Konferenz der Arten

Rede des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Michael Meister MdB, anlässlich der Konferenz in Bonn

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Professor Wägele,
sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Klingmüller,
sehr geehrter Herr Professor Krüß,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

Auch im Namen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung heiße ich Sie herzlich willkommen zur diesjährigen ‚Konferenz der Arten‘. Ich bedanke mich sehr für die Einladung, Herr Professor Wägele.

Dass Sie heute so zahlreich erschienen sind, zeigt einmal mehr, dass der Artenschutz in der Öffentlichkeit zunehmend die Aufmerksamkeit bekommt, die er dringend benötigt und verdient – nicht zuletzt verdanken wir dies auch Ihrem vielfältigen und beständigen Engagement.

Der Artenschutz geht uns alle an. Unsere Lebensgrundlage – die Vielfaltder Arten – ist weltweit gefährdet. Die Schlagzeilen zum globalen Berichtesdes Weltbiodiversitätsrates IPBES dürften viele von Ihnen noch präsent sein: 

Bis zu einer Million Arten könnte aussterben, viele davon bereits in den kommenden Jahren und Jahrzehnten. Drei Viertel der Erdoberfläche hat der Mensch bereits stark verändert und damit der Artenvielfalt vielfach die Grundlage entzogen. 

Neben der intensiven Landnutzung ist der Klimawandel einer der Treiber. Das Tempo des Artenschwundes nimmt schwindelerregend zu. Es besteht immenser und vor allem auch dringender Handlungsbedarf. 

Als Bundesregierung sehen wir, dass der Biodiversitätsverlust uns vor ebenso große Herausforderungen stellt wie der Klimawandel. Klimawandel und Artenverlust sind aber doch auch teilweise miteinander verknüpft. Deshalb haben wir den Artenschutz prominent im Koalitionsvertrag verankert. 

Wie beim Klimaschutz drängt auch beim Biodiversitätsschutz die Zeit: Wir müssen schnell zu tragfähigen Lösungen kommen und konkrete Maßnahmen umsetzen, um die Artenvielfalt und die Ökosysteme zu erhalten.

In der Gesellschaft zeigt sich hierfür eine Bereitschaft wie seit langem nicht mehr. Die Menschen pilgern in die Baumärkte, um Bienenhotels und artenreiche Blumenmischungen zu kaufen. 

Die Bürgerinnen und Bürger in Bayern haben mit einem Volksbegehren deutlich gemacht, dass effektive Maßnahmen zum Wohle der Artenvielfalt ergriffen werden müssen. 

Beim Artenschutz haben wir heute den nötigen Rückenwind. Diesen müssen wir konsequent nutzen, um dem Artenverlust schnell und effektiv entgegenzusteuern. 

Deshalb stellt sich das Bundesforschungsministerium im Schulterschluss mit den anderen Ressorts auf Bundesebene der Verantwortung. Wir engagieren uns schon seit vielen Jahren für die Arten.

Die deutsche Biodiversitätsforschung ist weltweit anerkannt. Das zeigt sich beispielsweise anhand des globalen IPBES-Berichtes, in dessen Erstellung auch zahlreiche führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland involviert waren. 

Vor allem aber hat das Bundesforschungsministerium im Frühjahr eine neue, umfassende und langfristig angelegte „BMBF-Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt“ auf den Weg gebracht. Für die Umsetzung stellen wir allein ab 2019 200 Millionen Euro für fünf Jahre zur Verfügung. 

Mit der Forschungsinitiative werden wir die Biodiversitätsforschung in Deutschland neu ausrichten, weiter vertiefen und im engen Dialog mit Expertinnen und Experten in wichtigen Politik- und Handlungsfeldern verankern.

Neu dabei ist, dass wir die bisher oft nur naturwissenschaftlich behandelten Themen Biodiversitätsverlust und Artensterben stärker in den gesellschaftlichen Kontext rücken. 

Mit unserer aktuellen Förderbekanntmachung zielen wir z. B. auf die Entwicklung innovativer Bewertungskonzepte und Governancestrukturen. Diese sollen den Stellenwert und die Wertschätzung von Ökosystemleistungen und Naturkapital steigern – gerade auch in der Wirtschaft und in der Politik. Wir wollen, dass die biologische Vielfalt als fester Bestandteil in unserem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen System verankert wird. Damit wollen wir wirksam zur Sicherung von biologischer Vielfalt beitragen. 

So gilt es, gemeinsam mit der Landwirtschaft Konzepte zu erarbeiten und umzusetzen. Diese Konzepte müssen eine langfristig ökologische und wirtschaftliche Nutzung von biologischer Vielfalt erlauben und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirtschaft sicherstellen.

Darüber hinaus ist es für uns wesentlich, in technische Innovationen wie etwa Digitalisierung und Künstliche Intelligenz zu investieren, um die biologische Vielfalt effizienter und flächendeckender erfassen zu können.

Dies ist ein wesentlicher Baustein, um die bestehenden Wissenslücken über die Systemzusammenhänge des Artenverlustes zu schließen und ein modernes und zukunftsfähiges Biodiversitätsmonitoring aufzubauen. 

Weiterhin wollen wir die Akteure in Forschung, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft noch besser zusammenbringen. Wir wollen das große Potential der Bürgerwissenschaften, auf das das Bundesforschungsministerium mit vielen Citizen Science-Projekten setzt, noch stärker nutzen und entfalten. 

Dies ist gerade im Kontext des Biodiversitätsmonitoring fundamental: Für kontinuierliche und möglichst flächendeckende Beobachtungen der Biodiversität und ihrer Veränderungen ist die Arbeit von ehrenamtlich tätigen Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürger-wissenschaftlern, naturkundlichen Vereinen und Verbänden ganz wesentlich. Dieses Engagement wollen wir stärker wertschätzen und fördern.

Unsere Forschungsinitiative füllt sich schnell mit Leben. Neben der neuen Förderbekanntmachung sind einige Projekte angelaufen. 

In zwei Projekten ist übrigens das Museum Koenig maßgeblich beteiligt. Im Juni ist beispielsweise das DINA-Projekt gestartet. Mit diesem Projekt wollen wir die Ursachen des Insektensterbens in Naturschutzgebieten erforschen und damit Klarheit in die Debatte zum Insektensterben bringen. 

Ein weiteres hochaktuelles Beispiel aus der Forschungsinitiative ist das FOGS-Projekt, in welchem das Museum Koenig ein DNA-basiertes Verfahren entwickelt, um schnell und sicher Aufschluss über die Herkunft und die Zugehörigkeit von geschützten Tieren im Handel zu geben. Die damit generierten Daten werden zukünftig juristisch belastbare Aussagen ermöglichen. Damit sagen wir auch dem illegalen Tier- und Pflanzenhandel den Kampf an. 

Wie Sie sehen, haben wir uns im Bundesforschungsministerium viel vorgenommen. Um schnell Fortschritte zu erzielen sind wir aber auch auf Ihre Mitwirkung angewiesen. Mit vereinten Kräften und Kompetenzen, können wir effizienter und vor allem schneller handeln, davon bin ich überzeugt. 
Das ist, denke ich, auch die zentrale Botschaft dieser Veranstaltung. In diesem Sinne wünsche ich mir, dass Sie diese Konferenz nutzen, um sich auszutauschen, um Ihre Netzwerke zu verbinden und Ihren Horizont zu erweitern – zum Wohle unserer Arten.

Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Konferenz-Wochenende mit interessanten Beiträgen und anregenden Diskussionen und bedanke mich recht herzlich für Ihre Aufmerksamkeit!