"MINT ist die Zukunft"

Über MINT-Berufe gibt es viele Vorurteile: zu weit weg vom Menschen, zu eingeschränkt – nichts für Frauen. "Besonders für Mädchen und junge Frauen fehlen noch Vorbilder. Das müssen wir ändern!", sagt Staatssekretär Christian Luft beim MINT-Gipfel.

Staatssekretär Christian Luft beim 7. Nationalen MINT Gipfel
Staatssekretär Christian Luft beim 7. Nationalen MINT Gipfel © BMBF / Anja Spiller

Rede des Staatssekretärs Christian Luft  beim MINT-Gipfel am 27.06.2019 in Berlin.

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Frau Doktor von Siemens, sehr geehrter Herr Doktor Winter, sehr geehrter Herr Professor Kleiner, sehr geehrte Frau Ministerin Hubig, sehr geehrter Herr Doktor Wiarda, meine Damen und Herren,

bei einem Fallschirmsprung hängt Ihr Leben am seidenen Faden. Und am Paulushaken, der nach Katharina Paulus benannt wurde. Sie hat das Fallschirmpaket erfunden, das war Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Mit dieser Erfindung hat sie vielen Menschen das Leben gerettet.

Es gibt tatsächlich viele Erfinderinnen – einige kennen Sie bestimmt, andere vielleicht noch nicht: Tabitha Babbitt hat die Kreissäge erfunden, Ada Lovelace den ersten Computer-Algorithmus, Mary Anderson den Scheibenwischer. Ohne MINT wären diese Erfindungen nicht möglich gewesen.

Trotzdem halten sich Vorurteile über MINT-Berufe hartnäckig: zu weit weg vom Menschen, zu gefährlich, zu eingeschränkt, nichts für Frauen. Besonders für Mädchen und junge Frauen fehlen noch Vorbilder. Das müssen wir ändern! Das gelingt nur gemeinsam. Der Nationale MINT-Gipfel ist eine gute Gelegenheit, den vielen Aktiven im MINT-Bereich DANKE zu sagen für Ihren überragenden Einsatz in der MINT-Bildung. Das gilt auch für das Nationale MINT-Forum und dessen unermüdlichen Einsatz für die MINT-Interessen. Dank Ihrer Tatkraft und Ihres Engagements können wir auf einem guten Fundament aufbauen. Das zeigen die OECD-Rankings:

Wir haben rund eine Million Studierende in den MINT-Fächern. Auch der Anteil der Studentinnen steigt langsam, aber er steigt. Die Zahl der MINT-Auszubildenden steigt wieder leicht. Rund acht Millionen MINT-Fachleute haben 2017 sozialversicherungspflichtig in Deutschland gearbeitet.

MINT ist aber weit mehr als Fachkräftesicherung. Unsere Welt ist zunehmend technologiegeprägt, die Zusammenhänge werden komplexer. MINT zeigt uns, nach welchen naturwissenschaftlichen Gesetzen unsere Welt funktioniert und wie wir sie uns zu Eigen machen können. Es gibt sehr vieles in der Natur, von dem wir Menschen lernen und das wir nutzen können. MINT definiert zugleich wichtige Grenzen für unsere Gestaltungsmöglichkeiten und verschafft uns Bodenhaftung. MINT entzaubert und verzaubert zugleich.

Unser Bekenntnis zu MINT lässt sich daher in eine einfache Botschaft fassen: MINT-Bildung muss zentraler Teil der Allgemeinbildung sein – denn MINT ist die Zukunft.

Eine offene Gesellschaft muss verstehen, wo neue Technologien Risiken beinhalten und wie man sie beherrschen kann. Nur dann kann sie z.B. auch die Chancen der Künstlichen Intelligenz und der Digitalisierung abschätzen. Und wer das kann, kann dann auch die konkreten Schritte in die verantwortliche Anwendung gehen. Gerade läuft das aktuelle Wissenschaftsjahr das BMBF zur Künstlichen Intelligenz. Wir brauchen Maschinen und Dienstleistungen, die der Gesellschaft und den Menschen dienen, nicht umgekehrt.

Die Digitalisierung kann uns helfen, für die Probleme unsere Zeit neue Antworten zu finden. Dafür brauchen wir Menschen, die sich damit auskennen: MINT-Fachkräfte für den Klimaschutz, für die Zukunft unserer Mobilität, für eine digitale Wirtschaft und Gesellschaft! Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt und damit viele Berufe grundlegend. Deswegen haben wir in der Bundesregierung unsere Nationale Weiterbildungsstrategie verabschiedet. Ein Meilenstein für die berufliche Bildung in Deutschland.

Alle Erwerbstätigen sollen ihre Qualifikationen und Kompetenzen weiterentwickeln können. Als Bundesregierung unterstützen wir sie dabei – gemeinsam mit vielen Partnern. Damit zeigt sich, wie groß das Potenzial ist, das die MINT-Bildung hat: mit ihr können sich Talente entfalten,
sie bestimmt wie offen und innovationsfreudig die Gesellschaft ist, von ihr hängt die wirtschaftliche Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Landes ab.

Reden wir über die MINT-Bildung in Deutschland – reden wir auch über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Deshalb braucht die MINT-Bildung das Engagement der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft, von Bund und Ländern! Mit den Ländern wollen wir den Nationalen Bildungsrat einrichten. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch er sich mit der durchgängigen MINT-Förderung beschäftigen wird – von der frühkindlichen Bildung bis zur Weiterbildung.

