Maria Sibylla Merian Centres

Mit den Internationalen Forschungskollegs "Maria Sibylla Merian Centres for Advanced Studies" will das Bundesforschungsministerium die Internationalisierung der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften in Deutschland und der Welt voranbringen.

Die "Maria Sibylla Merian Centres for Advanced Studies" © BMBF

Hierzu sollen in wissenschaftlich und wissenschaftspolitisch wichtigen Regionen und Partnerländern in Asien, Lateinamerika und Afrika Kollegs entstehen, an denen eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland und dem Gastland sowie weiteren Ländern der Region gemein­schaftlich zu geistes- und sozialwissenschaftlichen Themen forscht und dazu regelmäßig Fellows einlädt.

Die Maria Sibylla Merian Centres sind an einer wissenschaftlichen Einrichtung des Gastlandes angesiedelt und werden von deutschen Forschungseinrichtungen in Partnerschaft mit dieser Gasteinrichtung aufgebaut und betrieben. Erste Forschungskollegs dieser Art werden derzeit in Indien, Mexiko und Brasilien vorbereitet. Ein weiteres Forschungskolleg wird ab 2018 in Ghana eingerichtet, ein deutsch-chinesisches Kolleg ist in Planung.

​Die Kollegs legen den Grundstein für eine langfristige Zusammenarbeit in den Geisteswissenschaften mit den jeweiligen Regionen. Sie sollen helfen, gesellschaftliche Entwicklungen und globale Umweltveränderungen zu verstehen und sie aus unterschiedlichen Perspektiven zu untersuchen. Dazu sind Geistes- und Sozialwissenschaften wichtiger denn je - und Partnerschaften, die eine internationale und interdisziplinäre Forschung ermöglichen.

​Die Kollegs im Einzelnen:

Delhi

Das Maria Sibylla Merian Centre in Delhi war das erste vom Bundesforschungsministerium geförderte Forschungskolleg auf dem Gebiet der Geistes- und Sozialwissenschaften im außereuropäischen Ausland. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland haben in einer Vorbereitungsphase gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Indien das Forschungskolleg zum Thema "Metamorphosen des Politischen" aufgebaut.

Denn die Geschichte des indischen Subkontinents liefert reichhaltigen Stoff zur Erforschung, wie sich das Politische in Arenen jenseits des Nationalstaats äußert und immer neue gesellschaftliche Bereiche erfasst. Die Aufarbeitung dieser Geschichte aus vergleichender Perspektive erweitert die empirischen Grundlagen laufender Debatten über das Politische, die sich bisher weitgehend auf nordatlantische Gesellschaften erstreckt haben. Die thematischen Schwerpunkte des Maria Sibylla Merian Centres kreisen um Arbeitspolitik, politische Aspekte der Geschichtsschreibung, Bewegungen zur Erneuerung demokratischer Systeme, Normkonflikte, Geschlechteridentität und Geschlechterverhältnisse. Mehr Informationen auf der Homepage des Centres.

Guadalajara

In Mexiko, am Kolleg an der Universidad de Guadalajara, beschäftigt man sich aus interdisziplinärer Sicht mit Fragen der Wahrnehmung und Reflektion gesellschaftlicher Krisen durch Akteure aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Welche Krisenbewältigungsstrategien entwickeln die Akteure? Wie können neue Ansätze zur Problembearbeitung – auch transregional – aussehen, und wie kann man sie in die Praxis überführen? Das Kolleg ist ein gemeinsames Projekt der Universitäten Bielefeld, Kassel, Hannover und Jena und wird nicht nur am Hauptstandort in Guadalajara Forschungsgruppen einrichten, sondern auch in Buenos Aires (Universidad Nacional de San Martín), Quito (Facultad Latinoamericana de Ciencias Sociales) und San José (Universidad de Costa Rica). Mehr Informationen auf der Homepage des Kollegs.

Sao Paulo

Das Kolleg an der renommierten Universidade de São Paulo in Brasilien startete im Frühjahr 2017. Aus einer Vielfalt disziplinärer Perspektiven, die von Wirtschafts- und Rechtswissenschaft, über Soziologie, Geschichte und Ethnologie bis hin zur Literaturwissenschaft reicht, untersucht das Centre verschiedenste Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. In innovativer Weise wird dort Forschung zu interkulturellen Beziehungen, Klassen- und Geschlechterverhältnissen miteinander verknüpft. An dem Projekt beteiligen sich in Deutschland die Freie Universität Berlin, die Universität zu Köln und das Iberoamerikanische Institut – Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Sie arbeiten über den Hauptstandort in Brasilien hinaus auch eng mit der Universidad Nacional de La Plata in Argentinien und dem Colegio de México zusammen. Mehr Informationen auf der Homepage des Centres.

Accra

Das Forschungskolleg an der renommierten University of Ghana wird sich mit demokratischer Regierungsführung, Konfliktbearbeitung und Nachhaltigkeitstransformation beschäftigen. Im Mittelpunkt stehen drängende Forschungsfragen wie: Was sind Besonderheiten afrikanischer Gesellschaften, in denen demokratische Strukturen Bestand haben? Warum sind gerade Staaten in Subsahara-Afrika mit langwierigen, gewalttätigen Konflikten konfrontiert? Wie wirken sich diese auf Flucht- und Migrationsbewegungen aus? Partner in Deutschland sind die Universitäten Freiburg, Frankfurt am Main und Konstanz sowie das GIGA-German Institute of Global and Area Studies und das Deutsche Historische Institut Paris der Max Weber Stiftung.