Klimawandel erhöht Druck auf Landwirtschaft

Der Weltklimarat IPCC hat in Genf den Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL) vorgestellt. "Die Wissenschaft mahnt uns, die Ergebnisse von vielen Jahrzehnten Forschung ernst zu nehmen", sagte Staatssekretär Georg Schütte.

Klimawandel und Landsysteme sind eng miteinander verflochten – zum Beispiel in der Landwirtschaft und der Ernährungssicherung.

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Klimawandel und Landsysteme sind eng miteinander verflochten: Einerseits liegen in Land-und Forstwirtschaft Ursachen des Klimawandels, andererseits verstärkt der Klimawandel auch den Druck auf die ohnehin schon belasteten Landökosysteme und -ressourcen. Dies bedeutet hohe Risiken für Ernährungssicherheit, Wasserversorgung und Biodiversität, also die Existenzgrundlagen und das Wohlergehen von Menschen. Damit beispielsweise Politikerinnen und Politiker diese Risiken besser einordnen und die Weichen für den Klimaschutz stellen können, fasst der Weltklimarat (IPCC) den wissenschaftlichen Kenntnisstand über Klimawandel, Landdegradierung, nachhaltiges Landmanagement, Ernährungssicherheit und Treibhausgaskreisläufe in terrestrischen Ökosystemen in einem Sonderbericht zusammen. Diesen Bericht hat der IPCC jetzt in Genf vorgestellt.

Folgen des Klimawandels sind bereits heute nachweisbar

Der Klimawandel zeigt sich unter anderem durch die globale Erwärmung sowie eine Häufung und Verstärkung einiger Extremereignisse wie Hitzewellen oder Starkregenereignisse. Folgen sind bereits heute nachweisbar, zum Beispiel für terrestrische Ökosysteme, Ernährungssicherheit, die Stabilität von Permafrost und die Verödung von Landsystemen. Mit zunehmender Erwärmung sind noch stärkere Folgen zu erwarten. Es gibt vergleichsweise kostengünstige und wirksame Maßnahmen, die Klimawandel und Landdegradierung gleichzeitig entgegenwirken. Dazu gehören nachhaltiges Land- und Forstmanagement oder die Verringerung von Nahrungsmittelverschwendung und weniger ressourcenintensive Ernährungsweisen.

Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, sagte zur Vorstellung des Berichts: "Deutschland hat dank der Unterstützung durch die Bundesregierung eine starke wissenschaftliche Stimme im Weltklimarat. Die Wissenschaft mahnt uns, die Ergebnisse von vielen Jahrzehnten Forschung ernst zu nehmen. Die Folgen der Dürre im vergangenen und in diesem Jahr zeigen uns auch in unseren Breiten, dass wir moderne Technologien nutzen müssen, um nachhaltig mit den natürlichen Ressourcen an Land umzugehen. Aber das, was wir heute können, wird nicht reichen. Langfristig brauchen wir weitere Anstrengungen der Wissenschaft, um beispielsweise dürreresistente Pflanzen zu züchten oder Nahrungsmittel-Ketten zu entwickeln, die zu geringeren Verlusten nach der Ernte führen. Das geht oftmals nur in internationaler Zusammenarbeit, wie unsere BMBF-Kompetenzzentren zu Klimawandel und Landnutzung im westlichen und südlichen Afrika zeigen."

Was tut das BMBF?

Zahlreiche Forschungsprojekte des BMBF nehmen diese Zusammenhänge in den Blick und liefern damit Wissensgrundlagen für Entscheidungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens. So wird beispielsweise der Aufbau eines europäischen Systems zur umfassenden Messung von Treibhausgasen („ICOS“) gefördert und der Aufbau von Kompetenzzentren für Klimawandel und angepasstes Landmanagement in den am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen im südlichen und westlichen Afrika („WASCAL“ und „SASSCAL“) unterstützt. Im Förderprogramm „BioTip“ werden Kipppunkte und damit die Grenzen der Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen interdisziplinär erforscht und Strategien entwickelt um den Verlust biologischer Vielfalt aufzuhalten.

Informationen über den IPCC

Für den neuen Sonderbericht haben gut 100 Expertinnen und Experten im Kernteam die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über Klimawandel und Landsysteme zusammengetragen, darunter acht aus Deutschland. Die Autorinnen und Autoren aus mehr als 50 Nationen kommen aus verschiedenen Disziplinen von den Naturwissenschaften bis hin zu den Sozialwissenschaften.

Seit Herbst 2017 haben sie an dem Bericht gearbeitet und die weltweit verfügbare Literatur aus wissenschaftlicher Sicht bewertet. Die Ausgewogenheit, Verlässlichkeit und Vollständigkeit seiner Aussagen wird durch detaillierte Verfahrensregeln mit einem mehrstufigen Begutachtungsverfahren und weltweite Expertenbeteiligung gewährleistet.