Klung-Wilhelmy-Wissenschaftspreis 2017 für Physik

Grußwort des Staatssekretärs im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Georg Schütte, anlässlich der Verleihung an Herrn Claus Röpers in Berlin

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Professor Alt,
sehr geehrter Herr Dr. Wilhelmy,
sehr geehrter Herr Lange,
sehr geehrter Herr Professor Ropers,
Meine sehr verehrten Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, Sie in Vertretung der Schirmherrin Frau Bundesministerin Wanka zur Verleihung des diesjährigen Klung-Wilhelmy-Wissenschaftspreises für Physik herzlich hier an der Freien Universität in Berlin zu begrüßen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt und begleitet den Klung-Wilhelmy-Wissenschaftspreis aus gutem Grund seit vielen Jahren. Die Förderung wissenschaftlicher Exzellenz gehört zu den wichtigsten Kernaufgaben des Ministeriums. Sie bildet das Fundament für ein leistungsfähiges Innovationssystem, aus dem sich wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftlicher Wohlstand für unser Land generieren. Denn wissenschaftliche Exzellenz kann nur mit herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erreicht werden.

Ich möchte Ihnen, meine sehr geehrten Herren Dr. Wilhelmy und Lange, stellvertretend für die Otto-Klung- und die Dr. Wilhelmy-Stiftung, meinen persönlichen Dank für ihr langjähriges Engagement zur Förderung des exzellenten wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland aussprechen.

Der Klung-Wilhelmy-Wissenschaftspreis würdigt herausragende Forschungsleistungen junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf höchstem internationalem Niveau. Wer diesen Preis erhält, gehört bereits der weltweiten wissenschaftlichen Elite an. Ein Blick in die Liste der ehemaligen Klung-Wilhelmy-Preisträger zeigt das Potenzial dieser Ehrung. Wer es bis hierhin geschafft hat, der schafft es oft noch weiter: Die Wissenschaftskarrieren fünf ehemaliger Preisträger wurden bereits mit dem Nobelpreis gekrönt.

Der heute verliehene Preis ist vor allem eines: Würdigung und Anerkennung für die Exzellenz der bisherigen Forschungsarbeiten des Preisträgers. Er soll aber auch Motivation und Ansporn für weitere wissenschaftliche Höchstleistungen sein. Die öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung von Forschungsleistungen tritt oft gegenüber anderen Ereignissen in den Hintergrund. Umso wichtiger ist es, gerade jungen Menschen aufzuzeigen, dass es sich lohnt, ihre Energie und Leidenschaft in die Forschung zu investieren. In der Forschung kann jeder seinen Beitrag leisten, um mit kreativen Ideen zu Lösungen drängender gesellschaftlicher Herausforderungen beizutragen. Besonders wichtig hierbei sind die naturwissenschaftlich-technischen Disziplinen, die als Schlüsselqualifikationen die Basis für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftlichen Wohlstand in Deutschland bilden.

Das BMBF setzt alles daran, junge Menschen für Wissenschaft und Forschung zu begeistern und sie bei der Umsetzung ihrer Ideen zu unterstützen. Wissenschaftliche Spitzenleistungen verlangen jedoch auch fundierte Grundlagen. Unsere Maßnahmen decken deshalb das gesamte Spektrum der Forschung ab, beginnend bei der Grundlagenforschung. Dies gelingt auf höchstem internationalem Niveau:

  • Wir unterstützen beispielsweise die Kooperation an internationalen Großgeräten und Forschungsinfrastrukturen.
  • Forscherinnen und Forscher erhalten mittelbaren Zugang zu diesen Einrichtungen über die institutionelle Förderung, beispielsweise durch die Helmholtz-Gemeinschaft oder die Max-Planck-Gesellschaft oder über die projektbezogene Verbundforschung, an Einrichtungen wie beispielsweise dem Forschungszentrum CERN in der Schweiz oder dem "European Extremely Large Telescope" (E-ELT) in der Atacama-Wüste in Chile.

Durch das starke Engagement Deutschlands in der internationalen Wissenschaftsszene, insbesondere der Grundlagenforschung, sind deutsche Forscher häufig im Spitzenbereich zu finden. Somit werden, wie bei dem ein oder anderen Preisträger des Klung-Wilhelmy-Wissenschaftspreises auch, Nobelpreise möglich. Drei Beispiele:

  • Mit dem intensiven Röntgenlicht von Elektronenbeschleunigern wie ESRF in Frankreich oder PETRA III in Hamburg, die mit Mitteln des BMBF gebaut und betrieben werden, konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Struktur des Ribosoms entschlüsseln und erhielten dafür 2009 den Nobelpreis für Chemie.
  • Internationale Finanzierung des LHC am Forschungszentrum CERN mit dem BMBF als größtem Beitragszahler machte die Entdeckung des Higgs-Teilchens möglich, wofür 2013 der Nobelpreis für Physik an Peter Higgs und François Englert erging, die das Teilchen in den 1960er-Jahren vorhergesagt hatten.
  • Der Nachweis von Gravitationswellen, in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Physik an drei amerikanische Wissenschaftler ausgezeichnet, ist das jüngste Beispiel erfolgreicher deutscher Zusammenarbeit auf verschiedenen Ebenen der Forschungsinstitutionen.

