Max Planck Schools startbereit

Heute wurden die Verträge mit den an den Max Planck Schools beteiligten Universitäten unterzeichnet: „Damit treten wir in Konkurrenz zu Oxford, Cambridge, der ‚Ivy League‘ oder ähnlichen Eliteuniversitäten“, sagt Staatssekretär Michael Meister.

Rede von Dr. Michael Meister, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung anlässlich der Zeichnung der Kooperationsvereinbarungen zwischen der MPG und Universitäten im Rahmen der neuen Max Planck Schools am 12.12.2018 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrter Herr Professor Stratmann,

verehrte Repräsentanten der Universitäten und Schools,

verehrte Gäste,

ich freue mich, dass ich heute beim zweiten Startschuss für die neuen Max Planck Schools mit dabei sein kann. Der erste Startschuss wurde am 4. September letzten Jahres bei einer Pressekonferenz im BMBF gegeben. Auf dieser wurden die drei ausgewählten Schools – „Photonics“, „Matter to Life“ und „Cognition“ – bekannt gegeben.

Mit diesen Schools – und hier spreche ich ausdrücklich alle beteiligten Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen an, denn diese Initiative wurde ja von Ihnen allen gemeinsam gestartet – haben Sie eine neue Marke für eine Graduiertenausbildung mit internationaler Strahlkraft in die Welt gebracht.

Damit sollen die Potentiale exzellenter, gleichwohl verteilter Ressourcen konzentriert und stärker herangezogen werden, indem sich die besten Forscherinnen und Forscher in zukunftsweisenden Themenfeldern national zu einer neuen Form der Graduiertenausbildung zusammenschließen.

Dies ist bei der heutigen Entwicklung, in der Wettbewerb immer globaler und intensiver wird, ein wichtiger, aber – zumindest hier in Deutschland – auch ein wissenschaftsorganisatorisch innovativer und konzeptionell wegweisender Schritt. Herzlichen Glückwunsch hierfür!

Für die Politik haben Wissenschaft und Forschung einen sehr hohen Stellenwert. Deshalb unterstützen Bund und Länder mit Ressourcen und nationalen Initiativen wie dem Hochschulpakt, der Exzellenzstrategie, dem Pakt für Forschung und Innovation oder dem Qualitätspakt Lehre den Wissenschaftsstandort Deutschland.

Die Max Planck Schools stellen in dieser Gesamtstrategie einen neuen Baustein dar, um exzellente Lehre und Spitzenforschung zusammenzubringen. Zudem sollen mit den Max Planck Schools sehr junge, ja studentische Generationen von Top-Talenten so gefördert werden, dass gute Chancen bestehen, sie zu Forscherinnen und Forschern auf Weltniveau zu machen. All dies ist natürlich ein wissenschaftspolitisches Experiment – aber ganz sicher eines, das einmal gemacht werden muss.

Damit reihen sich die Max Planck Schools in die neue Profilbildung und Exzellenzorientierung des deutschen Wissenschaftssystems ein. Mit der Tenure-Track-Professur zum Beispiel sollte ein Kultur- und Strukturwandel im deutschen Wissenschaftssystem angestoßen werden. Denn es ist wichtig, den besten Köpfen jeder Generation eine verlässliche Perspektive für ihre akademische Karriere zu bieten. Dass wir dabei auch auf die besten Köpfe internationaler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in spe setzen müssen, soll mit den neuen Schools angegangen werden.

Die Max Planck Schools sind in diesem Bestreben, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu sichern und weiter zu entwickeln, ein Vorzeigeprojekt, denn es ist eine Idee aus der Wissenschaft heraus, die organisationsübergreifend im deutschen Wissenschaftssystem wirkt.

Das  Hauptziel der Max Planck Schools ist, durch die Bündelung verteilter Exzellenz zu überregionalen Forschungs- und Ausbildungsnetzwerken einen institutionenübergreifend wirksamen Magneten zu schaffen. Dieser soll forschungsaffine, international herausragende Studierende dazu bewegen, sich für einen sehr anspruchsvollen Promotionsstudiengang in Deutschland zu entscheiden. Damit treten wir in Konkurrenz zu Oxford, Cambridge, der ‚Ivy League‘ oder ähnlichen Eliteuniversitäten. Und natürlich wecken wir damit hohe Erwartungen, die es auch einzulösen gilt.

