Mehr Geld für die Rheuma-Forschung

Das Bundesforschungsministerium möchte interdisziplinäre Verbünde zu muskuloskelettalen Erkrankungen in den kommenden drei Jahren mit bis zu 20 Millionen Euro fördern. Das kündigte Staatssekretär Thomas Rachel bei der Jubiläumsfeier des DRFZ an.

"Ich freue mich daher sehr, Ihnen heute mitteilen zu können, dass wir zum Thema muskuloskelettale Erkrankung in Kürze eine Richtlinie zur Förderung interdisziplinärer Forschungsverbünde veröffentlichen werden", sagt Staatssekretär Thomas Rachel anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums. © BMBF/Hans-Joachim Rickel

Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Thomas Rachel (MdB), anlässlich des 30-jährigen Jubiläums des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums am 20.11.2018 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort

Sehr geehrter Herr Professor Radbruch,

sehr geehrte Frau Starke,

sehr geehrter Herr Müller,

sehr geehrter Herr Professor Kleiner,

meine sehr verehrten Damen und Herren!

„Theoria cum praxi“ – „Wissenschaft zum Nutzen und Wohl der Menschen“. Dieses Motto der Leibniz-Gemeinschaft ist auch ganz im Sinne des BMBF. In kaum einem anderen Forschungsbereich können die Menschen so unmittelbar von neuen Erkenntnissen und Innovationen profitieren wie in der Gesundheitsforschung. Hier im Deutschen Rheuma-Forschungszentrum sehen wir besonders anschaulich wie dieses Motto umgesetzt wird:

Es gelingt Ihnen, hervorragende Grundlagenforschung, klinische Forschung und anwendungsbezogene Versorgungsforschung zu verbinden. So tragen Sie seit 30 Jahren dazu bei, das Leben rheumakranker Menschen nachhaltig zu verbessern.

Hierfür danke ich Ihnen und gratuliere Ihnen ganz herzlich zum diesem Jubiläum!

Lassen Sie mich Ihren Erfolg an einem Beispiel darstellen, das – wie ich finde- sehr gut zeigt, wie nah Sie mit Ihrer Forschung an den Belangen der Patientinnen und Patienten dran sind:

Der Verbund „PROCLAIR“ ist Teil des BMBF geförderten Forschungsnetzes zu muskuloskelettalen Erkrankungen. Für dieses Forschungsnetz stellt das  BMBF von 2015 bis 2019 rund 35 Mio. Euro zur Verfügung.

Unter Federführung des DRFZ konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anhand von Krankenkassendaten und Patientenbefragungen zeigen, dass die Krankheitslast und die Versorgungssituation bei verschiedenen Rheumaformen durchaus unterschiedlich sind. So werden beispielsweise entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen nach wie vor erst mit erheblicher Verzögerung diagnostiziert – eine große Belastung für die Betroffenen. Bei anderen rheumatischen Erkrankungen hat sich die Situation dagegen in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich verbessert. Die Auswertungen zeigen auch weitere Versorgungsdefizite und regionale Versorgungsunterschiede auf.

Jetzt, wo wir das wissen, können wir diese Probleme gezielt angehen. In einem Krankheitsbereich, der aufgrund von starken Schmerzen häufig mit großem persönlichem Leid verbunden ist, tragen Sie so nachhaltig zur Verbesserung der Situation aller Patientinnen und Patienten bei.

Dies gilt übrigens auch für andere Projekte des Forschungsnetzes zu muskuloskelettalen Erkrankungen.

Die acht Verbünde des Forschungsnetzes bündeln die Kompetenzen in der anwendungsorientierten Grundlagenforschung, der klinischen Forschung und der Versorgungsforschung. Sie adressieren wissenschaftliche Fragen mit großer Bedeutung für die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Gelenk- und Knochenerkrankungen, Rheumatoide Arthrits, Osteoarthritis, Schmerz, Osteoporose und Frakturen.

Ich freue mich daher sehr, Ihnen heute mitteilen zu können, dass wir zum Thema muskuloskelettale Erkrankung in Kürze eine Richtlinie zur Förderung interdisziplinärer Forschungsverbünde veröffentlichen werden. Vorgesehen ist hier eine Förderung über drei Jahre, für die das BMBF insgesamt bis zu 20 Millionen Euro bereitstellen wird. Die Forschung soll sich insbesondere mit wichtigen krankheitsübergreifenden Fragestellungen im Bereich der muskuloskelettalen Erkrankungen beschäftigen.

