Minus 80 Grad Celsius in Bremerhaven

Eiseskälte ist für Forschende des Alfred-Wegener-Instituts nicht neu – zumindest auf Expeditionen. Doch nun wird es in Bremerhaven klirrend kalt: Dort entsteht ein „Technikum“, in dem Forschungsgeräte unter Extrembedingungen getestet werden können.

Grunsteinlegung AWI-Technikum. v.l.n.r.: Karsten Wurr (AWI Verwaltungsdirektor), Johannes Kister (ksg Architekten), Carsten Sieling, Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen, Antje Boetius, AWI-Direktorin, Eva Quante-Brandt, Wissenschaftssenatorin Bremen, Melf Grantz Oberbürgermeister Bremen, Michael Meiste Staatssekretär BMBF, Hans Peter Willumsen, Johan Willumsen © Alfred-Wegener-Institut / Kathrin Doepner

Monatelange Dunkelheit, Temperaturen von bis zu minus 50 Grad Celsius in der Arktis oder Antarktis, und überall Eis, Eis und nochmals Eis – all das müssen die Polar- und Meeresforschenden des Alfred-Wegener-Instituts auf Expeditionsreisen aushalten. Doch die Extrembedingungen sind auch eine Herausforderung für ihre Forschungsgeräte: Eisbohrer, Messinstrumente und Tauchroboter müssen der extremen Kälte oder dem enormen Druck in der Tiefsee standhalten. Ob sie das tun, können die Forschenden schon bald in ihrer „Basis“ in Bremerhaven testen: Dort wurde jetzt der Grundstein für ein „Technikum“ gelegt, in dem die Geräte Extrembedingungen ausgesetzt werden können.

14,5 Millionen Euro für das Technikum

Bislang entwickeln und erproben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Geräte in einfachen Garagen oder kleinen Werkstätten, die im ganzen Stadtgebiet verstreut liegen. Das hat schon bald ein Ende: „Mit dem neuen Technikum wird es dem AWI in wenigen Jahren erstmalig möglich sein, die komplette Expeditionsvorbereitung hier vom Hafen in Bremerhaven aus zentral durchzuführen“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Michael Meister bei der Grundsteinlegung. „Ich freue mich daher sehr, dass das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Land Bremen diesen Neubau gemeinsam mit rund 14,5 Millionen Euro auf den Weg bringen“, so Meister.

Erster Entwurf des AWI-Technikums: Anmutung von der Drehbrücke zum Weser Yacht Club aus gesehen.
Erster Entwurf des AWI-Technikums: Anmutung von der Drehbrücke zum Weser Yacht Club aus gesehen. © ksg architekten

Ende 2021 soll das Technikum fertig sein – und dann wird es einiges zu bieten haben: In einem 15 Meter hohen Turm können Eisbohrer getestet  und in einem Kälteraum Messgeräte bis zu minus 80 Grad Celsius ausgesetzt werden. In einem Testbecken mit Meerwasser können die Forschenden zudem Tauchsonden und -roboter erproben. Diese Tests sind wichtig für die Vorbereitung von Expeditionen: Denn die Messinstrumente müssen bei extremen Bedingungen in den entlegensten Regionen der Erde zuverlässig funktionieren – etwa in der antarktischen und arktischen Tiefsee bei einem Druck von über 500 Bar. Zudem müssen sie lange Zeit ohne Service und Wartung autark Daten messen und anschließend senden oder speichern können.

Mit Forschung die Weichen für die Zukunft stellen

Für die Expeditionsvorbereitung wird es im Außenbereich einen Container-Stellplatz geben. Eine 20 Tonnen Krananlage soll es ermöglichen, die Container von dem Außenlager direkt in die Vorbereitungshalle zu transportieren. Dort werden sie für die Expeditionen gepackt, um dann auf die weite Reise Richtung Antarktis oder Arktis zu gehen.

Gut gerüstet können die AWI-Forschenden dann weiterhin im ewigen Eis Veränderungen beobachten und dokumentieren, Klimavorhersagen verbessern und ihre Ergebnisse schnellstmöglich dem Planeten und der Gesellschaft zu Gute kommen lassen. „Gerade auch für uns Politiker ist fundiertes Handlungswissen unerlässlich, damit wir die richtigen Weichen für die Zukunft stellen können“, betonte Michael Meister.