Sehr geehrte Damen und Herren,

weil uns MINT am Herzen liegt, haben wir den MINT-Aktionsplan aufgelegt. Er ist auch nach Gesprächen mit Ihnen entstanden, anhand Ihrer Erfahrungen. Mit dem MINT Aktionsplan haben wir vier neue Initiativen gestartet:

  • MINT-Angebote für Jugendliche
  • Ein MINT-Kommunikationskonzept
  • Eine MINT-E-Plattform und Vernetzungsstelle
  • MINT-Forschung

1. Wir wollen den Zugang zu MINT für junge Leute so einfach machen, wie zum Sport oder zur Musik.

Bisher schwindet viel zu häufig das natürliche Interesse, die Freude und der Spaß an Wissenschaft und Technik im Alter von 10-16 Jahren. Das sind die entscheidenden Jahre! Genau dann müssen wir alle zusammenarbeiten und das MINT-Interesse wach halten. Langfristig wirksam kann das nur gelingen, wenn die Akteure in ihrer jeweiligen Region auf ein stabiles Netzwerk zurückgreifen können. Ein Netzwerk, das über den Schulunterricht hinaus Angebote für die Nachmittage und Wochenenden stützt.

Nach der Sommerpause wollen wir deshalb einen Wettbewerb starten. Wichtig ist: Wir werden dabei keine Inhalte, sondern Strukturen fördern. 30 bis 40 Verbünde aus Bildungsträgern, Stiftungen, Vereinen, Hochschulen oder Unternehmen. Die besten Cluster erhalten rund 500.000 Euro. In Ausnahmefällen auch eine Million Euro, jeweils für drei Jahre.

2. Wenn wir Kinder für MINT begeistern wollen, müssen wir sie direkt ansprechen.

Gerade ist in Hannover die IdeenExpo für Schülerinnen und Schüler zu Ende gegangen. Ministerin Karliczek hat sie eröffnet und konnte dabei zeigen, wie viel MINT-Magie bereits im Alltag steckt: Im Smartphone, bei Nowitzkis Korbleger, bei der Erforschung von Plastik im Ozean, überall. Dafür haben wir zur IdeenExpo die neue Website „mintmagie.de“ gestartet und auch einen gleichnamigen Instagram-Kanal eingerichtet. Unter dem Hashtag „mintmagie“ auf Instagram sind schon viele Posts der jungen Messebesucher zu finden. Das Smartphone ist eben das Lieblings-Technik-Werkzeug unserer Kinder – und YouTube-Filme auch. Sie können den Kameraleuten, die auch heute und hier O-Töne einfangen, Ihre eigene Botschaft für „mintmagie“ mitgeben.

Der Schlüssel für eine erfolgreiche MINT-Förderung lautet: Vernetzung und gemeinsam Wirken. Deshalb sieht der MINT-Aktionsplan die „bundesweite Vernetzungsstelle mit einer MINT-E-Plattform“ vor. Hier geht es auch um Qualitätskonzepte von der Community für die Community. Die Hauptzielgruppe sind also Sie, die MINT-Akteure. Mit der E-Plattform kann man MINT-Angebote besser finden und das vorhandene Wissen besser vernetzen. Wie werden im frühen Herbst die Förderbekanntmachung veröffentlichen und im ersten bzw. zweiten Quartal des nächsten Jahres mit der konkreten Förderung beginnen.

Dann bleibt nur noch die Frage: Unter welchen Bedingungen gelingt MINT-Bildung? Deswegen werden wir hier noch mehr forschen. Hier wird es Ende des Jahres eine Förderbekanntmachung geben, deren Förderung dann Mitte nächsten Jahres startet.

Meine Damen und Herren,

„Potenzialentwicklung in der MINT-Bildung – Qualität und Wirkung“ ist das Motto des heutigen MINT-Gipfels. Das BMBF und das Nationale MINT-Forum und viele hier heute Anwesende ziehen dabei an einem Strang. Ziel ist es, dass es uns gelingt, mehr Raum für Vernetzung, Transfer, Austausch und Qualitätssicherung zu schaffen. Denn das eröffnet wichtige neue Potenziale, die wir dringend brauchen. Anfang Juni haben viele von Ihnen an einem Expertengespräch teilgenommen. Daraus haben wir gelernt: Wir können Sie am besten unterstützen, wenn wir Prozesse und den Aufbau längerfristiger Strukturen finanziell fördern.

Die anfangs erwähnte „Käthe“ Paulus ist das beste Beispiel dafür, wie sehr sich Potenzial entfalten kann. Sie war in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und hatte eine Ausbildung zur Schneiderin gemacht. Sie hat es im wahrsten Sinne bis ganz nach oben geschafft und wurde später die erste deutsche Berufsluftschifferin.

Noch sind es nur 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die sich vorstellen können, in einem technischen oder naturwissenschaftlichen Beruf zu arbeiten – oder vielleicht sogar Erfinderinnen oder Erfinder zu werden. Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass sich das so bald wie möglich ändert! Lassen Sie uns gemeinsam diese Talente in jungen Mädchen und Jungs erkennen und heben!