„Kulturelle Bildung macht Kinder selbstbewusst“

Bundesministerin Johanna Wanka über das Förderprogramm „Kultur macht stark“, Tanz-, Theater- und Zirkusprojekte außerhalb von Schulen und über Jugendliche, die es schwerer haben im Leben. Weil es so erfolgreich ist, wird das Programm fortgesetzt.

Johanna Wanka besucht in Berlin ein Projekt aus dem Programm Kultur macht stark
Johanna Wanka besucht in Berlin ein Projekt aus dem Programm Kultur macht stark © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Frau Wanka, dass Sie als Bildungsministerin Bildung wichtig finden, versteht sich von selbst. Sie machen sich auch für die Bildung außerhalb der Schule stark: die Bildung durch Kultur. Warum ist das so relevant für Sie?

Johanna Wanka: Wenn es uns gelingt, möglichst vielen jungen Menschen durch kulturelle Bildungsangebote Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu geben, wenn wir ihnen zeigen können: Gemeinsames Lernen, das macht Spaß und auf Gelerntes kann man stolz sein – dann haben wir etwas sehr Gutes auf den Weg gebracht. Deswegen fördern wir mit dem Programm „Kultur macht stark“ eben auch gezielt die vielen, vielen kulturellen Angebote, die es außerhalb der Schulen gibt.

Welche zum Beispiel?

Johanna Wanka: Das kann vieles sein, denn für uns ist Kultur ein sehr offener, weit gefasster Begriff: Ein Instrument in der Musikschule lernen, in einer Tanzgruppe mitmachen, ein Video drehen, spannende Bücher lesen, Museen oder Theater besuchen – die Möglichkeiten, spielend die Welt zu entdecken, sind groß. Diese Projekte sind wichtig, sowohl für die Gesellschaft insgesamt als auch für das Entfalten der individuellen Persönlichkeit.

Was lernen die Kinder und Jugendlichen denn, wenn sie bei solchen Projekten mitmachen?

Johanna Wanka: Sie lernen zunächst einmal Kunst, Theater oder Musik kennen. Und zwar nicht nur passiv als Zuschauerin oder Zuschauer, sie werden selbst aktiv. Wenn sie Ideen erarbeiten und umsetzen, steigert das aber auch ihr Selbstbewusstsein. Durch die gemeinsame Beschäftigung mit Kultur entwickeln sich Team- und Kritikfähigkeit. Die Kinder und Jugendlichen können sich ausprobieren, mitmachen, gemeinsam gestalten. Ich finde, das sind alles wichtige Fähigkeiten für ein selbstbestimmtes Leben.

Passiert das denn nicht von selbst? Braucht es dafür ein eigenes Förderprogramm?

Johanna Wanka: Ja, das brauchen wir. Aus Untersuchungen wissen wir, dass rund ein Drittel der  Kinder und Jugendlichen in Deutschland in einer schwierigen sozialen oder finanziellen Situation bzw. dort aufwächst, wo sich die Eltern nur wenig um die Bildung ihrer Kinder kümmern. Ihre  Bildungschancen sind eingeschränkt, weil die Eltern kein Geld haben, um Musik- oder Tanzunterricht zu bezahlen. Oder das Geld ist da, aber die Eltern finden kulturelle Bildung nicht wichtig. „Kultur macht stark“ hilft insbesondere denen, die es schwerer haben im Leben. Aus aktuellem Anlass haben wir das Programm übrigens um zusätzliche Maßnahmen erweitert, die sich ausdrücklich an junge Flüchtlinge wenden. Das Ziel ist Bildungsgerechtigkeit, in der Schule, aber auch nach dem Unterricht.

Sind Sie diesem Ziel durch „Kultur macht stark“ schon nähergekommen?

Johanna Wanka: Ein großes Stück sogar. Seit Projektbeginn wurden mehr als 11.500 Maßnahmen mit über 16.000 Bündnispartnern ins Leben gerufen. Nach aktuellem Stand haben wir mehr als 400.000 Kinder, Jugendliche und Angehörige erreicht. Und zwar in ganz Deutschland: Die Förderung betrifft alle Bundesländer und 95 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte. Das liegt maßgeblich an der Struktur unserer „Bündnisse für Bildung“. Darin schließen sich mindestens drei lokale Einrichtungen zusammen, die sich vor Ort engagieren. So können auch eher ungewöhnliche Allianzen entstehen, etwa zwischen dem Chaos Computer Club und einem Theaterprojekt.

Wie geht es weiter mit „Kultur macht stark“?

Hoffentlich so vielfältig und engagiert wie bisher! Das Programm läuft noch bis Ende 2017, insgesamt stellt das BMBF dafür bis zu 230 Millionen Euro bereit.