Malaria in der Schwangerschaft: Neuer Impfstoff soll Mutter und Kind schützen

Malaria ist eine der häufigsten Tropenkrankheiten. Schwangere Frauen sind besonders anfällig für Malaria. Eine Infektion kann für Mutter und Kind tödlich enden. Eine Schutzimpfung soll noch in diesem Jahr in einer klinischen Studie getestet werden.

Rund 200.000 Neugeborene sterben jedes Jahr an Malaria. In den Entwicklungsländern fehlen meist die nötigen Medikamente. © dpa/picture-alliance

Mit den Risiken, die eine Malaria-Infektion mit sich bringt, beschäftigen wir uns hierzulande meist nur, wenn wir in tropische und subtropische Regionen der Welt reisen. Dann schlucken wir Medikamente zur Malaria-Prophylaxe und schlafen unter einem Mückennetz, um uns vor Stichen der Anopheles-Mücke, die den Erreger der Malaria überträgt, zu schützen. Doch die Menschen, die in den Malaria-Gebieten leben, haben oftmals nicht einmal Geld für ein Mückennetz. Jährlich fallen der Malaria – nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO – annähernd 600.000 Menschen zum Opfer. Ein Großteil davon sind Kinder in Afrika.

Blutkörperchen verklumpen in der Plazenta – eine Gefahr für das ungeborene Kind

Eine spezielle Form der Malaria ist die schwangerschaftsassoziierte Malaria. Sie kostet jedes Jahr bis zu 200.000 Neugeborenen das Leben. Das Gefährliche an dieser Malaria-Form ist, dass rote Blutkörperchen, die mit dem Malaria-Erreger infiziert sind, in der Plazenta verklumpen. Das beeinträchtigt die Versorgung des Babys mit Nährstoffen. Im Verlauf der Schwangerschaft kann das zu Komplikationen führen. Die Kinder kommen häufig mit vermindertem Geburtsgewicht zur Welt. Auch Früh- und Totgeburten sind die Folge einer Malaria-Infektion in der Schwangerschaft. Während der Schwangerschaft entsteht durch die Plazenta ein neues Revier für den Malaria-Erreger Plasmodium falciparum, in dem er sich durch spezielle Oberflächenmoleküle einnisten und vermehren kann.

Über gezielte Forschungsförderung im Kampf gegen armutsbedingte und vernachlässigte Krankheiten wie Malaria, Ebola oder HIV werden die Wissenschaftsminister der G7-Staaten während ihres Treffens am 8. und 9. Oktober in Berlin beraten.
 

„Wir schätzen, dass weltweit in den Malaria-Gebieten jedes Jahr weit mehr als 100 Millionen schwangere Frauen von dieser Form der Malaria bedroht sind. Jährlich sterben 10.000 Mütter und bis zu 200.000 Neugeborene und Kleinkinder an ihren Folgen“, sagt Nicola Viebig. Sie ist Projektmanagerin der „European Vaccine Initiative“ mit Sitz am Universitätsklinikum Heidelberg. Die Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, den Frauen und Kindern in den betroffenen Regionen durch die Entwicklung eines Impfstoffes zu helfen.

Startschuss für klinische Prüfung

In den vergangenen vier Jahren hat die „European Vaccine Initiative“ mit Förderung des Bundesforschungsministeriums einen geeigneten Impfstoff erforscht und im Labor umfangreich geprüft. Der Impfstoff basiert auf einem Protein namens VAR2CSA. Dieses Protein des Malaria-Erregers Plasmodium falciparum ist bei infizierten roten Blutkörperchen in der Membran verankert.

„Derzeit ist VAR2CSA der vielversprechendste Kandidat für einen Impfstoff gegen Malaria in der Schwangerschaft“, erklärt Viebig. Bekannt ist, dass Frauen, die eine schwangerschaftsassoziierte Malaria überlebt haben, nach mehreren Schwangerschaften Antikörper gegen genau dieses Protein bilden. So werden sie resistent gegen die schwangerschaftsassoziierte Malaria. „Unser Impfstoff soll diesen Mechanismus nachahmen und Frauen schon während der ersten Schwangerschaft und damit auch ihre Neugeborenen schützen“, hofft Viebig.

Noch im Jahr 2015 soll der Impfstoff in einer klinischen Studie in Frankreich und Burkina Faso untersucht werden. „Unser langfristiges Ziel ist die Einführung eines sicheren, effektiven und erschwinglichen Impfstoffes“, so Viebig. Erste Ergebnisse der Studie erwarten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dann Mitte des Jahres 2016.

Für die Entwicklung des Impfstoffes kooperiert die „European Vaccine Initiative“ mit den französischen Forschungsinstituten Institut National de la santé et de la recherche médicale (Inserm) und Institut National de la Transfusion Sanguine (INTS) sowie mit dem Centre National de Recherche et de Formation sur le Paludisme (CNRFP) in Burkina Faso.

Malaria wird durch den Stich einer weiblichen Anopheles-Mücke übertragen und von einzelligen Parasiten, den Plasmodien, ausgelöst. Sie besiedeln zunächst Leberzellen. Von dort infizieren sie rote Blutkörperchen, in denen sie sich vermehren und zu Keimzellen heranreifen. Die eigentlich sexuelle Vermehrung der Plasmodien findet wieder in der Mücke statt. Dafür ist ein zweiter Mückenstich erforderlich, durch den die Mücke den Parasiten wieder aus dem Blut des Menschen aufnimmt. Der Mensch ist also ein Zwischenwirt.