Die hohen Ansprüche haben Sie, die Max Planck School Gründerinnen und Gründer, selbst formuliert. Sie reichen von wissenschaftlicher Qualität auf Weltniveau bis zu einer hohen nationalen und internationalen Sichtbarkeit der Schools für herausragende Bewerberinnen und Bewerber insbesondere aus den Forschungshochburgen der Welt, von einem hohen Innovationsgrad und wissenschaftlichem Output der Schools bis zu einer hohen Anschlussfähigkeit der Schools-Absolventinnen und -absolventen. Daneben sollen die Schools neue Standards zur Verbesserung der Qualität der Lehre setzen und neue digitalisierte Formate für das Lehren, das Lernen und das forschende Kooperieren entwickeln.

Mit den Max Planck Schools wird also Neuland betreten, für das Orientierungswissen generiert werden muss. Heutzutage traut sich in der Regel niemand mehr ohne GPS auf eine Abenteuerreise. Für die Schools gibt es aber noch keine Landkarte.

Darin besteht gerade die Herausforderung: Neues schaffen, das in Folge dauerhaft eine Bereicherung im deutschen Wissenschaftssystem darstellt. Neue Landstriche sollen erforscht und Brücken zwischen Altem und Neuem gebaut werden.

Für diese Visionskraft und den Mut, diese Vision in die Realität umzusetzen, sei Ihnen, Herr Professor Stratmann und Ko-Visionäre aus den Universitäten und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen zunächst einmal unsere Anerkennung und auch unser Dank ausgesprochen.

Damit diese Vision in Zukunft in unserem Bildungs- und Wissenschaftssystem fest verankert wird, ist es erforderlich, bei der Pionierfahrt ins akademische Neuland einen geeigneten Orientierungsrahmen für zukünftige Fahrten, nämlich die mögliche Fortführung der Schools, zu erheben und zu bewerten. Dafür muss die Erreichung der selbst gesteckten Ziele bemessen und müssen die „lessons learnt“ in die Landkarte eingezeichnet werden.

Deshalb wird das BMBF – wie mit Ihnen ausgiebig diskutiert – eine begleitende Evaluierung in Auftrag geben, die die ersten drei Max Planck Schools von Anfang an und bis zum Promotionsabschluss der ersten Kohorte begleitet.

Daraus sollen Erkenntnisse über die Funktionalität und die möglichen Zielbeiträge des neuen Bausteins Max Planck Schools abgeleitet werden. Es soll, wie vom Wissenschaftsrat richtig gefordert, von unabhängiger dritter Seite erhoben werden, welche Prozesse und Details optimal verlaufen und wo vielleicht doch ein zweites Nachdenken und Nachsteuern vonnöten ist.

Die von Ihnen selbst aufgestellten Qualitätskriterien bilden dabei die Richtschnur. Als ein Ergebnis erwarten wir handlungsleitende Erkenntnisse darüber, wie sich die komplexe Aufbaustruktur der einzelnen Schools in deren Umsetzung generell bewährt und wie sie konkret zur Verbesserung des deutschen Innovationssystems beitragen.

In diesem Sinne möchte ich allen, die sich in die Entstehung der Max Planck Schools eingebracht haben und an den drei ersten Max Planck Schools beteiligt sind, noch einmal herzlich danken, denn es war bereits bis hierhin ein weiter Weg.

Neue Wege sind nie befestigte und gut zu befahrende Straßen, sondern verschlungene, nicht einfach zu findende Pfade. Sie bedürfen stets eines unerschütterlichen Glaubens, eines festen Zieles und zäher Ausdauer. Deshalb möchte ich Ihnen als Motto mit auf den Weg geben: „Wenn Du an etwas zweifeln möchtest, dann nur an Deinen Grenzen.“

In diesem Sinne herzlichen Dank und einen Abend voll anregendem Austausch!