„Mein Horizont hat sich erweitert“

Viel Lob erhielt ein Mentoring-Programm für junge Pflanzenforscher. Im Dialog mit erfahrenen Fach- und Führungspersönlichkeiten erhielten junge Nachwuchswissenschaftler wertvolle Einblicke in die Berufswelt außerhalb der Forschung.

In dem Mentoren-Programm lernten die Teilnehmenden viel über den langen Weg, den wissenschaftliche Erkenntnisse zurücklegen müssen, bis sie in der Praxis ankommen (Symbolbild). © Getty Images / FangXiaNuo

Isabelle Deppé ist Doktorandin in der Pflanzenzüchtung. Sie erforscht, wie Raps als einheimische Quelle von hochwertigem Protein als Nahrungsmittel dienen könnte. Dabei fragt sie sich auch, was mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Praxis geschieht. Noch eine Frage: „Und wie sieht eine mögliche Arbeit außerhalb der Forschung aus?“

Die Teilnahme an einen Mentoring-Programm der PLANT 2030 ACADEMY in der BMBF-Förderinitiative „Pflanzenzüchtungsforschung für die Bioökonomie ermöglichte ihr tieferen Einblick über den weiteren Weg, den wissenschaftliche Ergebnisse gehen. Das Programm förderte den Kontakt zwischen der Nachwuchswissenschaftlerin und einer erfahrenen Fachkraft.

Dank ihrer Mentorin erhielt die junge Forscherin wertvolle Einblicke in die Berufswelt. Die Betreuerin arbeitet in Brüssel auf der politischen Ebene; sie berät als Repräsentantin eines Interessenverbands der europäischen Saatgutindustrie EU-Politiker. „Ich habe gesehen, wie man mit Politikern spricht“, berichtet die junge Wissenschaftlerin. Etwa wie den meist fachfremden Amtsträgern wissenschaftliche Erkenntnisse und neuste Methoden dargelegt wurden.

Kontakte außerhalb des eigenen Instituts

Die Mentorin beleuchtete den möglichen Nutzen der Forschung für die Gesellschaft, aber auch Auswirkungen politischer und juristischer Entscheidungen auf die Wissenschaft. Besonders spannend empfand Doktorandin Deppé Gespräche über ein Urteil des europäischen Gerichtshofs von 2018. Dieses verfügt, dass Pflanzen, die mit dem fortschrittlichen CRISPR/Cas-Verfahren erzeugt werden, dennoch unter das restriktive Gentechnik-Recht fallen. Die damit verbundenen langwierigen Zulassungsverfahren verschließen den Forschern quasi die Tür, mit der modernen CRISPR/Cas-Methode rasch und effizient neue Kulturpflanzen zu erzeugen. Diese könnten zum Beispiel dem Klimawandel besser widerstehen und den steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln befriedigen.

Infos zur Plant Academy

Das Bundesforschungsministerium für Bildung und Forschung fördert in der Initiative „Pflanzenzüchtungsforschung für die Bioökonomie“ die PLANT 2030 ACADEMY. Neben vielen unterstützenden Workshops für Promovierende und Postdoktoranden wurde ein einjähriges Mentoring angeboten. Aus 19 Verbundvorhaben und drei Einzelvorhaben haben sich zwölf Tandems für das Mentoring-Programm gefunden. Seinen vorläufigen Abschluss fand das Programm auf dem Statusseminar PLANT2030 im Jahr 2019. Für zukünftige Ausschreibungen werden weitere solcher Programme in Erwägung gezogen.

Für Deppé war es zudem wichtig, „mit jemand außerhalb des Forschungsinstituts Kontakt zu haben“, und sie profitierte von der Lebenserfahrung ihrer Betreuerin. So konnte sie unter anderem viel über Zeitmanagement lernen.

Insgesamt nutzten zwölf junge Forschende den Austausch mit erfahrenen Fach- oder Führungspersönlichkeiten, um ihre beruflichen und außerfachlichen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Während eines Jahres bildeten ein Nachwuchswissenschaftler (Mentee) und ein Mentor ein Tandem. Die Mentoring-Beziehung wurde von regelmäßigen Seminaren, begleitenden Gesprächsrunden und durch die PLANT 2030 Geschäftsstelle unterstützt. Eine Evaluierung mittels einer anonymen Befragung der Teilnehmer am Ende der Mentoring-Phase ergab auch von Seiten der Mentoren viel Lob.

Einer von ihnen ist Dr. Viktor Korzun, Globaler Leiter Wissenschaftliche Angelegenheiten bei einem der weltweit größten Pflanzenzüchtungs- und Biotechnologie-Unternehmen, das insbesondere Saatgut für landwirtschaftliche Nutzpflanzen herstellt. Korzun engagiert sich als Mentor, weil er etwas zurückgeben möchte. Auch er habe einst viel Unterstützung von erfahrenen Professoren erhalten. Nun wolle er, dass seine Schützlinge „über mich die Industrie kennenlernen“. Etwa Arbeitsabläufe, Kooperationen oder Entscheidungsprozesse. Die wissenschaftliche Arbeit des Doktoranden steht dabei weniger im Fokus, wichtiger ist für Korzun seinen Schützlingen die sogenannten "soft skills" zu vermitteln. Als Beispiel nennt Korzun Organisationstalent. Seine Beziehung zu dem Mentee überdauerte das Ende des Mentoring-Programms: „Inoffiziell begleite ich weiter bis zur Doktorarbeit.“

Auch die Mentoren und Mentorinnen lernen dabei

Korzun plädiert dafür, eine „tolle Initiative wie das Mentoring-Programm“ als Bestandteil von strategisch wichtigen Programmen großflächig zu etablieren Dieser Ansicht seien auch viele andere Forscherinnen und Forscher. „Für mich persönlich viel wichtiger als Geld ist die Unterstützung junger Menschen.“ Dies entscheide mit, wie innovativ Deutschland in den kommenden Jahrzehnten sein wird.

Auch die Mentoren konnten Neues lernen, unter anderem über die Erwartungen, die junge Wissenschaftler derzeit an ihre berufliche Karriere und das heutige Berufsleben stellen. Zum Beispiel wie sich Familie und Beruf vereinbaren lassen. Oder eine internationale Ausrichtung des Berufs. Neue Sichtweisen beschrieben auch die Nachwuchswissenschaftler. „Meine Perspektiven auf die Arbeitswelt haben sich geändert. Das Mentoring half mir, meinen Horizont zu erweitern”, erklärte eine Befragte. Ähnlich positiv beschrieben es andere Jungforscher. Sie können sich nun besser entscheiden, welchen Weg sie nach der Doktorarbeit einschlagen möchten.

Aus der sehr guten Bewertung des Mentoring-Programms und den positiven Rückmeldung an die PLANT 2030 Geschäftsstelle ging jedoch auch hervor, dass die Teilnehmenden die Dauer von einem Jahr als zu kurz empfanden. Die positive Evaluierung des Mentoring-Programms könnte dazu beitragen, dass auch zukünftig solche Module ein wichtiger Bestandteil in neuen Förderinitiativen sind. Es hilft den Nachwuchswissenschaftlern bei der Planung ihres beruflichen Werdegangs, dieses unterstützt das Bundesforschungsministerium.