Meeresbiologin Boetius und Abwasser-Experten erhalten Deutschen Umweltpreis

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat die Preisträger ihres Umweltpreises 2018 bekanntgegeben: Ausgezeichnet werden die Meeresbiologin Antje Boetius und das Expertenteam eines Abwasserprojektes, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird.

Professorin Antje Boetius ist Direktorin des Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar und Meeresforschung in Bremerhaven. Sie erforscht unter anderem das Leben in der Tiefsee und wie es Einfluss auf das Weltklima nimmt. © AWI/Achim Multhaupt/laif
Das Preisträger-Team aus Leipzig (v.l.): Dr. Manfred van Afferden (UFZ), Prof. Dr. Roland A. Müller (UFZ), Dr. Mi-Yong Lee (UFZ) und Wolf-Michael Hirschfeld (BDZ). Das Team hat in den vergangenen Jahren die Grundlagen für ein dezentrales Abwassersystem in Jordanien entwickelt und politisch mitumgesetzt. © André Künzelmann, UFZ

Sauberes Wasser für alle Menschen in Jordanien: An diesem Ziel arbeitet ein interdisziplinäres Forscherteam aus Leipzig – und ihr Ziel ist greifbar nah. Eine innovative Systemlösung zur Aufbereitung von Abwasser soll die knappen Grundwasserressourcen schützen und den Frischwasserverbrauch minimieren. In den vergangenen Jahren haben sie die Grundlagen für ein dezentrales Abwassersystem entwickelt und politisch mitumgesetzt. Dafür erhalten die Forschenden vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) Roland A. Müller, Manfred van Afferden, und Mi-Yong Lee sowie der Initiator des Bildungs- und Demonstrationszentrums für dezentrale Abwasserbehandlung in Leipzig, Wolf-Michael Hirschfeld, am 28. Oktober in Erfurt von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Deutschen Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Sie erhalten die Hälfte des mit 500.000 Euro dotierten Preises. Die andere Hälfte geht an die Meeresbiologin Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar und Meeresforschung. Durch ihre Forschung habe sie die Bedeutung von Tiefsee-Mikroben für das Weltklima belegt, begründete die DBU die Entscheidung.

Weltweit werden etwa 80 Prozent des Abwassers ohne Reinigung in die Umwelt entlassen

Die nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen sehen vor, bis zum Jahr 2030 die Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser- und Sanitärversorgung für alle Menschen zu gewährleisten. Weltweit werden derzeit allerdings etwa 80 Prozent des Abwassers ohne Reinigung in die Umwelt entlassen. In Jordanien konnte das Leipziger Team aus Forschenden und Praktikern zeigen, dass sich Wasserprobleme durch innovative Technik und den Dialog mit Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vor Ort lösen lassen. Ihre Arbeit ist Teil des Forschungsverbundes SMART und des Projektes "Implementierungsbüro Amman", die vom Bundesforschungsministerium gefördert werden.

Die neue Technologie reinigt das Abwasser direkt am Entstehungsort

Das Expertenteam hat ein dezentrales Abwassersystem entwickelt. Das heißt: Es kann nicht nur in großen Klärwerken gereinigt und aufbereitet werden, sondern direkt am Entstehungsort des Abwassers. „Diese Flexibilität ist besonders für ländliche und vorstädtische Gebiete ein Gewinn. Denn dort verhindern häufig hohe Investitions- und Betriebskosten für lange Kanalnetze und Pumpwerke den Anschluss an die nächste zentrale Kläranlage“, erklärt UFZ-Biotechnologe Roland A. Müller. „Mit der neuen Technologie können wir das Grundwasser vor Verunreinigungen schützen, die Trinkwasserqualität sichern und Wasser zur landwirtschaftlichen Bewässerung von Feldern leichter verfügbar machen“, sagt der Experte.

Jordanien möchte den Abwassersektor mit deutscher Hilfe langfristig neu ausrichten

Ergänzend zur Verbesserung der Technologien ist es dem Team gelungen, Gesellschaft und Politik in den Prozess des nachhaltigen Wassermanagements einzubinden. Beispielsweise fördern deutsche und jordanische Firmen gemeinsam junge Menschen, damit diese vor Ort die neuen Abwassersysteme bauen und betreuen können. Auch politischen Rückhalt gibt es für das Projekt: Das jordanische Kabinett verabschiedete im Jahr 2016 das erste politische Rahmenwerk für dezentrales Abwassermanagement im arabischen Raum, an dem das deutsche Team aktiv mitwirkte.

Boetius erforscht Tiefsee-Mikroben und deren Einfluss auf das Weltklima

Antje Boetius ist Direktorin des Alfred-Wegener-Institut – Helmholtz-Zentrum für Polar und Meeresforschung in Bremerhaven. Sie erforscht unter anderem das Leben in der Tiefsee und wie es Einfluss auf das Weltklima nimmt. Mikroorganismen entziehen dem Meer Kohlendioxid und speichern einen Teil davon im Meeresboden. Dort lagern auch große Mengen Methan – ein Treibhausgas, das 25-mal stärker wirkt als Kohlendioxid. Spezielle methanfressende Mikroben sorgen dafür, dass nur wenig in die Atmosphäre entweicht und verhindern somit ein schnelleres Aufheizen des Planeten. Boetius warnt daher: „Die kaum erforschte Tiefsee ist einer unserer letzten großen Naturräume, sie spielt eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Erde und ihrer Lebensvielfalt. Die Küsten, Meere und Polarregionen müssen mehr in den Blick genommen werden, wenn es um nachhaltige Entwicklungsziele geht. Es ist höchste Zeit, einen besseren Umgang mit den Meeren zu organisieren und für den Schutz mariner und polarer Lebensräume zu sorgen.“

Der Deutsche Umweltpreis der DBU

Mit der Vergabe des Deutschen Umweltpreises der DBU sollen Einsatz und Leistungen ausgezeichnet werden, die entscheidend und in vorbildhafter Weise zum Schutz und zur Erhaltung der Umwelt beigetragen haben bzw. in Zukunft zu einer deutlichen Umweltentlastung beitragen werden. Der Preis ist mit 500.000 Euro der höchstdotierte Umweltpreis Europas. Mit den diesjährigen Preisträgern betont die DBU die Bedeutung der Meere und Ozeane für Klima, Lebensvielfalt und Nahrungsversorgung. Zudem warnt die Stiftung vor Klimawandel, Umweltverschmutzung und Überfischung. Gleichzeitig wird auch der Forderung der Vereinten Nationen Nachdruck verliehen werden, bis 2030 für die Weltbevölkerung sauberes Wasser und angemessene Sanitärversorgung zu gewährleisten.