Doch lassen Sie mich noch einmal auf Ihre erfolgreichen Beiträge zur Verbesserung der Situation von Menschen mit rheumatischen Erkrankungen zurückkommen.

Wie gelingt es, Forschung so zu gestalten, dass sie bei den Menschen ankommt? Die Stärkung der Translationsprozesse ist dem BMBF ein wichtiges Anliegen – dies wird sich auch im neuen Rahmenprogramm Gesundheitsforschung widerspiegeln. Es lohnt sich also, hier etwas genauer hinzusehen:

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit Forschungsergebnisse möglichst schnell den Menschen helfen können?

Interdisziplinarität ist eine wichtige Voraussetzung. Im Deutschen Rheuma-Forschungszentrum arbeiten Grundlagenforscher mit klinisch tätigen Ärztinnen und Ärzten an der Charité eng zusammen. Erfolge in der Forschung werden dadurch maßgeblich befördert. Das von Ihnen etablierte Instrument der sogenannten “Liaison-Gruppen” hat sich als Erfolgsmodell bewiesen.

Die Forschung am DRFZ profitiert außerdem von dem Miteinander von Grundlagen- und klinischer Forschung mit epidemiologischer und gesundheitsökonomischer Forschung. Nur durch diesen engen Austausch können Forschungsergebnisse rasch in die Versorgungspraxis überführt werden.

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist eine enge Verknüpfung von Forschung und Versorgung. Zusammen mit der Charité haben Sie bereits attraktive Karrierewege für „Clinician Scientists“ realisiert. Damit bieten Sie forschenden Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit, eine wissenschaftliche mit einer klinischen Laufbahn zu verbinden und bauen eine Brücke zwischen Forschung und Patientenversorgung.

Hinzu kommen zahlreiche Kooperationen mit Industriepartnern. Auch diese tragen dazu bei, dass die Forschungsergebnisse schnell in die Anwendung kommen und wirtschaftlich verwertet werden können.

Diese Beispiele zeigen, dass viele Voraussetzungen für eine gelingende Translation am DRFZ bereits vorhanden sind. Sie werden hier als Praxis gelebt. .

Ein Teil Ihrer Forschungsaktivitäten zielt auf die Entwicklung personalisierter Präventions- und Behandlungsansätze ab. Sie greifen die großen Innovationen und Erkenntnisse der letzten Jahre auf, um die Behandlung der Patienten noch wirkungsvoller und nebenwirkungsärmer zu gestalten.

Auch das BMBF sieht in der Stärkung der personalisierten Medizin einen wichtigen Schritt, um technologische Fortschritte zur Verbesserung der Versorgung zu nutzen. Heute Morgen hat die Konferenz des „Internationalen Konsortium für Personalisierte Medizin (ICPerMed)“ begonnen, bei der das BMBF gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium Gastgeber ist. Die personalisierte Medizin wird auch im neuen Rahmenprogramm Gesundheitsforschung eine wichtige Rolle spielen. Schon jetzt fördert das BMBF die Entwicklung personalisierter Behandlungsansätze in vielfältiger Weise. Auch das DRFZ ist an einem Verbund der Fördermaßnahme „Forschungskonsortien zur Systemmedizin“ beteiligt, für die das BMBF von 2013 bis 2019 insgesamt rund 85 Mio. Euro bereitstellt. Der sysINFLAM Verbund erforscht die medizinischen und molekularbiologischen Grundlagen für stärker individualisierte Therapie- und Vorsorgekonzepte für Menschen mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen.

30 Jahre Forschung zu rheumatischen Erkrankungen liegen hinter dem DRFZ - Herausforderungen im Kampf gegen Rheuma wird es auch noch in den nächsten 30 Jahren geben. Nehmen Sie diese Herausforderungen weiterhin an. Tragen Sie mit Ihrer Forschung weiterhin in so beeindruckender Weise dazu bei, dass Leid der Betroffenen zu lindern. Ich wünsche Ihnen – auch im Interesse aller Patientinnen und Patienten – viel Erfolg bei Ihrer Arbeit!

Vielen Dank.