Keine Chance den Fake News

Wissenschaft gegen Fake News: "Ausstellungen sollten mehr noch als bisher in die Breite kommunizieren", schreibt Bundesforschungsministerin Karliczek in einem Gastbeitrag im "Tagesspiegel" anlässlich des "Global Summit of Research Museums" in Berlin.

„Das ist reif für’s Museum“ sagen wir gemeinhin, wenn etwas veraltet, unmodern und im heutigen Alltag nicht mehr zu gebrauchen ist. Doch die Umgangssprache führt uns hier in die Irre. Denn Museen sammeln nicht das, was keiner mehr braucht, sondern im Gegenteil das, was wir uns und künftigen Generationen bewahren, was wir für alle zugänglich machen wollen. Die musealen Sammlungen sind nicht nur von unschätzbarem Wert, weil sie etwas von der Geschichte und Kunstfertigkeit verschiedener Kulturen oder der Flora und Fauna früherer Zeiten erzählen. Sie können uns auch helfen, Antworten auf Fragen der Gegenwart zu geben.

Diese Antworten kommen nicht von selbst, es braucht den Sachverstand der Wissenschaft. So wird beispielsweise vieles, was wir über die Wechselwirkungen von Biodiversität und Klimawandel wissen, anhand naturkundlicher Sammlungen erforscht. Hierfür ist die Zusammenarbeit verschiedener Wissenschaftsdisziplinen und Institutionen notwendig. Die Leibniz-Gemeinschaft, in der fast einhundert Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland vereint sind, u.a. das Berliner Museum für Naturkunde, die Museen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt, Dresden und Görlitz und das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn ermöglicht eine solche Bündelung von Forschungsexpertisen.

Die gebündelte wissenschaftliche Expertise muss in den gesellschaftlichen Diskurs eingebracht werden, damit Fake News keine Chance haben. Ausstellungen oder Veranstaltungen sollten deshalb mehr noch als bisher in die Breite kommunizieren. Dafür gilt es, die Möglichkeiten der Digitalisierung für die Forschungs- und Museumsarbeit weiter zu entfalten. Es ist mir deshalb ein großes Anliegen, die Digitalisierung der Sammlungsbestände zügig voranzutreiben, dadurch eröffnen sich weltweit neue Zugänge für die Forschung und den digitalen Besuch der Sammlungen. In einer digitalen Welt bieten aber gerade auch die Museen als Bewahrer analoger Originale ungeheure Chancen: Man denke nur an die Aura eines originalen Dürer-Bildnisses im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg oder die Wucht eines Starkstromexperiments, wie man es im Deutschen Museum in München erleben kann.

Museen führen verschiedene Generationen und Kulturen zusammen, mit ihren wissenschaftlichen Expertisen bereichern sie gesellschaftliche Debatten. Vor allem aber sind sie Orte des informellen Lernens. Sie eröffnen  uns Welten, die wir nicht nur entdecken und erfahren können, sondern die wir auch hinterfragen und mitgestalten dürfen. So verstanden sind wir alle „reif für’s Museum“.

Der Meinungsbeitrag erschien am 05.11.2018 im Tagesspiegel.