Mathematiker Peter Scholze: Ein Vorbild für junge Generationen

Peter Scholze hat als zweiter Deutscher die Fields-Medaille erhalten – die höchste Mathematik-Auszeichnung. „Ich wünsche mir, dass junge Menschen sich von Ihrem Weg inspirieren lassen“, sagt Staatssekretär Michael Meister beim Festkolloquium in Bonn.

"Teilen Sie die Begeisterung für Ihre Disziplin mit anderen Menschen!", sagt Staatssekretär Michael Meister anlässlich des Festkolloquiums für Peter Scholze, den Preisträger der Fields-Medaille. © VOLKER LANNERT

Grußwort von Dr. Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung anlässlich des Festkolloquiums für Prof. Dr. Peter Scholze, 01. Oktober 2018, Campus Poppelsdorf, Universität Bonn.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Professor Scholze,

sehr geehrter Herr Professor Hoch,

sehr geehrter Herr Sridharan,

sehr geehrter Herr Dr. Stamp,

sehr geehrter Herr Professor Strohschneider,

sehr geehrter Herr Professor Stratmann,

sehr geehrter Herr Professor Görtz,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich richte Ihnen herzliche Grüße von Frau Bundesforschungsministerin Karliczek aus. Ich freue mich sehr, stellvertretend für meine Ministerin das Festkolloquium für Sie, Herr Professor Scholze, zu begleiten und Ihnen die herzlichsten Glückwünsche zur Fields-Medaille zu übermitteln!

Schon in früher Schulzeit zeigten Sie, Herr Professor Scholze, eine große Begabung für Zahlen und Formeln. Sie findet ihren deutlichsten Ausdruck in zahlreichen internationalen und nationalen Mathematikwettbewerben, aus denen Sie als Sieger hervorgegangen sind. Unter anderem auch fünfmal in dem vom Bundesforschungsministerium unterstützten Bundeswettbewerb für Mathematik.

Mit ihrer Doktorarbeit zum Thema „Perfektoide Räume“ erregten Sie großes Aufsehen in der Fachwelt. Auf Basis dieses neuen Ansatzes gelingt es erstmals, eine Reihe von bedeutenden Problemen der Mathematik zu lösen.

Kurz darauf folgten Sie einem Ruf der Universität Bonn. Mit nur 24 Jahren wurden Sie jüngster W3-Professor Deutschlands im Hausdorff Center for Mathematics. Seit 2018 sind Sie darüber hinaus Direktor am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn.

Meine Damen und Herren, als besonderes „Sahnehäubchen“ nun die Fields-Medaille! Dies ist in der 80jährigen Geschichte der Auszeichnung die zweite Medaille, die an einen Deutschen geht. Der aktuelle Preisträger kommt wie sein Vorgänger Herr Professor Gerd Faltings aus Bonn

Vor diesem Hintergrund freue ich mich ganz besonders, dass Sie sich beide für eine wissenschaftliche Karriere in Deutschland entschieden haben. Bonn ist dank Ihnen beiden als Standort für die Mathematik weltweit hochangesehen und sichtbar. Durch das HCM ist es eng mit dem Namen Felix Hausdorff verknüpft.

Felix Hausdorff war ein herausragender Mathematiker, der wesentliche Beiträge zu verschiedenen Gebieten der Mathematik leistete: Topologie, Algebra, Maßtheorie sind nur einige davon. Sein tragisches Schicksal sollte uns allen eine Mahnung sein, für Demokratie und ein friedliches Miteinander einzutreten! Gerade die Wissenschaft leistet mit ihrer internationalen Vernetzung hier wertvolle Beiträge.

Meine Damen und Herren,

durch meinen eigenen Hintergrund als Mathematiker und Informatiker schätze ich die Mathematik als eine Sprache, um die Welt zu beschreiben. Doch vielen Menschen geht das anders. Die Formelreihen wirken abschreckend und komplexe theoretische Gedankengebäude sind für die Wenigsten greifbar. „Wozu mag das gut sein?“, mag sich manch einer fragen.

