"Lieber einfach mal was wagen"

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka über das Professorinnenprogramm, Chancengerechtigkeit an den Hochschulen und über Wissenschaftlerinnen, die mutig sind. Ein Interview mit der "Zeit" vom 30. März 2017.

Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung
Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung © Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

DIE ZEIT: Frau Ministerin Wanka, ist Wissenschaft eine Männerbastion?

Johanna Wanka: Nein! Die Frage klingt ja so, als taugten Frauen nicht zur Wissenschaft. So ein Unsinn!

ZEIT: Den Zahlen nach haben es Wissenschaftlerinnen heute nach wie vor schwerer: Sie werden seltener berufen, kriegen weniger Preise verliehen, leiten seltener eine Universität.

Wanka: Je höher die Position, desto mehr Männer – aber es wird besser. Chancengerechtigkeit ist inzwischen als zentrale Aufgabe bei allen Hochschulen etabliert. Wettbewerbliche Anreize haben dabei geholfen: Die DFG, die Exzellenzinitiative oder das Professorinnenprogramm haben Fortschritte in der Gleichstellung mit Fördermitteln belohnt. Das wirkt.

ZEIT: Brauchen wir eine Frauenquote?

Wanka: Wir setzen auf die Eigenverantwortung und Selbstverpflichtung der Institutionen in Wissenschaft und Forschung.

ZEIT: In diesem Jahr läuft das Professorinnenprogramm aus, das mit 300 Millionen Euro die Berufung von Frauen fördert. Wird es nach 2017 fortgesetzt?

Wanka: Bund und Länder haben bisher 524 mit Frauen besetzte Professuren gefördert. Mindestens ebenso wichtig ist der strukturelle Effekt des Programms: Die Hochschulen konnten nur erfolgreich teilnehmen, wenn sie ein überzeugendes Gleichstellungskonzept vorgelegt haben. Die Evaluation des Programms war sehr positiv, sodass wir es auch nach 2017 gern fortsetzen möchten. Darüber werde ich Anfang April mit den Ländern beraten.

ZEIT: Sie selbst sind Professorin und Ministerin. Haben Sie einen Rat für Wissenschaftlerinnen, die einen ähnlichen Weg anstreben?

Wanka: Mentorinnen und Vorbilder helfen. Vor allem aber braucht es Mut! Ich beobachte immer wieder, wie selbstkritisch und abwägend Frauen oft sind. Lieber einfach mal was wagen! Als ich Rektorin oder Ministerin wurde, gab es immer auch die Möglichkeit, dass es schiefgeht. Aber ich wollte gestalten. Ich hatte das Glück, dass ich dafür die richtigen Angebote bekommen habe – und die Chuzpe, die Chancen auch zu nutzen.

Das Interview führte Anna-Lena Scholz.