„Mädchen sollten sich trauen, auch untypische Wege zu gehen“

Die Biologin Anja Friederichs hat ihr Interesse zum Beruf gemacht: Spinnen. Als Konservatorin im Naturkundemuseum in Berlin verewigt sie die Tiere für die Forschung. Warum Mädchen über untypische Berufe nachdenken sollten, erzählt sie im Interview.

Konservatorin Anja Friederichs gibt den Mädchen am Girls' Day einen Einblick in ihre Arbeit. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Frau Friederichs, am Girls‘ Day ist Bundesministerin Johanna Wanka mit einer Gruppe von Mädchen bei Ihnen im Naturkundemuseum. Warum ist der Beruf der Konservatorin so interessant für junge Mädchen?

Es ist ein abwechslungsreicher Beruf, der jeden Tag aufs Neue spannend ist. Man weiß nie so genau, was alles passieren kann. Kommt überraschend ein Forscher zu Besuch? Findet man eine lang verschollene Art in der Sammlung? Bei meiner Arbeit macht es mir auch besonders große Freude, wenn ich in einer Führung staunende Besucher für unser Forschungsmuseum und dessen Sammlungen begeistern kann.

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Wie sind Sie auf diesen Beruf gekommen?

Ich habe Biologie studiert und mich nach dem Studium auf eine Stelle beworben, bei der eine Konservatorin gesucht wurde. Aber das ist nur einer von vielen Wegen. In den Beruf des Konservators oder der Konservatorin kommt man sowohl mit einer Lehre, einem Fachstudium oder einem Studium. Auch der Quereinstieg ist möglich. Wichtig sind Kenntnisse zu Erhalt, Pflege und Management einer Sammlung. Außerdem muss man sich mit den Tieren gut auskennen. In meinen Fall sind das die Spinnentiere.

Biologin Anja Friederichs © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Wie arbeitet man als Konservatorin?

Das Ziel meiner Arbeit ist es immer, die meist über 100 Jahre alten Tiere aus Europa und der ganzen Welt für die Forschung so gut wie möglich zu erhalten. Beim Konservieren gibt es ganz unterschiedliche Methoden. Heute nutzt man dazu in der Regel Alkohol. Meine Arbeit ist also auch eine Kombination verschiedener Naturwissenschaften. Einerseits muss ich die Biologie der Tiere gut kennen und andererseits muss ich auch wissen, wie Chemikalien wirken und welche sich am besten eignen. Natürlich dokumentiere ich meine Arbeit auch. Ein Großteil unserer Präparate ist bereits in unserer Datenbank erfasst, so dass sie funktioniert wie eine Bibliothek. Wenn Wissenschaftler an einem Präparat interessiert sind, können wir es ausleihen. Bis wir allerdings alle Präparate digitalisiert haben, habe ich noch jede Menge zu tun.

Was raten sie jungen Mädchen?

Dass sie sich ruhig zu trauen sollen, auch untypische Wege zu gehen und sich selbst treu zu bleiben – egal wie stark der Gegenwind ist. Wichtig ist, dass man einfach einen guten Job macht, dann kommt die Anerkennung von alleine. Das gilt übrigens für beide Geschlechter.

Warum ist es so wichtig, dass das Bundesbildungsministerium einen Aktionstag wie den Girls Day fördert?

Ein Tag wie der Girls‘ Day macht es den jungen Mädchen möglich, einen anderen Blick auf Berufsbilder zu gewinnen, den man sonst eher nicht hat. Das ist eine wichtige und wertvolle Erfahrung, die jedes Mädchen nutzen sollte. Außerdem soll der Blick in Werkstätten, Fabriken, Labore oder auch in ein Museum zeigen, dass man als Frau genauso erfolgreich sein kann wie als Mann – völlig unabhängig von Vorurteilen und Klischees.

Am Girls'Day – Mädchenzukunftstag öffnen Unternehmen, Betriebe und Hochschulen in ganz Deutschland ihre Türen für Schülerinnen ab der 5. Klasse. Die Mädchen lernen Ausbildungsberufe und Studiengänge in IT, Handwerk, Naturwissenschaften und Technik kennen, in denen Frauen bisher eher selten vertreten sind. Seit dem Start der Aktion im Jahr 2001 haben etwa 1,5 Millionen Mädchen teilgenommen. Damit ist der Girls'Day das größte Berufsorientierungsprojekt für Schülerinnen weltweit. Gefördert wird der Aktionstag vom Bundesfamilienministerium und vom Bundesbildungsministerium.