Kulturelle Vielfalt und Zivilgesellschaft

Moderne Gesellschaften zeichnen sich durch kulturelle und soziale Vielfalt aus. Um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu wahren, ist es deshalb erforderlich, eine Debatte über Ziele, Werte und Regeln des gemeinsamen Miteinanders anzuregen.

Teilhabe und Zusammenhalt: Die Geistes- und Sozialwissenschaften geben Orientierung für eine Gesellschaft im Wandel. © Thinkstock/danielvfung

Potenziale für Zusammenhalt und Teilhabe

Die Debatte findet im Wesentlichen entlang aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen statt, für die sich der Begriff „Gesellschaftliche Herausforderungen“ etabliert hat. Der Wissenschaft kommt dabei eine wichtige Rolle zu. Sie stellt fundiertes Hintergrundwissen bereit und erarbeitet mit Blick auf die konkreten Fragestellungen Orientierungs- und Handlungswissen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Das Bundesforschungsministerium (BMBF) begrüßt dieses Engagement und entwickelt gemeinsam mit der Wissenschaft sowie unter Einbindung von Akteuren aus den jeweiligen Praxisfeldern Fördermaßnahmen zu derartigen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Themenfindung erfolgt auf unterschiedliche Weise: Unter anderem führte das BMBF den Agendaprozess „Zukunft sichern und gestalten - sozialwissenschaftliche Forschung zu den gesellschaftlichen Herausforderungen“ durch, der auf große Resonanz in der wissenschaftlichen Community stieß. Darüber hinaus reagiert das BMBF auch auf Initiativen, die direkt aus dem politischen Raum kommen. Für die Entwicklung konkreter Fördermaßnahmen wird auf die vorhandene wissenschaftliche Expertise zurückgegriffen, die in sogenannte „Fachgespräche“ eingebunden wird.

"Finanzsystem und Gesellschaft"

Ab März 2015 starteten acht Projekte, die in der Fördermaßnahme „Finanzsystem und Gesellschaft. Bedeutungs- und Funktionswandel des Finanzsystems“ zu Ursachen und Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise sowie zu Funktionen des Finanzsystems im gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang forschen. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass sich Bedeutung und Funktion des Finanzsektors für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in den Jahrzehnten vor der Finanzkrise grundlegend verändert haben. Viele der Strukturen, die heute als Ursache der Krise angesehen werden, dienten ursprünglich zur Lösung damaliger Probleme. Das übergreifende Ziel der Fördermaßnahme ist es, ein besseres Verständnis dieser Prozesse zu erarbeiten und Handlungsansätze für relevante Stakeholder abzuleiten. Darüber hinaus möchte die Förderinitiative dazu beitragen, den Austausch zwischen Wirtschafts- und Sozialwissenschaften zu befördern. Ein Begleitvorhaben („Servicestelle Information“) unterstützt den Informationsaustausch und die Vernetzung zwischen den Projekten.

Deutsch-griechische Projekte

Die Förderung von deutsch-griechischen Forschungsprojekten ist in eine übergreifende Maßnahme des BMBF zur Stärkung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern eingebunden, an der verschiedene Fachreferate des Ministeriums beteiligt sind. Eine erste Förderphase, in der drei Projekte aus den Sozial- und Geisteswissenschaften gefördert wurden, wurde Ende 2016 abgeschlossen. Im Fokus der Projekte standen  die sozio-ökonomischen Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Diese wurden in Bezug auf Handlungsmöglichkeiten von Kommunalverwaltungen unter Spardruck sowie auf die Wirkung der Medienberichterstattung in beiden Ländern bearbeitet. Darüber hinaus wurden zivilgesellschaftliche Reaktionen auf die krisenbedingte Zersplitterung der Gesellschaft untersucht.

Die erfolgreichen 25 Projekte einer zweiten Förderphase werden voraussichtlich im März 2018 die Arbeit aufnehmen. Darunter befinden sich fünf Projekte aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, die Fragestellungen zu den Themenschwerpunkten „Culture-Tourism-Culture“ sowie „Innovation and Societal Challenges“ nachgehen werden.

"Zusammenhalt in Zeiten von Krisen"

Auf Grundlage der Bekanntmachung „Zusammenhalt stärken in Zeiten von Krisen und Umbrüchen“ fördert das BMBF seit Oktober 2017 sozial- und geisteswissenschaftliche Forschungsvorhaben, die maßgeblich interdisziplinär die Wirkungen von Krisen und Umbrüchen auf das gesellschaftliche Zusammenleben innerhalb Deutschlands und Europas untersuchen. Die 16 Verbundvorhaben und sechs Einzelprojekte streben solide Grundlagenforschung in Kombination mit einer Implementierung der wissenschaftlichen Resultate in die Praxis an.

Folgen von Migration

Die Frage nach den Folgen von Migration für die deutsche Gesellschaft ist vordringlich. Ihre Beantwortung wird sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die Europäische Union in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen. Vor diesem Hintergrund wurde Ende 2016 die Bekanntmachung „Migration und gesellschaftlicher Wandel“ veröffentlicht, die den durch Migration ausgelösten gesellschaftlichen Wandel in den Mittelpunkt stellt und Forschung zu Migration und Integration unter dem Vorzeichen gesellschaftlicher Vielfalt anregt. Die erfolgreichen Projekte werden sukzessive ab Oktober 2017 die Arbeit aufnehmen.