Klimawandel als gesellschaftliche Herausforderung

Der 5. IPCC-Sachstandsbericht zeigt, dass der Klimawandel und seine Ursachen grundsätzlich verstanden, jedoch längst nicht alle Fragen beantwortet sind. Vertiefte Forschung und die detaillierte Auswertung von Klimadaten bleiben notwendig.

„Die Arktis ist eine Schlüsselregion für die Forschung, die durch den Klimawandel und geopolitische Interessen immer weiter in den Mittelpunkt rückt“, so Bundesministerin Wanka anlässlich einer Arktisreise. © Jens Büttner/dpa

Die Ergebnisse des Weltklimarats (IPCC) sind eindeutig: Der gegenwärtige Klimawandel ist Fakt und beruht vorwiegend auf menschlichen Einflüssen. Die untere Atmosphäre heizt sich auf, die Ozeane werden wärmer, Gletscher und Permafrostböden tauen, Eisschilde schmelzen und der Meeresspiegel steigt. Das zeigen umfassende Beobachtungen in der Klimaforschung. Vor allem die Verbrennung von Kohle, Gas und Öl bringt die Energiebilanz der Erde durcheinander. Fossile Brennstoffe und großflächige Entwaldung sind die Hauptursachen dafür, dass heute die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre so hoch ist, wie noch nie in den vergangenen 800.000 Jahren.

Je mehr die Erwärmung steigt, desto gravierender sind die Folgen für unser Klima. Auch wenn die Emissionen nur moderat wachsen, steigen die Risiken überproportional. Die Folgen des Klimawandels müssen beherrschbar bleiben. Vor diesem Hintergrund hat die Staatengemeinschaft in der Klimarahmenkonvention festgelegt, alle Maßnahmen zu ergreifen, um zu erreichen, dass die Erwärmung eine Obergrenze von maximal zwei Grad gegenüber vorindustriellem Niveau nicht überschreitet. Sollte diese Grenze dennoch überschritten werden, würden die Möglichkeiten der Anpassung von Mensch und Natur insbesondere in ärmeren Weltregionen rapide schwinden. Damit wären unumkehrbare Klimaänderungen eingeleitet. Davor warnen die Klimaforscher.

Auch nachdem die Ergebnisse des Fünften IPCC-Berichts vorliegen, sind in der Klimaforschung noch nicht alle Fragen vollständig geklärt. Aber die Hauptursachen des Klimawandels sind erkannt worden. Auf dieser Grundlage müssen über Ländergrenzen und Forschungsdisziplinen hinweg gemeinsam Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstrategien entwickelt und umgesetzt werden.

  • Wir müssen eine Brücke zwischen kurzfristigen Wettervorhersagen und der langfristigen Klimaänderung schlagen. Um für einzelne Regionen mittelfristige Klimaprognosen erstellen zu können, werden vom Bundesforschungsministerium Vorhaben unterstützt, die sich um eine adäquate Klimamodellierung von kurzzeitigen Veränderungen im Klimasystem bemühen.
  • Da der Klimawandel selbst mit sehr ambitionierten Klimaschutzprogrammen nicht mehr vollständig aufzuhalten ist, brauchen wir noch mehr Wissen über wirksame Anpassungsmaßnahmen. Entsprechende Programme des BMBF erschließen Wege und Strategien, mit denen sich unterschiedliche Regionen, Städte und Kommunen am besten auf den Klimawandel einstellen können.
  • Die Anpassung an den Klimawandel ist insbesondere für Schwellen- und Entwicklungsländer entscheidend, weil sie von den Folgen, wie Hitze, Stürme oder Erdbeben, häufig besonders betroffen sind. In vielen Entwicklungsländern sind zudem eigene Forschungskapazitäten immer noch sehr begrenzt. In gemeinsamen Kooperationsprojekten gilt es daher, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor Ort dabei zu unterstützen, eigenständige Kompetenzen und Kapazitäten zur Beobachtung, Bewertung und nachhaltigen Entwicklung von Lösungen zu entwickeln.
  • Ein ungebremster Klimawandel würde große volkswirtschaftliche Kosten verursachen. Investitionen, die heute für die Vermeidung der globalen Erwärmung getätigt werden, führen daher auf lange Sicht zu Kosteneinsparungen, die sich auch volkswirtschaftlich auszahlen. Um die Voraussetzungen für eine Klimapolitik zu untersuchen, die der Zwei-Grad-Grenze verpflichtet ist, sind daher belastbare und praktikable Ansätze zur Abschätzung der Kosten, Risiken und Chancen von Klimaschutz und Anpassung gefragt.