KAUSA – Migranten bilden aus

Selbstständige mit Migrationshintergrund für die Berufsausbildung gewinnen, die Ausbildungsbeteiligung von jungen Migranten und Geflüchteten erhöhen sowie Eltern über die berufliche Ausbildung informieren: Das sind die Ziele von KAUSA.

Teil einer vielfältigen deutschen Wirtschaft: Ein türkischer Händler in seinem Laden im Münchner Bahnhofsviertel. © dpa/picture-alliance

In Deutschland gibt es rund 768.000 Selbstständige mit Migrationshintergrund (Mikrozensus 2017), die weit über zwei Millionen Menschen beschäftigen. Ihre Ausbildungsbeteiligung liegt allerdings aktuell unter dem bundesweiten Durchschnitt von 19,8 Prozent aller Unternehmen mit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Quelle: Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2018).

Dabei tragen Selbstständige mit Migrationshintergrund  nicht nur zum Bruttoinlandsprodukt bei, sondern auch zur Vielfalt des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Jenseits der klassischen Branchen wie Einzelhandel und Gastronomie sind selbstständige Migrantinnen und Migranten in über 90 verschiedenen Wirtschaftszweigen tätig, darunter viele mit hohem Wachstums- und Innovationspotenzial.

In vielen Betrieben wäre eine duale Ausbildung möglich, doch scheitert dies noch zu oft an mangelnden Informationen, bürokratischen Hürden, aber auch an fehlenden Erfahrungen mit dem dualen System der Berufsbildung.

KAUSA fördert Ausbildung in Unternehmen mit Inhaberinnen und Inhabern mit Migrationshintergrund und organisiert ein Netzwerk der beteiligten Institutionen. Darüber hinaus unterstützt KAUSA die Ausbildungsbeteiligung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Zielsetzung der Koordinierungsstelle ist, mit bundesweiten Partnern (Aus-)Bildung und Integration zu stärken sowie mehr Jugendliche mit Migrationshintergrund und ihre Eltern für die duale Ausbildung zu gewinnen. Zudem soll bei Unternehmen die Bereitschaft zur Integration der Jugendlichen gesteigert werden.

Seit 2013 unterstützt KAUSA im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die Einrichtung von regionalen KAUSA-Servicestellen. Sie bauen vor Ort zusammen mit regionalen Akteuren nachhaltige Unterstützungsstrukturen für Selbstständige und Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie deren Eltern auf.

Anlaufstellen in den Regionen – die KAUSA-Servicestellen

„Ausbildung – jetzt“ ist das Motto der KAUSA-Servicestellen. Die regionalen Beratungs-, Informations- und Koordinierungsstellen sind erste Anlaufstellen, um Selbstständige, Jugendliche und Eltern mit Migrationshintergrund Fragen zur dualen Ausbildung zu beantworten und sie an Partner vor Ort zu vermitteln.

Neben der Beratung ist es ihr Ziel, die vorhandenen Netzwerke zu erweitern und gemeinsam mit Institutionen der Berufsbildung, Schulen sowie Migrantenorganisationen und Unternehmen dauerhafte Strukturen zur Unterstützung beim Einstieg in die berufliche Bildung aufzubauen sowie vorhandene enger zu verknüpfen. Derzeit gibt es bundesweit über  20 KAUSA-Servicestellen, darunter drei landesweite KAUSA-Servicestellen in Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Thüringen.

Verschiedene Angebote für Zielgruppen

Mit „Unternehmen bilden aus!“ –bietet die Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration für Unternehmen ein Online-Dossier, das folgende Fragen aufgreift: Was muss ich tun, um ausbilden zu können? In welchem Beruf kann ich ausbilden? Was ist eine AEVO? Was steht im Ausbildungsnachweis?

Zudem gibt es Informationen und Tipps aus der Praxis. In einem Fachglossar werden gängige Begriffe zum Themenkomplex der dualen Ausbildung in verschiedenen Sprachen erklärt.
Um Eltern mit Migrationshintergrund über ihre Herkunftssprache anzusprechen und zu erreichen, gibt KAUSA den „Elternratgeber: Ausbildung in Deutschland“ heraus. In verschiedenen Sprachen können sich Eltern in der Broschüre über Chancen und Möglichkeiten einer dualen Ausbildung in Deutschland informieren. Sie erfahren, wie sie ihr Kind bei der Berufswahl unterstützen können und wo sie als Eltern selbst Rat und Hilfe finden. Viele Bildungsträger, Jobcenter und auch Schulen bieten den Elternratgeber von KAUSA bereits vor Ort an.

Die Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration wurde 1999 gegründet. 2006 wurde KAUSA Teil des Ausbildungsstrukturprogramms JOBSTARTER plus, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Europäischen Sozialfonds der Europäischen Union gefördert wird. Im Dezember 2018 wurde die Koordinierungsstelle in die Initiative Bildungsketten integriert.