Konferenz „We can Work it out“

Rede der Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja Karliczek im Rahmen der re:publica in Berlin

Bundesministerin Anja Karliczek während ihrer Rede © BMBF / Hans-Joachim Rickel

Es gilt das gesprochene Wort.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

wenn ich Kiba höre, denke ich stets an meine Jugend. Immer wenn es an mir war, den Party-Fahrdienst zu übernehmen, war Kiba - nämlich Kirsch-Banane – eine echte Getränkealternative. Seit heute steht KIBA bei mir aber für etwas anderes: für Künstliche Intelligenz-Berufs-Agentur. So heißt eine künstlerisch-wissenschaftliche Installation, die ein digitales Jobprofil erstellt. Sie finden sie auf dem Stand meines Hauses, hier auf der re:publica. Diese Maschine gibt Hinweise, welche Fähigkeiten man in Zukunft in seinem Job braucht, wenn die Arbeitswelt immer digitaler wird. Nebenbei mischt sie auch noch einen Kirsch-Bananensaft. Ein Besuch auf unserem Stand lohnt sich also in jedem Fall.

Dort dreht sich alles um die Arbeitswelten der Zukunft. Genau wie heute Abend. Und damit begrüße ich Sie ganz herzlich zur Subkonferenz. Wir wollen gemeinsam in die Zukunft blicken. Wir wollen gemeinsam überlegen, welche Veränderungen auf uns zukommen, was sie zukünftig für die Gestaltung unserer Arbeitsleben bedeuten.

I.

Der Digitale Wandel der Arbeitswelt wird einiges an Veränderungsbereitschaft von uns verlangen. Viele fragen sich, was aus ihrem Arbeitsplatz in einigen Jahren geworden sein wird.

Forscher des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung haben jüngst in einer empirischen Studie festgestellt: Auch im Zeitalter der Digitalisierung geht uns die Arbeit nicht aus. Gerade im letzten Jahr haben wir wieder mal einen Höchststand an Beschäftigung erreicht. Und auch der Blick in die Zukunft stimmt uns positiv. Eine Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung erwartet eine ausgeglichene Bilanz am Arbeitsmarkt. Bis zum Jahr 2025 entstehen etwa gleichviele Arbeitsplätze wie wegfallen.

Schon jetzt erleben wir, dass die Zahl der freien Arbeitsplätze stetig steigt. Wenn wir es richtig machen, dann ist Vollbeschäftigung machbar!

Dazu müssen nun aber alle anpacken. Jeder Einzelne ist gefragt. Denn die Digitalisierung wird die Struktur der Beschäftigung verändern: Hochentlohnte, analytische und interaktive Berufe werden an Bedeutung gewinnen. Es entstehen ganz neue Berufsbilder, andere verschwinden. Darauf müssen wir uns alle gemeinsam vorbereiten. Eine hochwertige, zukunftsorientierte Aus- und Weiterbildung der Menschen ist zentral dafür, dass die Umgestaltung der Arbeitswelt gelingen wird. Nur so werden wir den großen Fachkräftebedarf sicherstellen können.

Dabei werden wir alle spannende Zeiten erleben. Wir werden unkonventionelle Wege gehen, frei, kreativ, mutig denken und flexibel bleiben müssen. Lebenslanges Lernen wird zur Königsdisziplin. Es ist eine Zeit, die uns prüft, aber darin stecken für jeden Einzelnen große Chancen. Jeder bekommt eine neue Chance, fit für den Arbeitsmarkt der Zukunft zu werden. Jeder muss die Chance aber auch nutzen.

Für Digital Natives klingt das leicht. Sie sind es gewohnt, sich erfolgreich in einem digitalen Arbeitsumfeld zu bewegen. Weniger technikaffine, oft ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben es da schwerer. Am Arbeitsplatz treffen beide aufeinander: Digital wendige Berufsanfänger und erfahrene Mitarbeiter. Die einen haben digitales Know-how, die anderen haben Berufserfahrung. Beides wird gebraucht: die Erfahrung genauso wie neue Ideen und Arbeitsmethoden. Wenn sich in diesem Bewusstsein jüngere und ältere Beschäftigte mit Wertschätzung und Respekt begegnen, entsteht erfolgreiche und gute Zusammenarbeit. So entsteht ein gutes Miteinander. Ein Netzwerk für eine gute Zukunft.