Neben der Förderung der reinen Grundlagenforschung setzt das BMBF auch die Rahmenbedingungen für technischen Fortschritt und Innovationen zur Lösung der gesellschaftlichen Herausforderungen. Forschung endet nicht, wenn die Grundprinzipien verstanden sind. Denn sie sind sehr oft Startpunkt für künftige Entwicklungen, die ihrerseits zunächst erforscht und weiterentwickelt werden müssen. So werden auch Methoden, z.B. Mess- oder Auswertemethoden – häufig der Grundlagenforschung entspringend – weiterentwickelt und Geräte und Konzepte daraus erarbeitet, die neue und effizientere Herangehensweisen ermöglichen.

Wichtige neue Methoden liefert insbesondere auch die Digitalisierung der Materialforschung.  Bereits heute werden traditionelle Ansätze der Materialforschung zunehmend mit datengestützten Methoden kombiniert, indem die klassischen Ansätze der Materialwissenschaften, Chemie und Physik mit Methoden der Informationsverarbeitung immer intelligenter verknüpft werden. Neue funktionale Materialien, langlebigere Werkstoffe und zuverlässigere Bauteile können durch Verfahren der Modellierung und Simulation überhaupt erst ermöglicht werden. Durch den rapiden Wandel hin zu einer informationsbasierten und vernetzten Entwicklung und Produktion von Materialien können zukünftig Simulationen und Experimente besser miteinander verzahnt und große Datenmengen einfacher verarbeitet und visualisiert werden. Der Transfer von der Grundlagenforschung in die industrielle Anwendung kann so deutlich beschleunigt werden. Innovationszyklen können so deutlich verkürzt werden. So kann die produzierende Industrie auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben.

Wichtig ist dabei zunächst, dass man in der Lage ist, große und insbesondere heterogene Datenmengen zu verarbeiten und zu analysieren. „Big Data“ ist in aller Munde. Die dadurch ermöglichten Fortschritte sollen wichtige Beiträge zur Lösung der gesellschaftlichen Herausforderungen der Hightech-Strategie wie Industrie 4.0, Lebenswissenschaften, Umweltschutz und der Materialforschung liefern. Gerade deshalb adressiert auch das BMBF die gerade skizzierten Themenfelder im Rahmen seiner Förderung.

Gerade bei der Untersuchung und Analyse von Materialien ist es aber natürlich entscheidend, überhaupt erst einmal qualitativ hochwertige Daten in ausreichender Menge zu bekommen, und zwar mit einer möglichst großen räumlichen sowie zeitlichen Auflösung. Und damit sind wir wieder bei der Arbeit des heutigen Preisträgers.

Er hat Methoden entwickelt, die es erlauben, Materialien mit einer extrem hohen räumlichen und zeitlichen Auflösung zu untersuchen. Dadurch wird es möglich, dynamische Prozesse auf kleinsten Skalen zu beobachten. Wir gewinnen damit ein tieferes Verständnis der physikalischen Abläufe in Materialien. Mit Ihrer Arbeit befähigen Sie, Herr Professor Ropers, also auch andere Wissenschaftler, genauer hinzuschauen. Weil Sie eine Plattform schaffen. Wir erleben hier, wie Wissenschaft nicht nur Wissen schafft, sondern als Multiplikator wirkt, als „Enabler“ für andere Bereiche der Forschung.

Ich freue mich sagen zu dürfen, dass Ihr wissenschaftliches Potential als heutiger Preisträger auch im BMBF schon früh erkannt wurde: Bereits als Juniorprofessur an der Uni Göttingen wurden Sie im Jahr 2009 auf der Materialforschungskonferenz des BMBF in Ulm mit dem Nanowissenschaftspreis der Arbeitsgemeinschaft der Nanokompetenzzentren (AGeNT-D) auszeichnet.

Sie sind seitdem der Grundlagenforschung treu geblieben. Sie haben ein besseres Verständnis des inneren Aufbaus und Verhaltens von Materialien und somit auch die Erstellung genauerer Modelle ermöglicht. Man wird in der Lage sein, Materialien genauer zu simulieren, Vorhersagen zu machen und Szenarien zu erproben. So wird der Bereich, in dem Materialien digital abgebildet werden können, nach „unten“ erweitert. Man wird vielleicht verarbeitende Prozesse wie Verformungen detaillierter vorhersagen können, neue Legierungen untersuchen können, bevor sie jemand hergestellt hat.

Die räumliche Auflösung analytischer Methoden ist dabei immer weiter gesteigert worden. Um die Bedeutung der zeitlichen Auflösung zu verdeutlichen, die Sie, Herr Professor Ropers, mit ins Spiel gebracht haben, braucht man sich nur den Unterschied von Fotografie und Film vor Augen zu halten: Wenn man verstehen will, wie ein Pferd galoppiert, reicht ein einzelnes Foto nicht aus. Man braucht schon einen Film, also eine rasche Abfolge einzelner Bilder. Und wenn Sie sich verdeutlichen, mit welch irrwitziger Geschwindigkeit Prozesse auf atomarer Ebene ablaufen, können Sie ahnen, welche Leistung Herr Professor Ropers mit seiner Methode zum „Filmen“ von Vorgängen im Nanokosmos immer wieder erbringt.

Herr Professor Ropers, ich gratuliere Ihnen ganz herzlich zum Erhalt des diesjährigen Klung-Wilhelmy-Wissenschafts-Preises 2017 für Physik und wünsche Ihnen bei Ihren weiteren Forschungsarbeiten viel Erfolg und alles Gute. Ich hoffe, dass die Auszeichnung Ihnen Ansporn für Ihre weitere wissenschaftliche Tätigkeit ist, von deren Ergebnissen wir in Zukunft alle profitieren können.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und wünsche uns allen noch eine schöne und gelungene Veranstaltung!

Vielen Dank.