Leichtere Berufsanerkennung für Flüchtlinge

Flüchtlingen fehlen oft die Unterlagen, um ihren Beruf in Deutschland anerkennen zu lassen. Eine Initiative des Bundesbildungsministeriums schafft Abhilfe.

Abschlusszeugnisse, Diplome oder Arbeitsnachweise: Ohne die nötigen Dokumente ist es für Ausländer in der Regel nicht möglich, ihre Berufsqualifikationen in Deutschland anerkennen zu lassen. Was aber, wenn diese schriftlichen Nachweise fehlen oder unvollständig sind? Was ist, wenn ihre Beschaffung nicht zugemutet werden kann? So wie es bei Flüchtlingen oft vorkommt.

Seitdem es das Anerkennungsgesetz gibt, besteht die Möglichkeit, die beruflichen Kompetenzen über eine sogenannte Qualifikationsanalyse festzustellen. Das heisst, ein Einwanderer muss zeigen, dass er für die Arbeit qualifiziert ist: durch Arbeitsproben oder Fachgespräche. Ein Maurer zum Beispiel kann eine Trockenbauwand errichten. Anerkennungsstellen und Arbeitgeber können dann seine Kompetenzen einschätzen.

Allerdings: Qualifikationsanalysen werden noch nicht in ganz Deutschland angeboten. Die Verfahren sind aufwändig. Damit sich das ändert, fördert das Bundesbildungsministerium das Projekt  „Prototyping Transfer - Berufsanerkennung mit Qualifikationsanalysen“. Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, Einrichtungen und Behörden sollen darin unterstützt werden, Qualifikationsanalysen vorzubereiten und zu machen – etwa durch Schulungen, individuelle Beratung oder durch die finanzielle Unterstützung der Antragstellerinnen und Antragsteller. „Wir wollen insbesondere Flüchtlinge, die zumeist keine Unterlagen mitbringen, bei der Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse besser unterstützen und ihre beruflichen Perspektiven stärken. Flüchtlinge sollen auch dann eine Chance auf Anerkennung ihrer Abschlüsse haben, wenn notwendige Dokumente fehlen“, sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Insgesamt stellt das Bundesbildungsministerium für das Projekt rund 2,2 Millionen Euro zur Verfügung.

Asylbewerberinnen und Asylbewerber dürfen seit Juli 2014 schon nach drei Monaten arbeiten. „Die Anerkennung ihrer im Heimatland erworbenen Berufsqualifikationen ist ein wichtiger Schritt in Richtung Arbeitsmarkt und damit zur Teilhabe und Integration in Deutschland“, sagte Wanka. Angesichts der steigenden Flüchtlingszahlen sei es neben der Anerkennung aber auch wichtig, den jungen Menschen, die in ihren Heimatländern noch keinen Abschluss machen konnten, in Deutschland eine berufliche Ausbildung zu ermöglichen. Zudem müssten Betriebe und Auszubildende die Sicherheit haben, dass die Ausbildung auch rechtsicher bis zum Ende durchgeführt werden könne.

Das Anerkennungsgesetz des Bundes ist ein wichtig, um den Fachkräftebedarf in Deutschland zu sichern. Das Gesetz erleichtert es Fachkräften aus dem Ausland, ihre berufliche Qualifikation auf dem deutschen Arbeitsmarkt einzusetzen, und erhöht damit den Anreiz, nach Deutschland zu kommen.