„Lindau erregt weltweit Aufmerksamkeit“

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka spricht im Interview mit der Schwäbischen Zeitung über ihre Erwartungen an das Nobelpreisträgertreffen in Lindau und verrät, welchen Nobelpreisträger sie besonders bewundert.

Interview mit Johanna Wanka
Interview mit Johanna Wanka © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Ist Lindau Pflicht oder Kür für Sie?

Eine absolute Kür, das ist eine ganz tolle Veranstaltung. Ich war letztes Jahr zum ersten Mal dabei und fasziniert von den Kontakten zwischen den herausragenden weltberühmten Nobelpreisträgern und den Nachwuchswissenschaftlern, von den Formaten, den Diskussionen. Es wird die Jungwissenschaftler prägen, die Nobelpreisträger so intensiv zu erleben.

Ihr Ministerium unterstützt die Tagung. Mit welchem Ziel?

Es ist eine weltweit einmalige Veranstaltung. Es ist eine enorme Auszeichnung für die Nachwuchswissenschaftler, die sich dort präsentieren können. Der Austausch ist beglückend für beide Seiten. Auch für die Nobelpreisträger, die sehen, wie engagiert die neuen, jungen Nachwuchswissenschaftler sind.

Was kann man von Nobelpreisträgern lernen?

Dass oft jahrelange fleißige Arbeit dazu gehört, einen Durchbruch zu erzielen. Dass sich Talent mit viel Disziplin, mit Durchhaltevermögen und der Fähigkeit, Rückschläge auszuhalten, paaren muss.

Gibt es einen Nobelpreisträger, der Sie persönlich besonders beeindruckt hat?

Mehrere. Ich bewundere zum Beispiel Harald zur Hausen, den Nobelpreisträger von 2008, der entdeckt hat, wodurch der Gebärmutterhalskrebs hervorgerufen wird. Aufgrund dieser bahnbrechenden Erfindung konnte ein Impfstoff entwickelt werden. Jemand, der so viel Gutes getan hat und ein so bescheidener und zurückhaltender Mensch geblieben ist, imponiert mir sehr.

Sie sagten, nicht nur die Studenten lernen von den Preisträgern, sondern auch die Nobelpreisträger freuen sich über den Austausch. Geht es Ihnen als frühere Hochschulrektorin genauso?

Ja, ein großer Vorteil als Professorin ist, dass man immer mit jungen Leuten und ihren Erwartungen, ihrer Unvoreingenommenheit und ihren Ideen zu tun hat. Im Kopf bleibt man dadurch jung.

Wie lange nehmen Sie am Treffen in Lindau teil?

Ich bin von Samstagabend bis Montag früh da. Vielleicht passiert auch wieder so etwas wie im letzten Jahr, als der Astronaut Alexander Gerst in seiner Montur als Gast kam. Erst wollten die Sicherheitsbeamten ihn gar nicht einlassen. Danach war er dann umschwärmt von den Nachwuchs-Wissenschaftlern. So sehr, dass einer meiner Mitarbeiter sagte: „Das nächste Mal ziehe ich auch so einen Anzug an.“

Es gibt Ängste, dass die Tagung aus Lindau abgezogen werden könnte, weil die Räumlichkeiten in der Inselhalle sanierungsbedürftig sind. Jetzt hat der Freistaat Millionen zur Verfügung gestellt. Was tut die Forschungsministerin, um das Treffen dort zu halten?

Lindau erregt weltweit Aufmerksamkeit. Es gibt großes Interesse aus China und den USA und Angebote, das attraktive Treffen woanders hin zu ziehen. Dass es gelungen ist, die Tagung in Lindau zu halten, ist ein großer Erfolg für jene, die es initiiert haben und weiter betreiben. Mein Haus beteiligt sich mit rund einer Million Euro. Es ist wichtig, dass man die hohe Qualität der Veranstaltung sichern kann. Entscheidend ist, dass Lindau ein Ort und ein Name ist, der sich unter den Nobelpreisträgern herumspricht. Diese Perle müssen wir in Deutschland halten.

Ist es denkbar, in einer neuen Halle auch einmal Friedensnobelpreisträger nach Lindau zu holen?

Das Format ist der fachbezogene Meinungsaustausch. Das wäre bei Friedensnobelpreisträgern, die oft hochkarätige Staatsmänner sind, gar nicht möglich. Da müsste man sich etwas ganz anderes überlegen.

Was kann Deutschland tun, was können Sie als Forschungsministerin tun, um Nobelpreisträger hervorzubringen?

Wir haben in den letzten Jahren enorme Anstrengungen des Bundes gehabt – etwa für die Exzellenzinitiative, die Alexander von Humboldt-Stiftung oder den DAAD gehabt. Die Forschungslandschaft hat sich verändert. Viele Wissenschaftler kommen gerne nach Deutschland, sie schätzen Verlässlichkeit, Kontinuität und die Profilierung der Standorte. 70 Prozent der Promotionen an den Max-Planck-Instituten werden schon von ausländischen Wissenschaftlern geschrieben. Deutschland ist hoch attraktiv, und das ist auch eine Chance für unsere jungen Wissenschaftler.

Es gibt Kritik, dass Exzellenzinitiativen elitär sind. Muss man nicht auch die Breite fördern?

Man muss auf die richtige Relation von Breite und Spitze achten. Wir brauchen Exzellenzinitiativen, aber wir haben auch beim Hochschulpakt Milliarden für neue Studienplätze ausgegeben.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an die Tagung in Lindau denken?

Besonders imponiert hat mir beim letzten Mal, wie die Nobelpreisträger in die Inselhalle einziehen. Diese großen Namen zu erleben und zu wissen, dass sie dort eine Woche bleiben und über ihre Arbeit diskutieren, das ist schon sehr beeindruckend.