II.

Die neuen Möglichkeiten werfen aber auch neue Fragen auf. Wir freuen uns, wenn Maschinen uns langweilige oder mühsame Arbeit abnehmen. Wenn Maschinen aber anfangen, uns Entscheidungen abzunehmen, wird der eine oder andere von uns bestimmt intervenieren. Welche Aufgaben wollen wir abgeben, welche Form der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine sind wir bereit zu akzeptieren? Wie können wir diese Welt beeinflussen und beherrschen?

Die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz stellen uns vor eine Riesenaufgabe. Wir bewegen uns zwischen Faszination und Furcht. Sind Computer demnächst schlauer als wir? Wer trifft dann die Entscheidungen? Wer übernimmt die Verantwortung? Ich bin schon sehr gespannt auf Ranga Yogeshwar. Er hat bestimmt schon eine Idee.  

Die Sorgen der Menschen zu diesen Entwicklungen kann ich verstehen. Deswegen müssen wir uns jetzt intensiv mit den Veränderungen auseinandersetzen. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Dafür arbeiten wir. Diese Maxime bleibt. Jede Technik und jede neue Technologie ist nur Mittel zum Zweck: das Leben der Menschen zu verbessern - und zwar aller Menschen.

Schon heute ist die Arbeit nicht mehr so schwer wie vor 50 Jahren. Doch die Digitalisierung bietet uns nun die Möglichkeit, eine neue Stufe der Entwicklung zu erklimmen. Immer mehr Arbeiten, die belastend oder gefährlich sind, können Roboter für uns erledigen. Deshalb können wir in froher Erwartung in die Zukunft schauen. Die Arbeitswelten der Zukunft sind mehr Versprechen als Bedrohung - wenn wir uns gut darauf vorbereiten. Und gut vorbereiten heißt auch, dass wir uns über den rechtlichen Rahmen und die ethischen Grundsätze unterhalten.

Das Zusammenspiel von Mensch und Maschine wird gelingen. Es nach unseren Maßstäben und Wünschen zu gestalten, ist unsere Aufgabe. Dafür brauchen wir Forschung. Forschung ist unerlässlich. Und zwar eine Forschung, die den Menschen im Blick hat. Forschung, die weiß, dass sie die Menschen mit auf die Reise in eine neue Zeit nehmen muss.

Denn auf der einen Seite gibt es die rasanten technologischen Entwicklungen, auf der anderen Seite die sorgenvollen Menschen. Viele Menschen fühlen sich von der Entwicklung überrannt. Jetzt gilt es zusammenzuhalten: Forschung zeigt und erklärt, Bürgerinnen und Bürger fragen.

Möglichkeiten und Grenzen technischer und technologischer Entwicklungen müssen breit diskutiert werden. Die Aufgabe heißt: Informieren, Aufklären, Mitnehmen!

Das Motto der re:publica sagt es ja: Power to the People! Unser demokratisches Miteinander, unsere Individualität und unsere Freiheit müssen wir uns täglich neu erarbeiten. Jeder ist gefordert. Denn die Demokratie, die Freiheit und unseren Individualismus werden wir nur bewahren, wenn wir es schaffen, alle Menschen mitzunehmen. Die neuen Entwicklungen müssen von den Menschen verstanden und geschätzt werden. Nur dann werden sie bereit sein, den Weg mitzugehen und die Herausforderungen anzunehmen.

Die „Arbeitswelten der Zukunft“ stellen uns vor unterschiedliche Herausforderungen, über die auf der re:publica diskutiert werden wird. Ich hoffe, dass Sie inspirierende Ideen mitnehmen: über flexible Arbeit, Tradition und Zukunft, menschliche Beziehungen, nachhaltige Arbeitswelten. Lassen Sie uns gemeinsam die Arbeitswelten der Zukunft gestalten. Für uns, für unsere Kinder, für Generationen, die nach uns kommen. Ich freu‘ mich drauf!