Leibniz-Preisträger erforscht Entstehung des Lebens

Der Biophysiker Frank Jülicher zählt zu den Leibniz-Preisträgern 2017. Seine Arbeiten haben einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der Embryonalentwicklung geleistet. Doch die Geheimnisse der Entstehung des Lebens sind längst nicht entschlüsselt.

Frank Jülicher ist Direktor am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme und Professor für Biophysik an der Technischen Universität Dresden.
Frank Jülicher ist Direktor am Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme und Professor für Biophysik an der Technischen Universität Dresden. © Katrin Boes / MPI-CBG

Frank Jülicher hat ein großes Ziel: Er möchte verstehen, wie aus einem befruchteten Ei ein komplexer Organismus heranwächst. Den Biophysiker interessieren die physikalischen Kräfte, die diesen Prozess steuern. Wie können aus einem einfachen Zellhaufen komplexe Strukturen wie Organe und Gewebe entstehen? Wie schaffen es die Zellen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein? Was treibt sie dabei voran?

Unbelebte und belebte Materie

Die Physik unterscheidet zwischen unbelebter und belebter Materie. „Beide bestehen aus denselben Bausteinen, dennoch unterscheiden sie sich wesentlich voneinander“, sagt Jülicher. „Die belebte Materie kann sich selbst organisieren und Strukturen bilden.“

Die unbelebte Materie sei vergleichsweise gut erforscht. „Lebende Systeme sind dagegen besonders komplex. Hier stehen wir noch am Beginn des Verständnisses.“

"Für die Medizin von großer Bedeutung"

Jülicher gehört zu den Pionieren bei der Erforschung der Physik belebter Materie und wird für seine Arbeiten auf diesem Gebiet mit dem Leibniz-Preis 2017 der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet. „Mit seinen grundlegenden Arbeiten trägt er zum Verständnis der Selbstorganisation von Zellen in Gewebe bei. Sie ist bisher weitgehend unverstanden und sowohl für die Entwicklungsbiologie als auch für die medizinische Anwendung von größter Bedeutung“, begründet die Jury die Auszeichnung.

Schnittstelle von Physik und Biologie

Mit Jülicher wird ein Wissenschaftler ausgezeichnet, der an der Schnittstelle von Physik und Biologie arbeitet, an der theoretische und experimentelle Teams zusammen forschen. Das Bundesforschungsministerium fördert diese interdisziplinäre Zusammenarbeit - und auch einen Forschungsverbund von Jülicher. Für den Biophysiker ist die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Fachkolleginnen und -kollegen besonders bereichernd: „Jede Disziplin hat ihren eigenen Blickwinkel und verwendet eigene Methoden, aber letztendlich beschäftigen wir uns alle mit denselben Fragen.“

Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis

Mit dem Leibniz-Preis zeichnet die Deutsche Forschungsgemeinschaft seit 1986 jedes Jahr Forscher für herausragende Leistungen auf allen Wissenschaftsgebieten aus. Die Auszeichnung ist der wichtigste Forschungsförderpreis in Deutschland. Ziel des Leibniz-Programms ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu erleichtern. Der Preis ist mit bis zu 2,5 Millionen Euro dotiert.