Mädels, macht doch mal MINT!

Junge Frauen sind nicht leicht für mathematisch-technische Berufe zu gewinnen. In einem vom BMBF geförderten Projekt können sich Schülerinnen in Informatik ausprobieren – und haben dabei sogar Blumen programmiert.

Mit Sensoren und Leuchtdioden verleihen die Mädchen sogar Blumen einen Charakter.

© Universität Bremen

Mädchen und junge Frauen für Jobs aus dem Bereich Informatik zu begeistern, ist häufig ein Problem. Ein Verbundprojekt unter der Leitung der Universität Bremen, das vom BMBF gefördert wird, hat sich aber jetzt genau das zum Ziel gesetzt. Motto: „Komm, mach MINT“. MINT steht für die Fachrichtungen Mathematik, Informatik,  Naturwissenschaften und Technik.

Zahlenkolonnen gibt es nicht, sondern praxisnahe Entwicklungen wie Gardinen, die bei einem bestimmten Licht automatisch auf und zugehen, oder ein intelligenter Kleiderschrank, der auf Grundlage von Wetterdaten Vorschläge macht, was man anziehen könnte.

Auch smarte Pflanzen stehen hoch im Kurs. Smarte Pflanzen? Ja, auch das gibt es. Die Schülerinnen entwickelten einen Algorithmus, der es erlaubt, Blumen einen Charakter zu verleihen. Sind sie eher zickig oder entspannt? Was fühlen sie, wenn sich jemand nähert? Die Daten geben die Schülerinnen in einen Kleincomputer ein, der dann die „Kommunikation“ mit dem Betrachter übernimmt, zum Beispiel mit Sensoren und Leuchtdioden.

Koordinator Serge Autexier möchte das Projekt gerne verlängern. © DFKI GmbH

Serge Autexier ist der technische Koordinator des Programms. Er ist immer wieder überrascht, mit welchen Erwartungen die Schülerinnen zu ihm kommen. Häufig zeigen er und seine Kolleginnen und Kollegen den Schülerinnen vorab eine Wohnung, in der viele smarte, also intelligente Gegenstände verbaut sind. „Am Schluss des Rundgangs sagen wir ihnen: Alles, was ihr gerade gesehen habt, ist Informatik. Viele Mädchen bekommen dann große Augen“, sagt er. Dass Informatik so direkt erlebbar ist, sei vielen gar nicht bewusst. Ziel ist es deshalb, besonders praxisnahe Projekte zu entwickeln. „Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, jede Schülerin ist uns willkommen“, sagt er.

In den MINT-Berufen sind Frauen noch immer stark unterrepräsentiert. Das ist nicht nur schade – immerhin wissen viele von ihnen gar nicht, wie vielfältig die Aufgaben als Informatikerin sein können – sondern auch eine gigantische Verschwendung von Talent.

Die einzelnen Projekte organisieren Partner an den Standorten Bremen, Oldenburg und Hamburg. Anmelden können sich aber alle Schülerinnen, geforscht wird ohnehin außerhalb der Schulzeit. Einmal im Jahr lernen sich die Mädchen auf der Messe „smile expo“ kennen und stellen sich gegenseitig ihre Projekte vor. Die nächste Messe findet am 27. April 2019 in Oldenburg statt.

Allerdings: Ob sich Mädchen und junge Frauen mit dem Programm wirklich langfristig für MINT-Berufe begeistern lassen, und ob diese Begeisterung schließlich in einem entsprechenden Studium endet, lässt sich noch nicht sagen. „Wir haben immer wieder Mädchen, die nach einem erfolgreichen Projekt nochmal zu uns kommen“, sagt Autexier.

Das Projekt

„Smile“ ist ein Verbundprojekt unter der Leitung der Uni Bremen. Die weiteren Partner sind das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, der OFFIS e.V. in Oldenburg, die Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg und die HAW in Hamburg.