"Man darf die Vorurteile der Männer nicht bestätigen, sondern muss sie widerlegen"

Alicja Lundt, jüngste Kfz-Meisterin Deutschlands, über ihren außergewöhnlichen Berufsweg, die Arbeit in einer Männerwelt und darüber, warum sie sich immer wieder für Autos statt für Jura entscheiden würde. Ein Interview mit bmbf.de

© BMBF/Hans-Joachim Rickel

bmbf.de: Frau Lundt, Sie sind die jüngste Kfz-Meisterin Deutschlands. Wie kam es, dass Sie sich für diesen Berufsweg entschieden haben?

Alicja Lundt: Ich hatte damals lange überlegt, was ich beruflich machen könnte. Erst dachte ich daran, Jura zu studieren und hatte noch zwei, drei andere Ideen, was meine berufliche Laufbahn betrifft. In die Fußstapfen meiner Eltern zu treten, war eigentlich eine ziemlich spontane Idee, und auch meine Eltern waren sehr überrascht. Meine Eltern haben einen Kfz-Betrieb.

Wie haben die reagiert?

Mein Vater sagte damals nur zu mir: Mach einfach das, was du machen möchtest und solange du mit Herzblut dabei bist, stehen wir hinter dir. Sie hätten beide nie gedacht, dass ich diesen Weg einschlage und eine Ausbildung zur Kfz-Mechanikerin mache. Heute sind sie aber sehr stolz darauf.

Als Frau in einer Männerwelt: Wie fühlt sich das an?

Manchmal ist das in der Männerwelt gar nicht so einfach. Man muss eine gewisse Portion Überzeugung und Selbstbewusstsein haben, um bestehen zu können, aber dann ist es auch gar nicht mehr so schwer. Man ist als Frau in einer Männerdomäne ziemlich gefordert, weil man natürlich die Vorurteile der Männer nicht bestätigen darf, sondern sie widerlegen muss. Aber wenn es klappt, wie man es sich vorstellt, macht es unglaublichen Spaß.

STECKBRIEF

Alicja Lundt hat nach dem Abitur eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin gemacht. Ihre Fortbildung zur Kfz-Meisterin hat sie im Mai 2011 als jüngste Frau in Deutschland abgeschlossen. Seither arbeitet sie als Meisterin im Betrieb ihrer Eltern in Berlin.

Was macht Ihnen an Ihrem Beruf am meisten Spaß?

Mein Beruf ist ziemlich abwechslungsreich. Ich arbeite sowohl im direkten Kundenkontakt, als auch am Fahrzeug. Jeden Tag gibt es neue Herausforderungen, an denen ich wachsen kann. Wir sind hier wie eine kleine Familie und ein tolles Team.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Mein Ziel für die Zukunft ist es, das Geschäft meiner Eltern zu übernehmen und
in familiärer Tradition weiterzuführen.

Gibt es etwas, das Sie anderen Frauen gerne mit auf den Weg geben möchten?

Ich würde mich sehr freuen, in Zukunft noch mehr Frauen in den sogenannten Männerberufen zu sehen. Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sagen, dass ich am Anfang unsicher war. Aber ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich es schaffen kann. Man muss nur mit ganzem Herzen bei der Sache sein und hinter dem stehen, was man tut. Wenn ich jetzt zurückblicke, kann ich nur sagen, dass ich diesen Weg immer wieder gehen würde und mir mein Beruf sehr viel Spaß macht.