Medizininformatik

Die Vernetzung von Gesundheitsdaten verbessert Forschungsmöglichkeiten und Patientenversorgung. Mit dem Förderkonzept Medizininformatik trägt das Bundesforschungsministerium dazu bei, die Chancen der Digitalisierung für die Medizin zu nutzen.

Digitale Medien werden auch in der medizinischen Praxis immer wichtiger. © Canstockphoto/Productionperig

Patientinnen und Patienten erleben nicht selten eine regelrechte Odyssee von Arztbesuchen bis sie die richtige Diagnose und eine optimale Therapie erhalten. Ein Grund hierfür kann sein, dass dem behandelnden Arzt wichtige Patientendaten fehlen oder er zu wenige Informationen über vergleichbare medizinische Fälle hat.

Patienten und Ärzte könnten also entscheidend profitieren, wenn

  • alle relevanten Gesundheitsdaten des Patienten,
  • alle für eine Krankheit verfügbaren Forschungsdaten und -ergebnisse sowie
  • das dazugehörige medizinische Fach- und Erfahrungswissen

intelligent verknüpft zur Verfügung stünden. Das Förderkonzept Medizininformatik setzt einen starken Impuls für die Entstehung eines solchen digital vernetzten Gesundheitssystems. Ärztinnen und Ärzte, aber auch Forscherinnen und Forscher sollen besser in die Lage versetzt werden, aus den bestehenden Daten praxisorientiertes Wissen abzuleiten.

Möglichkeiten der Digitalisierung besser nutzen

© Jörg Müller

Schon heute produzieren Klinik und Forschung sehr viele Daten – und täglich kommen neue hinzu. Immer mehr Röntgenbilder, Arztbriefe oder Laborwerte werden elektronisch erfasst und gleichzeitig erlauben es neue biomedizinische Technologien zum Beispiel das gesamte Erbgut von Tumorproben in kürzester Zeit zu entschlüsseln. Bisher werden all diese Daten noch zu wenig  miteinander verknüpft und in Zusammenhang gesetzt.

Dabei eröffnet deren intelligente Verknüpfung neue Möglichkeiten für die Patientenversorgung, aber auch für die biomedizinische Forschung. Denn Forschungsdaten alleine sind oft nur „molekulare Momentaufnahmen“ einer Erkrankung. Zusammen mit Behandlungsdaten, die der Arzt über einen längeren Zeitraum aufzeichnet, lassen sich der Verlauf und die Komplexität einer Krankheit viel genauer beschreiben. Das ermöglicht es den Forschern ein besseres Verständnis von Krankheiten zu erlangen, was für die Entwicklung neuer, individualisierter Präventions-, Diagnose- und Therapieverfahren dringend benötigt wird.

Brückenschlag zwischen Gesundheitswesen und biomedizinischer Forschung

Das neue Förderkonzept soll die medizinische Forschung stärken und die Patientenversorgung verbessern. Innovative IT-Lösungen sollen künftig den Austausch und die intelligente Nutzung von Daten aus Krankenversorgung, klinischer und biomedizinischer Forschung ermöglichen.

Mit zunächst 100 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren unterstützt das Bundesforschungsministerium die Etablierung von „Datenintegrationszentren“ an deutschen Universitätskliniken und Partnereinrichtungen. Diese Zentren sollen beispielhaft demonstrieren, wie Daten, Informationen und Wissen aus Krankenversorgung, klinischer und biomedizinischer Forschung über die Grenzen von Standorten hinweg verknüpft werden können.

Die geförderten Konsortien werden medizinische Anwendungsfälle definieren und für sie exemplarische Lösungen erarbeiten. Dabei soll anwendbares medizinisches Wissen entstehen, das am Krankenbett zu spürbaren Verbesserungen für die Patienten führt. Gleichzeitig soll die medizinische Forschung von einer besseren Daten- und Wissensbasis profitieren.