aber auch viele junge Menschen leiden an Fehlfunktionen des Gehirns. Hirnerkrankungen wie Epilepsie oder Schizophrenie verursachen nicht nur großes persönliches Leid, sondern belasten auch unsere Gesellschaft. Die Erforschung des Gehirns und seiner Erkrankungen hat für das Bundesforschungsministerium daher hohe Priorität. Wir fördern jährlich auf diesem Gebiet Forschungsprojekte mit etwa 75 Millionen Euro und unterstützen zudem gemeinsam mit den Ländern exzellente Forschungseinrichtungen mit Mitteln in Höhe von 180 Millionen Euro.

Beispiel JARA-BRAIN

Im letzten Jahr hatte ich die große Freude, beim Start des Forschungsverbundes „APIC“ dabei zu sein. Der Verbund, in dem JARA-BRAIN federführend wirkt, setzt modernste bildgebende Verfahren ein, um zu ergründen, wie Medikamente gegen Schizophrenie auf das Gehirn wirken. Diese Arbeiten demonstrieren, wie der innovative Einsatz modernster Technik dazu beitragen kann, unser Verständnis des Gehirns zu vertiefen. Die Ergebnisse sollen helfen, Diagnosen künftig früher zu stellen und Hirnerkrankungen besser zu behandeln. Solche Spitzenforschung braucht die Bündelung exzellenter Infrastrukturen und Forschungskompetenzen – JARA-BRAIN realisiert dies vorbildlich.

Bedeutung des wissenschaftlichen Nachwuchses für zukünftige Innovationen

Das Thema des heutigen Abends ist: „Karrierewege made by JARA – Chancen in Hirnforschung und Information“ Diesen Gedanken „lebt“ JARA-BRAIN vor. Hervorzuheben ist beispielsweise das Internationale Graduiertenkolleg zur Erforschung von Schizophrenie und Autismus. Es sichert engagierten Promovierenden eine Ausbildung auf internationalem Spitzenniveau. Auf diese jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen wir große Hoffnungen. Ich bin davon überzeugt, dass sie diese erfüllen und die psychiatrische, psychotherapeutische und neurologische Diagnostik und Therapie in naher Zukunft spürbar verbessern.

Verbesserter Transferin die Klinik, „Clinician Scientist“

Um den Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu begegnen, ist der Weg von Innovationen aus der Grundlagenforschung in die Patientenversorgung zu beschleunigen. Mit der konsequenten Förderung des „Clinician Scientist“ und dem Konzept der Juniorprofessuren kultiviert JARA-BRAIN eine enge Verzahnung von Forschung und Klinik. Diese soll neuen Forschungsergebnissen den Weg in die Anwendung zu bahnen.

Mit dem hohen Potenzial von JARA-BRAIN verbindet sich auch eine große Verantwortung. Denn es gilt, die exzellenten Möglichkeiten zu nutzen, damit die Menschen künftig schneller von den Erfolgen der Gesundheitsforschung profitieren.

Lieber Herr Prof. Marquardt, lieber Herr Prof. Schmachtenberg, geben Sie der wissenschaftlichen Karriere weiterhin einen festen Bestandteil in der Strategie von JARA. Denn nur wer optimale Forschungsbedingungen säht, kann wissenschaftliche Exzellenz ernten. Wir tragen gerne unseren Teil dazu bei.