Nun, die Mathematik ist ein Kulturgut mit jahrtausendealter Tradition. Gleichzeitig ist sie hochmodern: Kaum eine andere Wissenschaft beeinflusst unsere Lebens- und Arbeitswelt so stark wie die Mathematik!

Die Erfahrung zeigt, dass abstrakte Theorien auch immer wieder in Anwendungen münden. Zum Beispiel sind die Beiträge einer der größten deutschen Mathematikerinnen Emmy Noether eine wesentliche Säule der Physik.

Sie, Herr Professor Scholze, sind einer der Direktoren hier am Max-Planck-Institut für Mathematik in Bonn. Max Planck hat einmal gesagt: "Dem Anwenden muss das Erkennen vorausgehen". In der Tat: Ohne Theorie, ohne wissenschaftliche Grundlagen – und scheinen sie anfangs noch so abstrakt – können keine Anwendungen und keine Innovationen entstehen.

Lassen Sie mich hier ein schönes Beispiel geben: Im Förderschwerpunkt "Mathematik für Innovationen" stellt das BMBF für anwendungsbezogene mathematische Forschungsarbeiten, die einen strategischen Nutzen für unsere Gesellschaft haben müssen, rund fünf Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Zum Beispiel um Herausforderungen wie die Energiewende zu meistern oder die Digitalisierung voranzutreiben. Dies trägt entscheidend zur Wertschöpfung und Lebensqualität in Deutschland bei.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ein weiterer Aspekt ist mir wichtig: Unser Land braucht MINT-Nachwuchs, der mit neuen progressiven Ideen die Fachwelt zum Staunen bringt und Deutschland als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort weiter stärkt.

Im Bundesforschungsministerium fördern wir daher mit gezielten Programmen und Formaten die junge Generation. Unser Angebot reicht von der Kita bis ins Erwachsenenalter. Auf diese Weise wollen wir bei jungen Menschen die Begeisterung für die MINT-Berufe wecken und aufrechterhalten. Beispiele sind das „Haus der kleinen Forscher“, das Wissenschaftsfestival „Highlights der Physik“, die fachspezifischen Bundeswettbewerbe oder „Jugend forscht“.

In der Mathematik unterstützen wir junge Mathe-Talente beispielsweise durch die Mathematik-Olympiaden oder den Bundeswettbewerb Mathematik. Sie selbst, Herr Professor Scholze, kennen diese Wettbewerbe nur allzu gut.

Ich habe mich sehr über das überwältigende Medienecho und das große öffentliche Interesse im Zusammenhang mit Ihrer Auszeichnung mit der Fields-Medaille gefreut.

Sie erfüllen für die junge Generation eine Vorbildfunktion. Ich wünsche mir, dass junge Menschen sich von Ihrem Lebensweg inspirieren lassen und die Mathematik als ein faszinierendes Fach mit attraktiven Karrieremöglichkeiten entdecken.

Meine Damen und Herren,

bevor ich zum Ende komme, meine Bitte an alle Mathematikerinnen und Mathematiker hier im Raum: Teilen Sie die Begeisterung für Ihre Disziplin mit anderen Menschen! Berichten Sie der Gesellschaft über Ihre Arbeit. Halten Sie öffentliche Vorträge – auch in Schulen – und leisten Sie so einen wertvollen Beitrag, indem Sie mehr junge Leute für MINT-Fächer begeistern! Dann werden vielleicht in Zukunft mehr Menschen, wenn sie in der Öffentlichkeit über ihre Schulzeit sprechen, sich trauen, zu sagen: „In Mathe war ich gut!“

Lieber Herr Professor Scholze – nochmals herzlichen Glückwunsch und alles Gute für die Zukunft!

Vielen Dank!